Environement

Erneuerbare Energien

Welche Herausforderung hat den Anstoß zu diesem Projekt gegeben?

Den Anstoß zum Windpark von Awel Co-op hat die mangelnde Finanzierung für lokale Gemeinschaftsprojekte gegeben. Wir hatten beobachtet, dass viele wichtige lokale Projekte für regenerative Energien sich ständig neu um finanzielle Förderung bewerben mussten und daher keine solide finanzielle Grundlage hatten. Wir wollten daher mit dem Windpark ein gewinnbringendes Projekt auf die Beine stellen, das eine nachhaltige Finanzierungsquelle für diese kommunalen Projekte bieten würde.

Wir haben uns dabei für ein Windenergie-Projekt entschieden, da wir auch die Herausforderungen angehen wollten, die der Klimawandel und der Übergang zu einer Wirtschaft mit geringeren CO2-Emissionen bereithalten. Die Region, in der sich der Windpark befindet, hat früher vom Kohleabbau gelebt. Seit der Bergbau in der Region zurückgefahren wurde, sind hier schwierige Zeiten angebrochen. Die Menschen waren daher zum einen begeistert von dem Konzept eines Windparks in kommunalem Besitz, der allen zugutekommt, zum anderen aber auch davon, die Wirtschaftstätigkeit in der Region von fossilen Brennstoffen zu entkoppeln und auf nachhaltige Energien umzustellen.

Welche innovative Strategie haben Sie zur Lösung dieses Problems entwickelt?

Da die lokale Gemeinschaft nur über ein geringes Durchschnittseinkommen verfügt, war es schwierig, die finanziellen Mittel zusammenzubekommen, die für Durchführbarkeitsstudien, Planungsarbeit und Baumaßnahmen erforderlich waren, bevor die Windkraftanlagen erstmals Energie produzieren konnten. Wir haben daher beschlossen, das Projekt als Genossenschaft aufzuziehen, um sicherzustellen, dass jeder sich einbezogen und verantwortlich fühlt. Ein paar Windkraftanlagen aufzustellen bedeutet viel harte Arbeit, ich würde aber nicht sagen, dass es besonders innovativ ist. Die Innovation bestand in unserem Fall darin, dass wir die Begeisterung über den Bau des Windparks und die Beteiligung an dem Genossenschaftsprojekt werbewirksam genutzt haben, um das Interesse der Öffentlichkeit zu wecken.

Welche Bedeutung hatte die Triodos Bank für Ihr Projekt?

Tatsache ist, dass es den Windpark ohne die Triodos Bank nicht geben würde. Das Projekt hat ein Volumen von 8,25 Mio. GBP, und der Kredit der Triodos Bank macht 5,25 Mio. GBP davon aus. Die Triodos Bank ist also ein wichtiger Teil dieses Projekts. Noch wichtiger war jedoch, dass die Finanzierung durch die Triodos Bank den Menschen Vertrauen in das Projekt gegeben hat. Da wir von einer unabhängigen Stelle gründlich überprüft worden waren, waren mehr Menschen bereit, sich an unserem Anteilsangebot zu beteiligen. So sind bereits 2,5 Mio. GBP zusammengekommen.

Neben der finanziellen Unterstützung haben wir von der Triodos Bank im Laufe der Jahre im Rahmen der Projektentwicklung unzählige wertvolle Tipps erhalten. Die Triodos Bank hat uns Ratschläge zu Planung und Durchführung gegeben, um die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen, und uns beraten, was wir tun müssen, um Finanzmittel einzuwerben. Erst vor Kurzem hat uns die Triodos Bank bei Werbemaßnahmen und Öffentlichkeitsarbeit in der Region unterstützt, und ich habe viele positive Rückmeldungen von Menschen bekommen, die den Changemakers-Film von Triodos über die Awel Co-op gesehen hatten.

Welche Wirkung hat Ihr Projekt für den Sektor?

Gemessen am Sektor für erneuerbare Energien als Ganzes ist unser Projekt vergleichsweise klein, in Bezug auf die Größe kommunaler Projekte in Wales hatte es jedoch Signalwirkung. Unseres ist das bei Weitem größte kommunale Projekt in Wales und hat angesichts der Größe unseres Beteiligungsangebots und des Finanzierungsumfangs der Triodos Bank viel Interesse geweckt. Ich denke, es hat den Menschen das Potenzial von kommunalen Projekten im Bereich erneuerbare Energien vor Augen geführt. Wir stehen sogar in Kontakt mit zahlreichen Mitgliedern der Nationalversammlung von Wales, die gesehen haben, was wir auf die Beine gestellt haben, und gerne mehr solcher Projekte sehen würden. Anfang dieses Jahres wurde mir aufgrund der Signalwirkung unseres Projekts und wegen seiner allgemeinen Auswirkungen auf den kommunalen Energiesektor in Wales im Rahmen der New Year’s Honours List der Titel Mitglied des Ordens des Britischen Empire (MBE) verliehen. Indirekt führt all dies zu einem Umdenken in der Politik, kommunale Energieprojekte zu unterstützen und die gemeinsame Verantwortlichkeit von Kommunen und gewerblichen Entwicklern zu fördern.

Welche Wirkung hat Ihr Projekt für die Menschen vor Ort?

Eines unserer Ziele besteht darin, die Menschen vor Ort stärker zu involvieren und an dem Projekt zu beteiligen. Darum spenden wir Anteile im Wert von insgesamt 100.000 GBP an lokale Schulen und kommunale Einrichtungen, um diesen einen nachhaltigen Mittelzufluss zu verschaffen. Wir haben bereits Anteile an einzelne Schulklassen ausgegeben und sie zu einer Besichtigung des Windparks eingeladen. Dies hat sich als hervorragende Methode erwiesen, die Bevölkerung stärker einzubinden. Wenn den Kindern klar wird, dass ihnen die Windkraftanlagen gehören, ist das sehr inspirierend für sie.

Inwiefern kann sich die Triodos Bank mit Ihrer Vision identifizieren?

In der Eingangshalle der Triodos-Geschäftsstelle in Bristol befindet sich ein Wandgemälde, das zeigt, dass wir die Ressourcen, die uns zur Verfügung stehen – sei es das Projekt oder Gelder im Allgemeinen – nutzen können, um die Bedürfnisse von heute zu befriedigen, ohne dabei kommende Generationen in ihren Möglichkeiten einzuschränken, ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Genau das wollen wir erreichen. Es erinnert zudem an den walisischen Future Generations Act, eines der ersten unabhängigen Gesetze der Regierung von Wales. Die gemeinsame Verpflichtung zu nachhaltiger Entwicklung bildet das Herz unserer Beziehung zur Triodos Bank und lässt uns gemeinsam mit der Bank zuversichtlich in die Zukunft blicken.

Welche Herausforderung hat den Denkanstoß für dieses Projekt gegeben?

Die größte Herausforderung bestand darin, das Projekt an ein Gebiet anzupassen, das im Hinblick auf erneuerbare Energiequellen (Wind, Sonne, Holz usw.) einem starken Wandel unterworfen war, und eine Technologie zu antizipieren, die zu dem Zeitpunkt, als das Projekt entwickelt wurde, noch gar nicht existierte. Wir mussten ein Gebiet mit starkem Wind finden, wir benötigten einen Hersteller, der die Anlagen in ein schwer zugängliches Areal liefern konnte und schließlich mussten wir die spezifischen Bedingungen für den Netzanschluss erfüllen. Natürlich konnten wir nicht mit den Anlagen arbeiten, die uns die Hersteller vor zehn Jahren anboten. Wir mussten also eine Anlage für diesen Windpark „erfinden“.

Mit welcher innovativen Idee haben Sie dieses Problem gelöst?

Wenn wir von Innovation sprechen, geht es hauptsächlich um „landschaftliche“ Aspekte. Zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme des Windparks würden die Anlagen mit 180 Metern bis zur Rotorblattspitze die höchsten in ganz Frankreich sein. Wir mussten also die „psychologische“ Hürde von 150 Metern überwinden. Immerhin hatte es auch zehn Jahre gedauert, bis die Obergrenze von 100 Metern geknackt wurde. Wir sprachen darüber, dass die Hersteller Anlagen entwickelten, deren Rotorblätter in zwei Teile zerlegbar sind, um diese auch in schwer zugängliche Areale liefern zu können, und schließlich führten wir produktive und pragmatische Gespräche mit dem Netzwerkmanager, um eine wirtschaftlich tragfähige Lösung für die Anbindung des Windparks zu finden.

Welchen Einfluss hatte die Triodos Bank auf Ihr Unternehmen?

Die UNITe Group hat die Triodos Bank aufgrund ihrer langjährigen Kompetenz und Erfahrung in der Finanzierung von Windparks und anderen innovativen erneuerbaren Energieprojekten als Unterstützerin für dieses innovative Projekt ausgewählt.

Die Triodos Bank war direkt nach Erhalt der erforderlichen Genehmigungen, bereits ganz zu Beginn der Bauphase, als Vermittlerin an dem Projekt beteiligt. Unter den an dem Projekt beteiligten Banken war die Triodos Bank die eigentlich treibende Kraft, sowohl im Hinblick auf die Geschwindigkeit, mit der die Bank Finanzierungsvereinbarungen erwirkt hat, als auch in Bezug auf ihre Fähigkeit, die ausgetretenen Pfade bei der Finanzierung erneuerbarer Energieprojekte zu verlassen. So integrierte die Triodos Bank beispielsweise Crowdfunding in den Finanzierungsplan, und zwar sowohl in Bezug auf vorrangige Verbindlichkeiten als auch in Bezug auf das Kapital.

