2017
Gesundheitswesen

Welche Herausforderung hat den Anstoß zu diesem Projekt gegeben?

Yoni wurde 2014 in den Niederlanden gegründet und stellt Damenbinden und Tampons aus Bio-Baumwolle her. 2011 wurde bei Mariah Mansvelt Beck, die Yoni gemeinsam mit Wendelien Hebly gegründet hat, Eierstockkrebs im Frühstadium diagnostiziert. Ihre Ärztin riet ihr damals, Tampons oder Binden aus Bio-Baumwolle zu verwenden, um Irritationen der Vagina zu vermeiden. Mansvelt Beck befolgte diesen Ratschlag, musste jedoch feststellen, dass Hygieneartikel aus Bio-Baumwolle nur schwer zu finden waren, und nur in wenigen Bio-Läden verkauft wurden.

Zudem musste sie feststellen, dass die Inhaltsstoffe herkömmlicher Tampons nicht auf der Verpackung deklariert sind. Mansvelt Beck und Hebly waren entsetzt: Auf fast allen Verbraucherprodukten werden die genauen Inhaltsstoffe angegeben, doch ausgerechnet bei diesen besonders intimen Produkten war dies nicht der Fall. Wie die beiden feststellten, werden die meisten Tampons aus synthetischen Materialien wie Viskose oder Kunststoffen hergestellt und enthalten teilweise sogar Duftstoffe. Bei Frauen, die empfindlich auf diese Inhaltstoffe reagieren, kann dies zu Irritationen führen.

Was ist das Innovative an diesem Projekt?

Yoni ist der Ansicht, dass Frauen das Recht haben zu wissen, woraus die Produkte, die sie kaufen, gemacht sind. Das Unternehmen leistet hierzu seinen Beitrag, indem es die Inhaltsstoffe auf der Verpackung aufführt und das Tabu rund um das Thema Menstruation bricht.

Die Menstruation ist ein Zeichen für Gesundheit und kein Grund für Heimlichtuerei. Darum legt Yoni viel Wert auf Kommunikation und Verpackungsdesign. Letzteres ist zum Teil von Kosmetika und Pflegeprodukten inspiriert. Diese Produkte werden in attraktiven Verpackungen angeboten, und Yoni ist der Ansicht, dass man auch Tampons und Binden optisch ansprechender präsentieren kann.

Der Ansatz von Yoni findet Anklang. 2016 belegte das Unternehmen bei den Innovation Top 100 unter den niederländischen SMEs den ersten Platz. Dies verdankt das Unternehmen in erster Linie seiner innovativen Kommunikation und der breiten Verfügbarkeit seiner Produkte. Diese sind nicht nur im unternehmenseigenen Online-Shop sondern auch in beliebten Drogerieketten in den Niederlanden erhältlich.

Welche Bedeutung hatte die Triodos Bank für dieses Projekt?

Yoni wurde mit dem Kapital von mehreren Anlegern und einer Crowd-Funding-Initiative ins Leben gerufen. Das Unternehmen unterhält seit einem Jahr eine Beziehung zur Triodos Bank.

Dank des Kredits der Triodos Bank kann Yoni nun einen größeren Markt in mehreren Ländern bedienen. Die Produkte des Unternehmens sind nun in verschiedenen Ländern verfügbar, darunter Deutschland, Großbritannien und die Benelux-Länder. Das Unternehmen möchte jedoch weiter expandieren, weshalb die Finanzierung durch die Triodos Bank besonders wichtig ist.

Welche Wirkung hat das Projekt für den Sektor?

Yoni möchte Frauen stärker sensibilisieren. Das Unternehmen legt daher großen Wert darauf, über die Inhaltsstoffe in seinen Hygieneprodukten zu berichten. Yoni ist der Auffassung, dass Frauen sich mehr Gedanken über ihre Hygieneprodukte machen sollten. Indem es „einfach“ die Inhaltstoffe seiner Produkte auf der Verpackung auflistet, will das Unternehmen die Hersteller herkömmlicher Produkte ebenfalls zu mehr Transparenz anregen. Vor der Gründung von Yoni riefen Mansvelt Beck und Hebly die herkömmlichen Hersteller an und befragten diese zu den Inhaltsstoffen ihrer Produkte. Manchmal war es dabei sehr schwierig, Antworten zu erhalten. Dies hat sich seither geändert. Viele große Marken liefern inzwischen auf ihren Webseiten Informationen zu den Inhaltsstoffen ihrer Produkte.

Yoni ist Teil einer größeren Bewegung. In den letzten Jahren, haben Verbraucher angefangen, unter anderem bei der Europäischen Kommission Fragen in Bezug auf die mangelnde Transparenz bei den von ihnen verwendeten Produkten zu stellen. Diese Fragen deuten auf eine wachsende Sensibilisierung der Verbraucher für dieses Thema hin.

Welche gesellschaftliche Wirkung hat das Projekt?

Das Thema Menstruation ist noch immer kein gewöhnliches Gesprächsthema und das, obwohl das Wort „Tabu“, das aus dem Polynesischen stammt, wörtlich übersetzt „Menstruation“ bedeutet. Eine Studie hat festgestellt, dass 19% der niederländischen Mädchen nichts über die Menstruation wissen, bevor sie zum ersten Mal ihre Regel haben. Niemand spricht mit ihnen über dieses Thema. Yoni sieht darin ein echtes Problem. Wenn sie unerwartet eintritt und ein Mädchen nichts darüber weiß, kann die Menstruation ein traumatisches Erlebnis sein.

Yoni will Gespräche über die Menstruation zur Normalität machen. Eine Maßnahme ist hierbei der Verzicht auf Euphemismen. So verwendet Yoni auf den Verpackungen beispielsweise die Worte „Vagina“ und „Menstruation“.

Inwiefern deckt sich das Projekt mit der Vision der Triodos Bank?

Genau wie die Triodos Bank möchten die Unternehmerinnen Mariah Mansvelt Beck und Wendelien Hebly ihre Vision in Form eines kommerziell erfolgreichen Unternehmens in die Welt tragen.

Bei Yoni werden alle Produktions- und Betriebsabläufe genauestens kontrolliert und so nachhaltig wie möglich gestaltet. Die Unternehmerinnen sind zudem der Ansicht, dass ein wichtiger Aspekt eines nachhaltigen Unternehmens ein solides und rentables Geschäftsmodell ist. Denn nur so kann Yoni langfristig einen entscheidenden Beitrag zu einem positiven Wandel leisten.