Was war der Grund/die Herausforderung für das Projekt?

Soziale Projekte sind in A-Städten oft schwer zu realisieren, da diese nicht nur sehr teuer sind, sondern geeignete Projekte in der Regel auch von konventionellen Nutzern weggeschnappt werden. Diese haben einfach einen Geschwindigkeitsvorteil aufgrund der schnelleren Gremienzustimmungen. Vor diesem Hintergrund haben wir uns sehr gefreut, das ehemalige Altenzentrum St. Hildegard in Düsseldorf-Garath an die gemeinnützige Graf Recke Stiftung vermieten zu können. Dem Betreiber und vorherigen Eigentümer des Altenzentrums, welcher auf dem Nachbargrundstück neu gebaut hat, war es wichtig, dass das Gebäude auch in Zukunft für einen sozialen Zweck genutzt wird. So errichtet die neue Mieterin in dem denkmalgeschützten und zentral in Düsseldorf gelegen Gebäudeareal eine Einrichtung für sozial betreutes Wohnen für Kinder, Jugendliche sowie Erwachsene mit besonderem Förderungsbedarf oder geistigen Behinderungen.

Eingebettet ist das Ganze außerdem in ein Stadtentwicklungsprojekt. Damit soll der Stadtteil für die nächsten Jahrzehnte zukunftsfähig gemacht werden. Auf der Basis einer fundierten Analyse und der mehrstufigen Beteiligung von Bewohnerinnen und Bewohnern sowie Akteuren ist ein Konzept zur Weiterentwicklung des Stadtteils entstanden: „Garath 2.0 – Den Wandel gestalten“. Die Herausforderung bestand hier darin, die beteiligten Akteure von der Errichtung einer Kinder- und Jugendeinrichtung in Garath zu überzeugen und vorherrschende Ängste und Vorurteile zu entkräften.

Mit welcher Innovation konnten Sie die Herausforderung bewältigen?

Wer im Immobiliensektor tätig ist, kennt es sicherlich: Insbesondere bei denkmalgeschützten Gebäuden können sich Baugenehmigungsprozesse sehr lang hinziehen. Wir sind deshalb von Anfang an bei diesem Projekt mehrgleisig gefahren und haben viele Prozesse parallel angestoßen und vorangetrieben. So waren viele Punkte schon erledigt, die normalerweise erst nach einer Baugenehmigung angegangen werden können.

Darüber hinaus haben wir unser Netzwerk genutzt, um frühzeitig Verwaltung, Lokalpolitik und ansässige Bürger*innen einzubinden. Im Rahmen des anschließenden Abstimmungs- und Partizipationsprozesses konnten wir dann die überwiegende Mehrheit für das Projekt begeistern.

Welche Bedeutung hat die Triodos Bank für Ihr Unternehmen?

Die Triodos Bank hat als Nachhaltigkeitsbank eine große Bedeutung für uns. Wir haben uns für die Triodos Bank entschieden, weil sie von ihrer Philosophie her am besten zu uns passt – und das nicht etwa wirtschaftlich getrieben. Die Triodos Bank versteht Sonderthematiken, die mit der Finanzierung einer solchen Immobilie für einen sozialen Träger verbunden sind, viel besser als andere Geschäftsbanken. Die Ansprechpartner*innen kennen sich einfach aus und zeichnen sich durch eine deutlich höhere Flexibilität aus, auf Besonderheiten einzugehen. Die Beziehungsebene war uns von Anfang an sehr wichtig.

Welchen Einfluss hat Ihr Unternehmen auf den Sektor, in dem Sie tätig sind?

Wir wollen im Spezialbereich der Sozialimmobilien zeigen, dass dieser Sektor anders funktionieren kann und nicht nur zahlengetrieben ist. Gerade mit dem Projekt in Düsseldorf-Garath verdeutlichen wir, dass maximale Wirtschaftlichkeit nicht immer der ausschlaggebende Fakt sein muss. Eine Immobilie ist nur dann nachhaltig zu bewirtschaften, wenn sie sich in die Struktur der Nachbarschaft einfügt und nicht als Fremdkörper angesehen wird.

Welche gesellschaftliche Bedeutung hat Ihr Projekt?

Wir freuen uns ungemein darüber, dass es uns gelingt einen doppelten Nutzen zu erzeugen: Dabei auch eine Rendite zu erwirtschaften ist ja keine Schande, dann aber gleichzeitig etwas Gutes voranzubringen macht uns einfach glücklich. Als Unternehmer werden wir so unserer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht und geben etwas an die Menschen vor Ort zurück. Das setzt Glücksgefühle frei. Wir hätten mit dem Areal durchaus auch andere Planungen verfolgen können – und etwa dort ein Boardinghaus beantragen können. Wir haben uns aber bewusst für unsere soziale Lösung entschieden. Wir wollten stattdessen ein Leuchtturmprojekt mit sehr langfristiger Nutzungsperspektive für das gesamte Viertel schaffen.

Inwiefern teilt die Triodos Bank Ihre Vision?

Die Triodos Bank hat uns von Anfang an darin unterstützt, unsere Vision eines wegweisenden sozialen Zentrums zu entwickeln und gemeinsam mit der Graf Recke Stiftung umzusetzen. Denn die Triodos Bank ist genau wie wir der Auffassung, dass die Nachhaltigkeit einer Immobilie sich auch in ihrer Nutzungsform - unter Beibehaltung der sehr besonderen Architektur des renommierten Architekten Gottfried Böhm - widerspiegelt und in der Art und Weise, wie sie sich in das Viertel einpasst.