Welchen Einfluss hatte Ihr Unternehmen auf Ihre Branche?

Die UNITe Group und insbesondere ihr in der Entwicklung von Windparks tätiges Tochterunternehmen ALTECH haben bereits mehrfach scheinbar unüberwindbare Hürden gemeistert. 2001 erhielten wir die Baugenehmigung für einen Windpark in der Gemeinde Bouin im Département Vendée, der damals der größte Windpark (20MW) mit den höchsten Turbinen und der größten Nennleistung in Frankreich werden sollte. Das Projekt würde sich sowohl mit Blick auf den Tourismus als auch in finanzieller Hinsicht enorm positiv auf die Gemeinde auswirken. Zwischen 2010 und 2011 erhielt ALTECH die Genehmigungen für den Bau des Prototypen der Offshore-Windturbine HALIADE 150 von Alstom am Standort Carnet in Loire-Atlantique. In 2017 schließlich ist der Windpark mit den höchsten Turbinen in Frankreich in Betrieb gegangen. Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass die UNITe Group und ihr Tochterunternehmen ALTECH mit ihren Projektentwicklungen bewiesen haben, dass mit einer vernünftigen Herangehensweise, die den örtlichen Gegebenheiten Rechnung trägt, alle Herausforderungen hinsichtlich der Flächennutzung überwunden werden können.

Welchen Einfluss hat Ihr Unternehmen auf die direkte Umgebung?

In den Kommunen Saint-Secondin und Ferrière-Airoux, wo sich der Windpark befindet, haben wir die unermüdliche Unterstützung der lokalen Gemeinden erfahren, zunächst durch Herrn Baudifier, den ehemaligen Bürgermeister von Saint-Secondin, später dann durch den jetzigen Bürgermeister Herrn Saumur. Angesichts dieser Unterstützung war es daher nur selbstverständlich, dass wir bei unserer Vorgehensweise die Wirtschaft im Einzugsgebiet im Blick behalten haben. KMUs und größere Unternehmen profitierten von Anfang an von dem wirtschaftlichen Einfluss des Projekts. Gleiches galt für die Geschäfte und Hotels vor Ort, denen die Arbeiter von der Baustelle, die für die Dauer eines Jahres in der Region gastierten, angesichts einer schwierigen Wirtschaftslage sehr gelegen kamen.

Zudem haben wir elf Jahre lang einen täglichen Beitrag für von der Gemeinde durchgeführte Initiativen zur Information über erneuerbare Energien geleistet, sei es durch die Teilnahme an Aufklärungsveranstaltungen und Symposien, oder indem wir einen Teil des Kapitals des Windparks für Investments bereitgestellt haben.

Inwiefern kann sich die Triodos Bank mit Ihrer Vision identifizieren?

Die Triodos Bank und UNITe teilen die langfristige Vision von Investments in erneuerbare Energien und den Wunsch, die Energiewende mit verantwortungsvoller Landbewirtschaftung zu verbinden. Wir arbeiten zusammen an Konferenzen zu erneuerbaren Energien, die sich mit der Frage befassen, wie Crowdfunding die Projekte einbezogen werden kann, um lokale Investments zu fördern und an der Entwicklung des Smart Grid – des intelligenten Stromnetzes – (das Produktion und Endabnehmer enger zusammenbringt) teilzuhaben.

Die UNITe Group und die Triodos Bank haben in der Finanzierungsphase des Projekts enge Bande geknüpft, wodurch uns bestätigt wurde, dass wir eine gemeinsame Vision bezüglich einer nachhaltigen Entwicklung haben.

Welche Herausforderung hat den Denkanstoß für dieses Projekt gegeben?

Garth Wind Limited wird vom North Yell Development Council betrieben, einer Wohltätigkeitsorganisation die sich der Gemeindeentwicklung in unserer Region widmet. Unser Motto – „Enterprise, Initiative and Self-Help“, also Unternehmergeist, Initiative und Selbsthilfe – begleitet uns seit jeher und auch dieses Projekt fügt sich in dieses Vorhaben ein.

Wir waren beeindruckt, was andere Gemeinden im Hinblick auf Windenergie erreicht haben, und wir waren der Meinung, dass dies ein geeignetes Projekt für uns sein könnte, um saubere Energie zu erzeugen und der Gemeinde eine kleine Einnahmequelle zu bieten. Wir waren der Ansicht, dass unsere gesamte Region enorm von diesem Projekt profitieren könnte.

Welche innovative Strategie haben Sie zur Lösung dieses Problems entwickelt?

2003 wurde beschlossen, ein Projekt zum Bau von fünf Windturbinen in die Wege zu leiten, die 4,5 Megawatt an sauberer Energie für das Stromnetz der Shetlands produzieren und der Gemeinde Einnahmen bescheren sollten. Es gab viele Hindernisse bei der Entwicklung des Projekts, beispielsweise die Erwirkung einer Netzanbindung, Probleme bei der Planung und flächenbezogene Probleme. Für die Gruppe waren das große Herausforderungen, und daher ist die Gemeinde nun besonders stolz, dass der Windpark fertiggestellt ist.

Welchen Einfluss hatte die Triodos Bank auf Ihr Geschäft?

Wir haben uns für die Triodos Bank entschieden, da uns ihre Erfolgsbilanz bei der Unterstützung ähnlicher Projekte an anderen Orten in Schottland bekannt ist und sie daher über viel Erfahrung in der Zusammenarbeit mit schottischen Entwicklungsbehörden verfügt. Zusammen mit der ethischen Einstellung der Bank hat uns das überzeugt, dass die Triodos Bank ein guter Partner für unser Vorhaben sein würde. Die Bank war unser wichtigster Kreditgeber, wodurch die Umsetzung des Projekts sichergestellt wurde. Wir haben eng mit den Mitarbeitern der Triodos Bank zusammengearbeitet und die Unterstützung durch die Triodos Bank hat den reibungslosen Ablauf des Projekts ermöglicht.

Welchen Einfluss hatte Ihr Geschäft/Ihre Organisation auf den Sektor, in dem Sie tätig sind?

Der Windpark, den wir errichtet haben, wird 4,5 Megawatt an sauberer Energie produzieren. Durch eine spezielle Vereinbarung mit dem Netzbetreiber wird auf diese Weise die Energieerzeugung aus fossilen Brennstoffen auf den Shetlands abgelöst. Dies trägt zudem dazu bei, die Zielvorgaben Schottlands, Großbritanniens und Europas in Bezug auf die Erzeugung erneuerbarer Energien zu erfüllen.

Welchen Einfluss hatte das Geschäft/die Organisation auf die direkte Umgebung?

Der North Yell Development Council wurde in den späten 1940er Jahren gegründet und engagiert sich seither in der Gemeinde für Entwicklung und Fortschritt. Dieses Projekt war deutlich größer als jedes bisherige Vorhaben und brachte große Herausforderungen mit sich. Das Vorhaben wurde durch die Unterstützung freiwilliger Helfer ermöglicht. Erst in den späteren Phasen des Projekts wurde ein Projektmanager hinzugezogen. Die gesamte Gemeinde zeigte während der Bauphase reges Interesse, und trotz einiger kurzzeitiger Unannehmlichkeiten während des Baubetriebs waren alle sehr hilfsbereit.

Inwiefern kann sich die Triodos Bank mit Ihrer Vision identifizieren?

Die Triodos Bank wirbt auf ihrer Webseite damit, dass sie nachhaltiges Banking bietet und dabei die Einflusskraft ihrer Finanzierungstätigkeit dafür nutzt, Projekte zu unterstützen, von denen Mensch und Umwelt gleichermaßen profitieren. Die Triodos Bank ist der Ansicht, dass das Bankwesen als positive Kraft eingesetzt werden kann, um Gutes für Menschen und gesellschaftliche Gruppe zu bewirken und zur Schaffung einer nachhaltigeren Gesellschaft beizutragen.

Diese Aussagen passen gut zu unseren gemeinnützigen Zielen, die die Grundlage für das Engagement unserer Organisation für die Gemeinschaft bilden, sowie zu unserem alten Motto: Enterprise, Initiative and Self-Help.

Erneuerbare Energien – Fallbeispiel (photo)

Chris Derde, Manager bei Fortech

Welche Herausforderung hat den Denkanstoß für dieses Projekt gegeben?

Ende des letzten Jahrhunderts entwickelte sich in Dänemark und Deutschland im Bereich erneuerbare Energien der Sektor Windenergie. Technologische Entwicklungen haben Windenergie zu einer attraktiven Option für die Stromgewinnung gemacht.

Wir wollten in unserer eigenen Region, dem Waasland in Belgien, damit beginnen, Windenergie zu erzeugen. Wir, vier Freunde aus Kindertagen, begannen die Wase Wind-Genossenschaft, indem wir uns Wege für die Finanzierung der Windkraftanlagen erschlossen haben, und zwar aus eigenen Mitteln als auch mit Hilfe so vieler anderer Menschen wie möglich. Das bedeutet auch, dass wir für das Geld dieser Menschen verantwortlich sind.

Wir stellen daher sicher, dass unser Unternehmen finanziell gut aufgestellt ist, müssen jedoch keine übermäßigen Gewinne erwirtschaften. Eine angemessene Verwaltung des investierten Geldes sowie die Fortsetzung unserer Pionierarbeit – das sind unsere wichtigsten Aufgaben, um unser Ziel zu erreichen: die Produktion von zu 100% erneuerbaren Energien.

Welche Strategie wurde zur Lösung dieses Problems entwickelt?

Im Jahr 2000 wollten wir mit einer kleinen Gruppe von Menschen ein Unternehmen für erneuerbare Energien auf die Beine stellen. Seit Jahren waren Unternehmenszusammenschlüsse und Übernahmen in der Energiebranche vorherrschend und die Branche befand sich in der Hand großer Konzerne. Sowohl unsere Unternehmensform als auch unsere Technologien waren neu. Unsere Unternehmensstruktur trennt „Fortech“ von „Wase Wind“, wodurch wir die Risiken für die Beteiligten reduzieren und rentable Windenergie produzieren können.

Wir haben zudem die effizientesten Windkraftanlagen ausgewählt, die bei Inbetriebnahme die größten und stärksten in den Benelux-Ländern waren und mit hochmoderner Technologie ausgestattet sind.

Seit wir Wase Wind ins Leben gerufen haben, hat sich das Unternehmen zu einer Genossenschaft von 2.000 Menschen entwickelt, die gemeinsam in Windenergie aus ihrer eigenen Region investieren. Die Windenergie wird von diesen Genossenschaftsmitgliedern zuhause, in ihren lokalen Unternehmen und in kommunalen Einrichtungen wie Sportzentren und Rathäusern genutzt.

Jeder Kunde ist an dem Investment beteiligt und die Gewinne werden ebenfalls unter allen Beteiligten aufgeteilt. Windenergie stößt manchmal auf Widerstand, da die Menschen sich Sorgen über die Optik der Windanlagen, den Schattenwurf der Rotoren oder den erzeugten Lärm machen. Unsere Nachbarn sind jedoch unsere größten Unterstützer, da wir mit ihnen in engem Kontakt stehen und uns direkt um die Beseitigung von Unannehmlichkeiten kümmern. Wir organisieren beispielsweise Feste, zu denen jeder eingeladen ist, und heißen jedes Jahr 750 Schüler aus den umliegenden Schulen bei uns willkommen.

Welchen Einfluss hatte die Triodos Bank auf das Unternehmen?

Als wir 2004 die notwendigen Genehmigungen für unser erstes Windkraftprojekt erhielten und mit dessen Umsetzung begannen, schreckten die traditionellen Großbanken vor einer Finanzierung unseres Projekts zurück. Sie kannten sich mit dem Windenergiesektor nicht aus. Die Triodos Bank hingegen schon, und so übernahm sie die Finanzierung unseres Projekts zu angemessenen Konditionen.

Die Triodos Bank leistete zudem einen Beitrag mit ihrem Wissen zu Aspekten wie Herstellergarantien, was sich später noch als dringend notwendig erweisen sollte. Die Triodos Bank war daher entscheidend für den Startschuss unserer Projekte und ist seither unser Partner in allen weiteren Projekten, obwohl inzwischen auch andere Banken bereitstehen, um zukünftige Projekte zu finanzieren.

Welchen Einfluss hat das Unternehmen auf den Sektor?

Als Vorreiter im belgischen Windenergiesektor spielen wir eine wichtige Rolle in der Organisation des flämischen Sektors für nachhaltige Energien ODE (Organisatie Duurzame Energie) und haben auf dieser Basis die flämische Vereinigung für Windenergie (Vlaamse Wind Energie Associatie, VWEA) gegründet.

Es hat nicht lange gedauert, bis sich uns alle in Flandern tätigen Windenergieunternehmen angeschlossen hatten und wir gemeinsame Initiativen mit Kollegen in der Wallonie auf die Beine stellten. Inzwischen ist VWEA wegen der erstklassigen Beratung in Arbeitsgruppen die „Stimme“ des Windenergiesektors und wird als solche auch von der Regierung anerkannt. Durch sorgfältige und wohlüberlegte Absprachen innerhalb des Sektors und mit der Regierung konnten die Regulierungen für Windenergie schrittweise weiterentwickelt werden, damit die nötigen Garantien sowohl für die Energieunternehmen als auch für ihre Abnehmer gegeben sind.

Welchen Einfluss hat das Unternehmen auf die direkte Umgebung?

Seit 2005 produzieren drei Windkraftanlagen am Rande einer Autobahn in Kruibeke, Belgien, Strom aus Windenergie. Der produzierte Strom reicht aus, um den Haushaltsverbrauch der 15.000 Einwohner im Raum Kruibeke zur Hälfte zu decken.

Das Unternehmen hat zudem das Windenergieprojekt „Braemland II“ auf der anderen Seite der Autobahn E17 in Melsele entwickelt. Diese Anlage produziert seit 2009 umweltfreundlichen Strom für 2.300 Familien. Die cvba (Genossenschaft) Wase Wind bietet diesen Strom für Familien, landwirtschaftliche Betriebe und andere Unternehmen im Waasland an.

Inwiefern kann sich die Triodos Bank mit der Vision des Projekts identifizieren?

Die Triodos Bank hat genau wie Wase Wind eine klare, langfristige Vision zum Thema Windenergie. Neben dem Ausbau der Kapazitäten nachhaltiger Energiequellen ist es wichtig, in ein widerstandsfähigeres, sozial verankertes und ausgewogenes Energiesystem zu investieren. Neue Technologien, wie die Verknüpfung mehrerer lokaler Anbieter, tragen zur Schaffung kurzer, effizienter und dezentraler Lieferketten bei.

Dieser Effekt wird durch die lokale Verankerung in Städten, Unternehmen und Gemeinden, die den erzeugten Strom nutzen, noch zusätzlich verstärkt. Bei nachhaltigen Modellen wie dem von Wase Wind geht es um mehr als nur die Umwelt – es geht auch um das Wohlergehen der Gesellschaft im weiteren Sinne.

Nachhaltig angebaute und verarbeitete Lebensmittel, ökologische Landwirtschaft und Naturentwicklung

Welche Herausforderung hat den Anstoß zu diesem Projekt gegeben?

Die Größe der landwirtschaftlichen Betriebe hat sich in den 1960er und 1970er Jahren stark verändert. Die Höfe wurden zunehmend größer, was unterschiedlichste und überwiegend negative Folgen hatte: Die Bewegungsfreiheit der Tiere wurde eingeschränkt und ihr Wohlbefinden hat sich häufig verschlechtert. Beim Anbau biologischer Lebensmittel und in der ökologischen Landwirtschaft werden die Umwelt und das Wohlergehen der Tiere hingegen berücksichtigt. Die Tiere haben beispielsweise mehr Platz als in der konventionellen Landwirtschaft und der Einsatz von Gentechnik und chemischen Schädlingsbekämpfungsmitteln ist verboten. Die Herausforderung, der sich DO-IT gestellt hat, war die Förderung einer umweltfreundlicheren Herangehensweise in der Landwirtschaft.

Mit welcher innovativen Idee haben Sie dieses Problem gelöst?

DO-IT wurde 1991 von Poppe Braam gegründet. Das Unternehmen und sein Gründer wollen die ökologische Landwirtschaft fördern und nachhaltige Handelsbeziehungen zu und zwischen Landwirten in Entwicklungs- und Schwellenländern und Käufern in Europa herstellen. Das Unternehmen hat inzwischen Beziehungen zu 170 Lieferanten in mehr als 20 Ländern in Asien, Afrika und Lateinamerika aufgebaut und bezieht von diesen über 850 Produkte, von Nüssen über Quinoa, Trockenfrüchte und Zucker bis hin zu Reis und Olivenöl. Das Unternehmen arbeitet eng mit den Landwirten und Genossenschaften vor Ort zusammen und engagiert sich im Wissenstransfer zu Techniken im ökologischen Landbau. DO-IT hat zudem zwei Einzelhandelsmarken auf den Markt gebracht – La BIO IDEA und Amaizin – die in europäischen Naturkostläden angeboten werden.

Welche Bedeutung hatte die Triodos Bank für Ihr Unternehmen?

2016 ist der Triodos Organic Growth Fund eine Minderheitsbeteiligung in DO-IT eingegangen. DO-IT hat in dem Fonds einen Investor mit derselben Vision gefunden, der sich langfristig dafür engagiert, dass DO-IT seine Wachstums- und sonstigen Ziele erreichen kann.

Der Triodos Organic Growth Fund wurde 2014 als langfristiger „Evergreen“-Investmentfonds aufgelegt. Er investiert in Beteiligungen an führenden, nicht börsennotierten Unternehmen für nachhaltige Verbraucherprodukte in Europa, mit Schwerpunkt auf biologischen Lebensmitteln, nachhaltiger Kleidung und Textilien sowie Pflegeprodukten.

Welche Wirkung hat Ihr Unternehmen für den Sektor?

2018 ist DO-IT zum fünften Mal Co-Sponsor einer beliebten sechsteiligen Dialogreihe über die Zukunft der Landwirtschaft und der Lebensmittelversorgung aus globaler Sicht. „It’s the Food, my friend“ will eine ganzheitliche und langfristige Sichtweise auf das Thema Lebensmittel fördern und so zu einem wirtschaftlich, sozial und ökologisch nachhaltigeren Lebensmittel- und Landwirtschaftssektor beitragen. Etwa 300 Zuhörer mit unterschiedlichsten Hintergründen – Landwirte, Studenten, Banker, Händler, Berater und Regierungsvertreter – werden an der Veranstaltung teilnehmen.

Poppe Braam, CEO von DO-IT, ist darüber hinaus aktives Vorstandsmitglied des niederländischen Verbands ökologischer Erzeuger und Händler (BioNederland) und der Stichting EKO-Keurmerk, dem bekannten und ältesten Bio-Gütesiegel für biologische Lebensmittel in den Niederlanden. Er ist zudem aktiv an der Gründung und Förderung der International Organic Trade Association beteiligt.

Welche Wirkung hat Ihr Unternehmen für die Menschen vor Ort?

Glücklicherweise entscheiden sich immer mehr Verbraucher dafür, Bio-Produkte einzukaufen und sich entsprechend zu ernähren. Um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden, muss die ökologische Landwirtschaft ausgebaut werden, auch in den Entwicklungs- und Schwellenländern. Dank der langjährigen Beziehungen, die DO-IT in den vergangenen Jahren zu Landwirten und Erzeugern geknüpft hat, kann das Unternehmen dazu beitragen, diese Nachfrage zu decken und die Interessen der Landwirte in den Mittelpunkt zu stellen. DO-IT betreibt weitgehend eigene landwirtschaftliche Projekte, in Kooperation mit kleinen lokalen Landwirten und Genossenschaften. Ziel der Fair Trade-Projekte ist es nicht nur, Zugang zu erstklassigen, hochwertigen und zertifizierten biologischen Produkten zu schaffen, sondern auch einen Beitrag zu mehr Lebensqualität für die Landwirte zu leisten, mit denen das Unternehmen zusammenarbeitet.

Inwiefern kann sich die Triodos Bank mit Ihrer Vision identifizieren?

Die Gesellschaft hat einen so hohen Bedarf an natürlichen Ressourcen, dass die Erde ihn nicht decken kann. Diese globale Überbeanspruchung, die auf kurzfristigem Konsumdenken basiert, führt zu einem Raubbau an natürlichen Ressourcen: Böden werden unfruchtbar, Biodiversität geht verloren, und die Lieferketten für Lebensmittel und andere Verbraucherprodukte werden instabiler. Diese Probleme machen eine Umstellung auf eine nachhaltige Produktion und nachhaltigen Verbrauch dringend erforderlich. DO-IT und die Triodos Bank machen sich beide für diesen Wandel stark.

Die Triodos Bank will die Umstellung auf nachhaltigere landwirtschaftliche Systeme und Konsumgewohnheiten fördern, indem sie entlang der gesamten Lieferkette Unternehmen wie DO-IT finanziert, die die Natur schützen, auf Fairness und Transparenz setzen, die Lebenssituation der Landwirte verbessern und verantwortungsvollen Konsum fördern.

Welche Herausforderung hat den Denkanstoß für dieses Projekt gegeben?

Ziel des ökologischen Landwirts Jaap Korteweg war es, Tiere aus der Nahrungskette zu befreien. Darum rief er vor knapp zehn Jahren Der Vegetarische Metzger ins Leben. Korteweg war bewusst geworden, dass viele Tiere nur zu dem Zweck gehalten werden, auf dem Teller zu enden. Tiere werden häufig als reine Maschinen für die Fleischerzeugung angesehen. Zudem führt Massentierhaltung regelmäßig zu Krisen wie Vogelgrippe- oder Schweinepest-Epidemien, die Massenschlachtungen nach sich ziehen.

Diese Probleme können vermieden werden, denn ginge es nach Jaap Korteweg, bräuchten wir keine Tiere für die Fleischerzeugung. Der Vegetarische Metzger produziert vegetarische Fleischerzeugnisse. Noch besser: Er stellt Produkte wie Würstchen, Fleischbällchen und Kroketten aus vegetarischen Zutaten her, die jedoch den Geschmack und die Textur von Fleisch besitzen.

Was ist das Innovative an diesem Projekt?

Der Vegetarische Metzger ist ein klassisches Beispiel für ein innovatives Unternehmen, sowohl was die Rezepturen der Produkte anbelangt als auch im Hinblick auf die Vermarktung. Das Unternehmen stellt Fleischersatzprodukte auf Basis von Lupine und Soja her. Lupine und Sojabohnen werden verwendet, um Fasern mit einem festen „Biss“ zu erzeugen. Sie sind die wichtigste Zutat der Produkte, die wie richtiges Fleisch schmecken.

Das Unternehmen errang gegen 43 Teilnehmer, die echtes Fleisch verwendeten, den dritten Platz in dem von einer niederländischen Zeitung ausgerichteten landesweiten Wettkampf um die Gouden Gehaktbal [goldene Frikadelle]. Der Vegetarische Metzger ist ein schnell wachsendes Unternehmen. Die Produkte des Unternehmens sind überregional erhältlich und sind in den Niederlanden in den Regalen von Bio-Läden und herkömmlichen Supermärkten gleichermaßen zu finden.

Welchen Einfluss hat die Triodos Bank auf dieses Projekt?

Die Triodos Bank finanziert seit Anfang 2017 den Bau und die Einrichtung der neuen Produktionsstätte des Vegetarischen Metzgers in Breda. Bislang wurden die vegetarischen Fleischerzeugnisse des Unternehmens von Drittanbietern produziert. Aufgrund des raschen Unternehmenswachstums ist es jedoch wichtig, dass die Produktion im Schoß des Unternehmens bleibt. Aus diesem Grund wurde die neue Produktionsstätte errichtet, die 2017 in Betrieb gehen soll. Neben dem Kredit der Triodos Bank hat das Unternehmen auch eine sehr erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne organisiert, durch die 2,5 Mio. EUR für den Bau der Produktionsstätte zusammenkamen.

Welchen Einfluss hat das Projekt auf den Sektor?

Jaap Korteweg ist ein erfolgreicher Unternehmer, dessen Einfluss als vegetarischer Metzger eine Inspiration für den gesamten Landwirtschafts- und Lebensmittelsektor ist.

Korteweg hat als ökologischer Landwirt in einem Familienbetrieb begonnen, der seit Generationen vom Vater an den Sohn übergeben wurde. Doch sein Traum war es, vegetarische Fleischerzeugnisse zu produzieren. Das Wachstum seines Unternehmens zeigt anderen ökologischen Landwirten, dass es durch harte Arbeit und Inspiration möglich ist, seinen Traum zu verwirklichen. Diese Inspiration ist in einem häufig konservativen und protektionistischen Sektor von entscheidender Bedeutung.

Welchen Einfluss hat das Projekt auf die Gesellschaft?

Die Belastung des ökologischen Gleichgewichts durch die Fleischproduktion ist deutlich höher als durch den Anbau von Feldfrüchten. Rinder, Schweine und Geflügel erzeugen beispielsweise enorme Mengen an Mist, die den Erdboden und das Grundwasser verschmutzen. Durch Geflügelzucht werden zudem große Mengen an Feinstaub produziert, die gesundheitsschädliche Luftverschmutzung verursachen. Aus sozialer Sicht bietet die Herstellung von vegetarischen Fleischerzeugnissen daher einen enormen Mehrwert. Schwerwiegende Probleme können so ganz einfach vermieden werden.

Inwiefern deckt sich das Projekt mit der Vision der Triodos Bank?

Die Triodos Bank finanziert Unternehmer, die sich bei der Arbeit von ihrem Herz und ihrem Verstand leiten lassen. Jaap Korteweg ist dafür ein ausgezeichnetes Beispiel. Ansporn für seine Arbeit ist ein soziales Ideal: die Produktion von gesundem Fleisch auf umwelt- und tierfreundliche Art. Dieses Ideal hat er erfolgreich in die Tat umgesetzt. Diese Kombination aus Idealismus und Pragmatismus fügt sich perfekt in das Leitbild und die Vision der Triodos Bank ein.

Färm ist eine Kooperative von Bio-Läden, die bei ihrem Produktangebot auf größtmögliche Nachhaltigkeit setzen. Die Produkte stammen unter anderem von kleinen lokalen Herstellern ökologischer Fairtrade-Produkte in Familienbesitz. Färm ist jedoch weit mehr als nur ein Bio-Laden. Es ist eine Kooperative, deren Mitglieder von Produzenten bis Konsumenten reichen. Dadurch wird die Distanz zwischen Kunden und dem Produzenten verringert, indem beide zusammenarbeiten, damit Lebensmittel in unserer Gesellschaft dazu beitragen, Beziehungen zu festigen und eine möglichst nachhaltige und schmackhafte Ernährung für Jedermann sicherzustellen.

Welche Herausforderung hat den Denkanstoß für dieses Projekt gegeben?

Unsere Vision ist es, durch Lebensmittel wieder eine Verbindung zwischen den Menschen herzustellen. Wir wollen Lebensmittel dazu nutzen, in der Gesellschaft eine Bedeutung zu vermitteln, die in den letzten Jahrzehnten etwas verloren gegangen ist, da die Agrar- und Nahrungsmittelwirtschaft von einem Grundstein der Gesellschaft zunehmend zu einem Finanzgeschäft verkommen ist.

Ein Laden ist im Grunde genommen ein Ort, an dem wir solche Verbindungen herstellen können. An diesem Ort sind die Produkte ein Kommunikationsmittel zwischen dem Verbraucher, der zudem die Bedeutung seiner Rolle neu erfährt, und dem Hersteller des Produkts, der mit Leidenschaft und Sachverstand ein Produkt erzeugt, das gerne konsumiert wird.

Als wir 2009 angefangen haben, war uns bewusst, dass es sich bei Konsumenten von Bio-Produkten um besonders achtsame und umsichtige Menschen im Hinblick auf das gesamte Universum handelt, die sich Gedanken über Auswirkungen für Mensch und Umwelt machen. Auch diese Menschen inspirierten uns zur Umsetzung unserer Geschäftsidee.

Welche innovative Strategie haben Sie zur Lösung dieses Problems entwickelt?

Wir stehen in Geschäftsbeziehungen mit Produzenten und Kooperativen. Wir wollten diese Geschäftsbeziehungen weiterentwickeln und mit Färm dazu beitragen, widerstandsfähige Branchen zu schaffen, indem wir wirkungsvolle kooperative Partnerschaften mit Produzenten aufbauen. Ein Beispiel hierfür ist Agribio. Dabei handelt es sich um eine Kooperative aus Getreideproduzenten in Wallonien, die auch als Müller tätig sind. Sie produzieren ihr eigenes Mehl direkt vor Ort. 2016 haben wir uns mit ihnen zu einer 50/50-Kooperative mit ihnen zusammengeschlossen, um eine neue Bäckerei-Kooperative zu gründen. Diese Kooperative stellt das gesamte Brot her, das wir in unseren Färm-Läden verkaufen, und beliefert darüber hinaus andere Geschäfte, die ebenfalls unser Angebot an zu 100% aus natürlichen und biologischen Zutaten hergestelltem Brot nutzen wollen, das außer Mehl, Wasser und Salz keine weiteren Zusätze enthält.

Als nächstes wollen wir neue Produktionsbereiche für Fleisch, Milchprodukte, Getreideprodukte und Gemüseanbau aufbauen und so eine noch größere Wirkung erzielen.

Welchen Einfluss hatte die Triodos Bank auf Ihr Geschäft?

Die Zusammenarbeit mit der Triodos Bank hat es uns ermöglicht, neue Läden zu eröffnen, denn die Triodos Bank finanziert und unterstützt uns mit großer Begeisterung bei all unseren Projekten. Zwischen unseren beiden Unternehmen besteht eine auf gegenseitigem Vertrauen basierende Beziehung. Zudem zeigt die Verbindung von Färm und der Triodos Bank, dass Nachhaltigkeit grundsätzlich im Mittelpunkt all unserer Aktivitäten steht. Ich betrachte unsere Beziehung daher als echte Partnerschaft, zu der beide Seiten beitragen.

Welchen Einfluss hatte Ihr Geschäft auf den Sektor?

Es ist wirklich bemerkenswert, dass Lieferanten und Produzenten zunehmend daran interessiert sind, gemeinsam mit uns widerstandsfähige und nachhaltige Branchen aufzubauen, wenn sie durch unser Netzwerk wachsen. Wir handeln deutlich vorteilhaftere Verträge mit ihnen aus und sind in erster Linie mit der Ausarbeitung von umweltfreundlichen und sozialen Bestimmungen befasst, die die soziale Wirkung biologischer und nachhaltig angebauter und verarbeiteter Lebensmittel weiter verstärken.

Die Produzenten wollen nicht mehr nur ein Instrument für die Massenproduktion und Industrialisierung von Lebensmitteln sein, sondern wieder zu Handwerkern werden, sowohl im Hinblick auf die Produkte selbst als auch in Bezug auf das Land. Diesen Produzenten durch die Kooperative und die Läden von Färm die Möglichkeit bieten zu können, ihr Geschäft, ihre Leidenschaft und ihre Wertvorstellungen weiterzuentwickeln, ist eine äußerst aufregende Sache.

Welchen Einfluss hatte Ihr Geschäft auf die direkte Umgebung?

Wenn ein Färm-Laden öffnet, hat das zwei unterschiedliche Auswirkungen zur Folge. Zum einen freuen sich die Kunden vor Ort, denn bei unseren Läden stehen die zwischenmenschliche Ebene und die Beziehung zum Ladeninhaber im Vordergrund. Unsere Ladenmitarbeiter kennen unsere Kunden und ihre Gewohnheiten. Es besteht also eine viel familiärere Beziehung zum Ladenbesitzer.

Was die Mitarbeiter anbelangt denke ich im Allgemeinen, dass die Menschen sich wünschen, dass ihre Arbeit auch von Bedeutung ist, unabhängig davon, welche Tätigkeit sie ausüben. Das ist eine echte Herausforderung. Es ist nicht immer leicht, einem Job, der vielleicht nicht immer ganz einfach zu sein scheint, einen Bezug zur Realität und eine Bedeutung zu verleihen, egal ob man nun auf dem Feld, in einem Laden oder in einem Büro arbeitet. Unser Ziel ist es, dass jede Tätigkeit am Arbeitsplatz an jedem einzelnen Tag mit Leidenschaft ausgeübt wird und mit etwas Stärkerem, Größerem und Umfassenderem aus verschiedenen Interessengruppen verbunden ist, egal ob es sich dabei um die Kolleginnen und Kollegen handelt, oder um Produzenten, die vielleicht zu Partnern werden.

Ziel der Färm-Kooperative ist es, die Verbindung in der Gesellschaft mit Hilfe von Lebensmitteln, auf denen unser gesamtes System beruht, wieder herzustellen.

Inwiefern kann sich die Triodos Bank mit Ihrer Vision identifizieren?

Eine interessante Komponente und Gemeinsamkeit der Kooperation zwischen der Triodos Bank und Färm ist die Auswahl der Produkte. Genauso wie die Triodos Bank ihre Investmentprodukte und die Unternehmen, an die sie Kredite vergibt, sorgfältig auswählt, werden auch bei Färm Produkte und Produzenten sorgsam ausgewählt. Wir arbeiten nicht einfach mit jedem zusammen und nehmen nicht jedes Produkt in unsere Regale auf. Dies ist nur ein Beispiel für die echten Gemeinsamkeiten zwischen unseren beiden Unternehmen.

Um sicherzustellen, dass nur die wohlüberlegtesten und nachhaltigsten Produkte am Markt in den Färm-Läden angeboten werden, haben wir einen Markenausschuss ins Leben gerufen, an dem nun alle Mitarbeiter teilnehmen können und aufgerufen sind, die Produkte und Marken auszuwählen, die in den Färm-Katalog aufgenommen werden sollen. Die Produkte erfüllen sehr strategisch ausgelegte Kriterien, die in unserer Produkt-Charta festgelegt sind, mit der unsere Wertvorstellungen umgesetzt werden sollen. Dabei handelt es sich um Kriterien wie fairen Handel, biologische, lokale Produkte, direkte Produkte, Unternehmensgröße, ob ein Produkt von einem Familienunternehmen bezogen wird usw. Alle Marken, die von den Mitarbeitern in den Färm-Läden partizipativ und gleichberechtigt aufgelistet werden, erfüllen diese Kriterien.

Biologische Lebensmittel und ökologische Landwirtschaft – Fallbeispiel (photo)

Thomas Harttung, Mitbegründer von Aarstiderne

Welche Herausforderung hat den Denkanstoß für dieses Projekt gegeben?

Wenn wir die ökologische Landwirtschaft als Branche betrachten, wird im Durchschnitt zu viel versprochen und zu wenig gehalten. Søren [Mitbegründer von Aarstiderne] und ich wollten in Sachen ökologische Denkweise gegen den Strom schwimmen und zu einem erfolgreichen Unternehmen werden. Wir wollten die Art und Weise verändern, wie Verbraucher Lebensmittel wahrnehmen und konsumieren.

Welche Strategie haben Sie zur Lösung dieses Problems entwickelt?

Aus strategischer Sicht ging es in den letzten zehn Jahren hauptsächlich um die Etablierung von Bioprodukten, um ihre Bedeutung am Markt zu steigern. Unsere [Sørens und meine] neue Idee bestand darin, Boxen mit Mahlzeiten zu liefern, angefangen bei Obst und Gemüse bis Fisch und Fleisch. Über das Erlebnis mit Biomahlzeiten wollten wir Menschen für die Öko-Idee begeistern. Und wir entwickeln zunehmend neue Formen der Landwirtschaft.

Welchen Einfluss hatte die Triodos Bank auf Ihr Geschäft?

1999 fand auf der World Organic Conference ein Workshop statt, den ich mit leitete und bei dem es darum ging, wie „grünes“ Eigenkapital für ökologische Ideen genutzt werden könnte und wie man eine Vertrauensbasis zwischen „grünen“ Unternehmern und den Banken schaffen könnte. Auch die Triodos Bank saß im Podium und von da an haben wir eine großartige Beziehung aufgebaut, in deren Rahmen Triodos zu einem Investor in unserem Unternehmen und unsere Finanzierung dadurch nachhaltiger wurde. Triodos versteht, dass es in dieser Entwicklung um die Schaffung von etwas geht, das langfristig sinnvoll ist.

Welchen Einfluss hat Ihr Unternehmen auf den Sektor?

In den kommenden zwei bis drei Jahren wird der Schwerpunkt meiner Tätigkeit auf der Entwicklung der nächsten Generation oder eines neuen Musters für die ökologische Landwirtschaft liegen. Durch die derzeitige Größe des ökologischen Landwirtschaftssektors und dem öffentlichen Interesse besteht für Aarstiderne tatsächlich Gelegenheit, zu den grundlegenden Prinzipien zurückzukehren und ein System der ökologischen Landwirtschaft zu schaffen, das eher den eigentlichen Zielen und Erwartungen unserer Kunden entspricht.

Welchen Einfluss hat das Unternehmen auf die direkte Umgebung?

Aarstiderne hat sich zu einem Unternehmen mit 54.000 Kunden überwiegend in Dänemark, aber auch in Schweden, entwickelt. Das Unternehmen hat sein Angebot des Versands von Obst- und Gemüsekisten um Boxen für Mahlzeiten mit abgewogenen Zutaten für Präferenzen wie Fisch/Fleisch, vegetarische Ernährung, Diäten, etc. und Rezepte erweitert. Wir sind Marktführer, da wir kontinuierlich für eine Verbesserung der Lebensqualität der Menschen und gleichzeitig ihrer Nachhaltigkeit sorgen. Wir ermöglichen es Menschen, ihr Leben so zu gestalten, wie sie es wirklich leben wollen. Junge berufstätige Menschen in den urbanen Regionen haben große Schwierigkeiten, weil sie ihren Beruf und ihre Karriere lieben, dadurch aber schwerer für sich selbst und ihre Familien sorgen können. Sie suchen nach einer Lösung, die sie von Montag bis Freitag versorgt, und wir bieten diese Lösung kontinuierlich. Das Gute ist, dass unsere Kunden ständig neue Ansprüche stellen und wir permanent neue Wege für bessere Lösungen finden, die für mehr Zufriedenheit, Nachhaltigkeit und Komfort sorgen.

Inwiefern kann sich die Triodos Bank mit der Vision Ihres Unternehmens identifizieren?

Meiner Meinung nach stimmen unsere Werte in hohem Maße mit denen der Triodos Bank überein. Triodos kann einen Beitrag als langfristiger Investor für uns leisten und auch in andere, ähnlich orientierte Unternehmen investieren, die zu einer besseren gemeinsamen Zukunft und mehr Innovation beitragen. Indem wir Unternehmen unterstützen, die denselben Pfad eingeschlagen haben wie wir, und in diese investieren, können wir die Chance erhöhen, zu einer einflussreichen Bewegung heranzuwachsen.

Biologische Lebensmittel und ökologische Landwirtschaft – Fallbeispiel (photo)

Frank van Dommelen, Senior Relationship Manager

Welche Herausforderung hat den Denkanstoß für dieses Projekt gegeben?

Wer in der Landwirtschaft heute Nachhaltigkeit und Tierschutz mit moderner, gewinnorientierter Unternehmensführung in Einklang bringen will, muss immer wieder innovative Ideen entwickeln. Dies gilt auch für den Unternehmer und Landwirt Sjaak Sprangers, der seinen Milchhof in der Nähe eines und teilweise in einem niederländischen Naturschutzgebiet zwischen Tilburg und ’s-Hertogenbosch betreibt.

Der Kuhstall war renovierungsbedürftig, Sjaaks Kühe brauchten deshalb dringend ein neues Dach über dem Kopf. Es war ein ehrgeiziges Projekt: Einen neuen Kuhstall zu bauen, der sich harmonisch in die Landschaft einfügt, ganz auf die Bedürfnisse der Tiere zugeschnitten ist, mit begrenzten Ammoniak-Emissionen und ohne Schadstoffeintrag ins Erdreich des Naturschutzgebietes auskommt – und gleichzeitig zu zeigen, was unternehmerisches Denken heute heißt.

Welche innovative Strategie haben Sie zur Lösung dieses Problems entwickelt?

Der Bau eines neuen Kuhstalls in dieser natürlichen Umgebung erfordert angesichts all der Wünsche und Forderungen, mit denen man sich konfrontiert sieht, sehr breite Unterstützung und viel Sachverstand. Sjaak Sprangers begann daher einen Dialog mit Umweltschutzgruppen, dem lokalen Naturschutzverband, der Gemeinde Kaatsheuvel, dem Landwirtschafts- und Gartenbauverband der Region, dem Verband zum Schutz der Dünen, der landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Wageningen sowie verschiedenen Unternehmen im Bereich Agrartechnik.

Auf der Finanzierungsseite bemühte er sich um Fördermittel aus Brüssel. Zu den Geldgebern zählte auch das Wirtschaftsministerium. Unternehmen und technische Entwicklungsbüros boten ebenfalls finanzielle Unterstützung an.

Mit dem Know-how, den innovativen Ideen, der Inspiration, der Entschlossenheit und dem leidenschaftlichen Engagement dieser Gruppen ist ein Kuhstall ganz neuen Typs entstanden: der „Kwatrijnstal“.

Das innovative Gebäude im Überblick:

Umweltschutz:

Der Kwatrijnstal ist ein innovativer Kuhstall, der sich harmonisch in die Landschaft einfügt. Das Gebäude entspricht höchsten Tierschutzstandards, zeichnet sich durch niedrige Ammoniak-Emissionen aus und genießt in der Öffentlichkeit breite Unterstützung. Der Stall ist mit einem neuartigen Bodenbelag ausgestattet, über den Jauche und Festmist getrennt entsorgt werden. Dies führt zu einer starken Reduzierung der Ammoniak-Emissionen und verbessert die Biodiversität.

Integration in die Landschaft:

Mit seinem transparenten Design und der einzigartigen Dachkonstruktion fügt sich der Kuhstall ideal in die Landschaft ein und gibt Passanten „Einblick“ in die Vorgänge im Inneren. Im Vergleich zu einem geschlossenen Kuhstall scheint der Kwatrijnstal viel kleiner zu sein, nicht zuletzt deswegen, weil die umgebende Landschaft durch den Stall hindurch sichtbar ist.

Die abgestufte Dachkonstruktion lässt den Stall freundlicher erscheinen. Er ist damit kein überdimensionaler Fremdkörper in der Landschaft und passt zur traditionellen Architektur der Region.

Tierschutz:

Die Kühe haben im Kwatrijnstal 50% mehr Platz als in einem traditionellen Kuhstall. Es gibt „Liegeinseln“ für die Kühe, d. h. Strohbetten, die wärmeisolierend wirken und Feuchtigkeit aufsaugen. Das Stroh wertet auch den Festmist auf. Eine Spezialmaschine verteilt automatisch Stroh auf die Liegeinseln.

Gemolken wird mit einem mobilen, solarbetriebenen Melksystem. Der Kuhstall ist so konzipiert, dass es keine „toten Ecken“ gibt, in denen die Tiere dicht gedrängt stehen können. Die Bereiche, in denen sich die Tiere hinlegen können, sind sehr geräumig, und das Fressgitter ist offen. Dies reduziert die Gefahr, dass sich die Tiere selbst oder gegenseitig verletzen. Selbstverständlich haben die Kühe ganzjährig freien Zugang zu dem umliegenden Naturschutzgebiet.

Ökologisch:

Die Tiere werden mit Bioprodukten gefüttert. Sämtliches Rohfutter kommt aus dem Naturschutzgebiet selbst. Auch organischer Mist wird wieder in den natürlichen Kreislauf zurückgeführt.

Da der Kuhstall so großzügig angelegt ist, sind Krankheiten und Verletzungen unter den Tieren selten und Medikamente wie Antibiotika kaum nötig. Nicht zuletzt deswegen produzieren die Jersey-Rinder gesunde Milch in so hoher Qualität, dass ein kleiner milchverarbeitender Betrieb daraus Bio-Eis, Bio-Käse und andere Milchprodukte herstellen kann.

Welchen Einfluss hat die Triodos Bank auf Ihr Geschäft?

Sjaak Sprangers hatte bereits einen ökologischen Landwirtschaftsbetrieb und arbeitete mit einer der großen Banken zusammen. Zusätzliche Finanzmittel waren erforderlich, denn bei dem Projekt waren ein innovativer Ansatz und öffentliche Unterstützung gefragt, und seiner Ansicht nach auch eine Bank, die ein solches Konzept mitträgt.

Mit der Triodos Bank konnte er seinen Kuhstall ökologisch „sauber“ finanzieren. Zudem war die Triodos Bank in dieser Branche ein bekannter Name und konnte in der Planungsphase konstruktiven Input geben. Auch andere Interessengruppen standen der Triodos Bank als Finanzpartner positiv gegenüber.

Welchen Einfluss hat Ihr Unternehmen auf den Sektor?

Dieses Projekt wurde von Umwelt- und Naturschutzgruppen und verschiedenen Landwirtschaftsverbänden, u. a. einer Arbeits- und Beratungsgruppe, die Unternehmer bei neuen Agrarprojekten in oder in der Nähe von Naturschutzgebieten berät, sehr aufmerksam verfolgt.

Das ‚Kwatrijn‘ hat sich zu einem Modell auch für andere Landwirte entwickelt, und die Entwickler wollen dieses Konzept vermarkten. Es gibt immer wieder organisierte Exkursionen für andere Landwirte.

Welchen Einfluss hat das Unternehmen auf die direkte Umgebung?

Im Vorfeld des Baus und während der Bauphase hatten viele Menschen aus der unmittelbaren Nachbarschaft die Gelegenheit, die Entwicklungen zu verfolgen. Dies hat zu einer breiten öffentlichen Unterstützung für dieses Projekt beigetragen.
Der neue Kwatrijnstal von Sjaak und Suzanne Sprangers wurde 2015 sehr öffentlichkeitswirksam von Staatssekretärin Sharon Dijksma eröffnet und erlangte damit auch landesweite Bekanntheit. Der Kuhstall und das Gesamtkonzept zeigen, dass es durchaus kein Ding der Unmöglichkeit ist, Landwirtschaft im Einklang mit der Natur zu betreiben.

Inwiefern kann sich die Triodos Bank mit der Vision Ihres Unternehmens identifizieren?

Der Eigentümer ist ein sehr leidenschaftlicher Biomilchbauer, der sehr viele Geschichten über seine Tiere und ihren natürlichen Lebensraum erzählen kann. Das Wohlergehen seiner Tiere hat für Sjaak Sprangers einen sehr hohen Stellenwert; für ihn ist es integraler Bestandteil eines landwirtschaftlichen Systems im Kreislauf mit der Natur, in dem künstliche Düngemittel, Pestizide, Herbizide und Medikamente keinen Platz haben. Dies entspricht ganz dem Leitbild der Triodos Bank.

Nachhaltige Immobilien und Hypothekenkredite für Privatpersonen

Welche Herausforderung hat den Anstoß zu diesem Projekt gegeben?

Als ich bei Vitsœ angefangen habe, hatte das Unternehmen seinen Sitz in Deutschland, und Dieter Rams, der auch als Leiter der Formgebung bei Braun tätig gewesen war, war für das Produktdesign bei Vitsœ verantwortlich. Dieter ist einer der bedeutendsten Produktgestalter des 20. Jahrhunderts. Für ihn steht bei gutem Design der Mensch im Mittelpunkt, daher ist gutes Design innovativ, nützlich, verständlich, unaufdringlich, langlebig und umweltfreundlich. Darum hat es sich Vitsœ bereits seit fast 60 Jahren zur Aufgabe gemacht, Produkte herzustellen, die lange halten, die repariert und erweitert werden können und die zeitlos sind. Erst später, als das allgemeine Umweltbewusstsein zunahm, habe ich gemerkt, dass Vitsœ mit seinem gesunden Ansatz, anpassungsfähige und langlebige Produkte herzustellen, bereits seit den 1950er Jahren umweltfreundlich gearbeitet hat.

Welche innovative Strategie haben Sie zur Lösung dieses Problems entwickelt?

Bei Vitsœ wollen wir mehr Menschen ermöglichen, besser zu leben, mit Wenigem, das lange hält. Wir ermutigen unsere Kunden aktiv, erst einmal weniger von uns zu kaufen, denn sie können sich darauf verlassen, dass sie jederzeit wiederkommen und neue Elemente dazukaufen können. Wir haben sogar schon von Kunden gehört, die ihre Vitsœ-Möbel in ihr Testament aufnehmen, um sicherzustellen, dass sie von jemandem in der nächsten Generation wertgeschätzt werden. In der wissenschaftlichen Literatur hat man uns als „Suffizienzunternehmen“ bezeichnet, da wir unsere Kunden dazu ermuntern, nur das zu kaufen, was sie wirklich brauchen. Darum bieten wir auch keine Rabatte an und gibt es bei uns keinen Sale, denn unser Lagerbestand wird nicht obsolet. Wir führen keine neuen Farben oder Modelle ein, um kurzfristig den Umsatz zu steigern. Soweit möglich sind all unsere neuen Produkte mit den alten kompatibel und haben niemals ein eingebautes Verfallsdatum.

Welche Bedeutung hatte die Triodos Bank für Ihr Unternehmen?

Die Triodos Bank ist einer von sehr wenigen Finanzdienstleistern, mit denen wir tatsächlich zusammenarbeiten wollten. 1973 hat E. F. Schumacher in seinem Buch Small is Beautiful Gier und Neid als Wurzel aller Probleme in der Welt identifiziert. Wir wollen mit Menschen zusammenarbeiten, die bereit sind, einen altruistischeren Ansatz zu verfolgen. Als sich uns 2014 die Chance geboten hat, das Grundstück für unser neues Gebäude in Leamington Spa zu kaufen, waren wir der Meinung, dass es zu diesem Zeitpunkt das Beste sei, Unterstützung bei unseren Kunden zu suchen. Wir haben also die Vitsœ-Anleihe aufgelegt und so Bau und Einzug finanziert. Nachdem wir das Gebäude bezogen hatten, haben wir uns an die Triodos Bank gewandt, um auszuloten, ob sie uns bei unserer nächsten Wachstumsphase unterstützen würde. Wir haben auch mit anderen Banken Gespräche geführt, aber im Herzen wussten wir, dass nur die Triodos Bank von Grund auf verstehen würde, was wir erreichen möchten.

Welche Wirkung hat Ihr Unternehmen für den Sektor?

In einer von Moden bestimmten Welt weigert sich Vitsœ – als Produkt und als Unternehmen – beharrlich, mit der Mode zu gehen. Doch ironischerweise sind wir gerade in der Modewelt äußerst beliebt. Gleiches gilt für die Musikwelt. Es gibt zum Beispiel ein schönes Foto von David Bowie, der im Lotussitz vor seinem Vitsœ-Regal sitzt. Was uns in unserer Branche besonders macht ist, dass wir eine ganz neue Form der Kundenbeziehung entwickelt haben und diese sowohl über das Internet als auch über unsere eigenen Läden pflegen, so dass wir heute zu Kunden in über 60 Ländern in direktem Kontakt stehen.

Meiner Ansicht nach sind wir nicht wirklich ein Möbelhersteller. Wir stellen nur zufällig Möbel her. Wenn man unsere Kunden fragt, was wir ihnen liefern, lautet die Antwort: mehr Lebensqualität. Wir sind eine Bereicherung für sie in einem Bereich ihres Lebens, der häufig mit Stress verbunden ist: die Organisation ihres Lebensraums. Und unsere Kunden vertrauen darauf, dass Vitsœ für sie da ist.

Welche Wirkung hat Ihr Unternehmen für die Menschen vor Ort?

Wir arbeiten nach dem grundlegenden Prinzip, dass Unternehmen einen positiven Beitrag zum Gemeinwohl leisten sollten. Das bedeutet, ihre Nachbarn, Mitarbeiter, Lieferanten und Kunden sind Teil Ihres unmittelbaren Umfelds. Unser neuer Hauptsitz in Leamington Spa kann in dieser Hinsicht als Absichtserklärung verstanden werden. Unsere Lieferanten sind größtenteils in einem Umkreis von 90 Minuten um uns herum angesiedelt. Wir arbeiten also in einem dichten industriellen Cluster. Unser Gebäude ist absichtlich transparent gehalten. Die Menschen können hineinschauen, wir können hinausschauen. Wir möchten mit unserem Umfeld in Verbindung treten. Dazu zählen auch die vielen Schulen, Colleges und Universitäten vor Ort, die uns zukünftige Mitarbeiter liefern.

Wir haben ein Gebäude errichtet, bei dem die Menschen im Mittelpunkt stehen. Es ist aus natürlichen Materialien gebaut, es wird von Tageslicht beleuchtet und natürlich belüftet. Es ist konzipiert, um Gespräche zu fördern und den Bedarf an formalen Meetings zu reduzieren, und um die zufälligen menschlichen Begegnungen herbeizuführen, durch die Alltagsprobleme häufig spontan gelöst werden können.

Inwiefern kann sich die Triodos Bank mit Ihrer Vision identifizieren?

Die Philosophie der Triodos Bank, die richtigerweise Menschen und Umwelt ins Zentrum stellt, ohne dabei den Wirtschaftlichkeits- und Rentabilitätsaspekt aus dem Blick zu verlieren, passt sehr gut zu Vitsœ. Wir müssen diejenigen Unternehmen finden, die ihr Geschäftsmodell ganz bewusst so ausrichten. Leider ist die Liste dieser Unternehmen erschreckend kurz. Natürlich sind Gewinne für das Überleben eines Unternehmens so wichtig, wie Luft, Nahrung und Wasser für unseren Körper. Doch Gewinnstreben allein ist keine Existenzberechtigung für ein Unternehmen. Alle Unternehmen müssen einem Zweck dienen. Was wir erreichen wollen, und worin die Triodos Bank meiner Meinung nach besonders gut ist, ist, dass wir als ein Unternehmen erfolgreich sind, das aus den richtigen Gründen das Richtige tut – und gleichzeitig so viele Menschen wie möglich auf diesem Weg mitnimmt. Nur so haben wir eine Chance, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Futurn ist ein Projektentwickler mit Schwerpunkt auf der Schaffung neuen Raums durch die Wiederentwicklung unterausgelasteter Standorte durch Dekontaminierung, Abriss, Renovierung und Neubau. Im Rahmen seines Westgate-Projekts entwickelt Futurn das Gelände einer alten Druckerei auf der Westseite von Brüssel. Das Projekt beinhaltet die Entwicklung eines Mehrzweck-Gewerbeparks auf dem bestehenden Gelände der Druckerei, da deren Aktivitäten in den nächsten drei bis vier Jahren allmählich zurückgehen werden.

Welche Herausforderung hat den Denkanstoß für dieses Projekt gegeben?

Grundstücke sind sehr knapp in Belgien. Also müssen wir kreativ in der Nutzung der Flächen sein, die vorhanden sind. Das bedeutet auch: mehr Unternehmen verteilt auf weniger Quadratmeter. Alte Industriestandorte sind nicht attraktiv, da die Gebäude und das Design nicht länger den Bedürfnissen heutiger Unternehmen entsprechen. Das Risiko besteht darin, dass sie aufgrund dessen leer bleiben würden und so zu einem lokalen Schandfleck würden. In Realität bergen diese Standorte jedoch jede Menge Potenzial.

Der Marktkontext ist von Wettbewerb geprägt, was bedeutet, dass wir sicherstellen müssen, dass unsere Wiederentwicklungsprojekte im Hinblick auf Preis und Qualität mit unseren Wettbewerbern mithalten können.

Was war so innovativ an der Art und Weise, wie dieses Problem angegangen wurde?

Die Wiederentwicklung alter Industriestandorte ist eine große Herausforderung für Projektentwickler, weil solche Projekte hinsichtlich all der technologischen, umweltbezogenen, konzeptionellen, architektonischen, finanziellen und rechtlichen Herausforderungen, die damit verbunden sind, sehr komplex sein können. Komplexe Projekte, die ein gewisses Risiko beinhalten, haben viele Aspekte, die einen innovativen Ansatz erfordern.

Wir prüfen die Qualität der Gebäude sehr genau, um zu sehen, ob sie recycelt werden können – man könnte auch Downcycling sagen. Bestimmte Abbruchmaterialien werden in unseren Projekten recycelt. Wir versuchen zudem, zusätzlichen Wert durch Upcycling zu schaffen: wie wir die Gebäude auf neue Weise nutzen können, ein neues Zuhause, einen neuen Zweck für sie schaffen können, um für die Anforderungen in der Wirtschaft der Zukunft geeignet zu sein.

Und schließlich versuchen wir, unserem Projekt durch eine Mischung von Funktionen mehr Inhalt zu geben. Wir nutzen sowohl Straßen als auch Infrastruktur und prüfen die Ästhetik und die Architektur eines Gebäudes im Kontext seiner Umgebung.

Welchen Einfluss hatte das Unternehmen bzw. die Organisation auf den Sektor, in dem es/sie tätig ist?

Unser Geschäftsmodell ermöglicht uns, mehr Unternehmen in weniger Raum unterzubringen. Dadurch entsteht ein Umfeld, in dem Unternehmen enger zusammenarbeiten können, da sie eine Art Unternehmensgemeinschaft innerhalb des Projekts bilden.

Wir haben bemerkt, dass Behörden oft auf unsere Projekte verweisen und nach Möglichkeit die Wiederentwicklung fördern.

Welchen Einfluss hatte das Unternehmen bzw. die Organisation auf die direkte Umgebung?

Futurn versucht, die Gemeinde vor Ort in jedes seiner Projekte mit einzubeziehen. Wir nutzen manchmal kulturelle Ereignisse und manchmal entscheiden wir uns für Veranstaltungen, die auf junge Menschen oder Sport ausgerichtet sind. Auf diese Weise schaffen wir eine positive Haltung gegenüber dem Projekt.

Welchen Einfluss hatte die Triodos Bank auf das Unternehmen bzw. die Organisation?

Der Schwerpunkt der Triodos Bank auf Nachhaltigkeit verlangt von uns, weiter in diese Richtung zu gehen.

Inwiefern kann sich die Triodos Bank mit der Vision des Projekts identifizieren?

Die Triodos Bank schätzt den Kern des Geschäftsmodells von Futurn. Insbesondere das Recycling bestehender Industriestandorte zur Sicherung und Nutzung von knappem Raum.

Welche Herausforderung hat den Denkanstoß für dieses Projekt gegeben?

Tres Cantos ist die jüngste Gemeinde im Großraum Madrid und wurde offiziell 1991 gegründet. Und genau hier entstand 2003 die Kooperative Arroyo Bodonal, als eine Gruppe junger Leute vor Ort gemeinsam mit ihren Eltern entschied, ein aus 80 Wohnungen bestehendes Gebäudeareal unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeits- und Energieeffizienzkriterien zu entwickeln, damit sie weiter in der Stadt wohnen bleiben können, in der sie aufgewachsen sind.

Die soziale Motivation dieser Familien war eng mit ihrer umweltbezogenen Motivation verknüpft, „auch wenn uns einige Leute zunächst sagten, dass Energieeffizienz mit einem Luxusheim gleichzusetzen ist“, räumt Antonio Martínez, der Sekretär von Arroyo Bodonal, ein. Dennoch konnten sie schnell unter Beweis stellen, dass „sich nachhaltiger Wohnungsbau verkaufen lässt“. Nachdem sie zum Verkauf gestellt wurden, waren schnell alle 80 Wohnungen in der Entwicklung verkauft, mit beeindruckenden Energiespar- und Wirtschaftsergebnissen. 

Welche innovative Strategie haben Sie zur Lösung dieses Problems entwickelt?

Dieses Wohnprojekt beinhaltet die Nutzung und Kontrolle von alternativen Energien, z. B. geothermische Energie für Heizung und Klimatechnik sowie LED-Beleuchtung. Gekoppelt mit dem Isolierungssystem kann mit all diesen Maßnahmen Energie von über 531.000 kWh eingespart werden. Die Senkung des CO2-Ausstoßes der Gebäude beläuft sich auf 150 Tonnen pro Jahr, laut Arroyo Bodonal „entspricht dies 137 treibstoffbetriebenen Autos weniger pro Jahr oder der Anpflanzung von 58 Hektar Wald – über 23.000 Bäume“.

Der Gebäudekomplex verfügt über Aufzüge, die die Bewegungsenergie wieder zurückgewinnen, und ein System für die Wiederverwendung von Grau- und Regenwasser, das jährlich etwa 7.000 m3 Wasser einspart.

So verfügt beispielsweise die Garage über Ladestationen für Elektroautos, ein Beitrag gegen die Luftverschmutzung. Die gesamte gemeinsam genutzte Beleuchtung funktioniert über LEDs, die Elektrogeräte in den Wohnungen sind mit einer hohen Energieeffizienzklasse von A+++ bewertet, die Fahrstühle arbeiten mit statischer Aufladung (d. h. sie verbrauchen Energie auf dem Weg nach oben und sammeln einen Teil dieser Energie auf dem Weg nach unten). Das Lüftungssystem, das für jede Wohnung maßgeschneidert ist, ermöglicht das Kühlen und Erhitzen der hereinfließenden Luft in Abhängigkeit von der Außentemperatur.

Welchen Einfluss hatte die Triodos Bank auf Ihr Geschäft?

„Die Triodos Bank hat getan, was keine andere Bank getan hat. Abgesehen von der Analyse der wirtschaftlichen Seite der Initiative haben sie wie jede andere Bank das Projekt aus technischer Sicht geprüft, um zu gewährleisten, dass es ihrem Nachhaltigkeitsziel entspricht“, erläutert der Sekretär von Arroyo Bodonal. „Ich muss zugeben, dass ich sie nicht kannte, aber als ich mich dann mit ihren Mitarbeitern in Verbindung setzte, hat das meine Einstellung zu Banken verändert“, sagt Martínez.

Der Bau des Gebäudes war dank der Beiträge der Mitglieder der Kooperative und einer Finanzierung in Höhe von 15 Mio. EUR durch die Triodos Bank möglich. Die Bank stellte auch nachhaltige Hypotheken für die Bewohner zur Verfügung. Die Entwickler der Kooperative geben stolz an, dass „Arroyo Bodonal keinen einzigen Cent an öffentlicher oder privater Hilfe in Anspruch nehmen musste“.

Welchen Einfluss hatte Ihr Geschäft auf den Sektor?

Dieses Bauprojekt stellt die größte geothermische Energieinstallation der Gemeinde Madrid dar. Es ist zudem das größte Wohnprojekt seiner Art in Europa im Hinblick auf die Anzahl der Wohnungen, deren Strombedarf und die Grundfläche des Gebäudes. Der Erfolg dieser Immobilienentwicklung hat dem gesamten Sektor bewiesen, dass es möglich ist, auf eine andere Weise zu bauen, den höchsten Standards in Sachen Energieeffizienz zu entsprechen und ohne exzessive Mehrkosten zu erzeugen; und all das für private Wohnzwecke, die nicht unbedingt in die Luxuskategorie fallen oder auf dem Land zu verorten sind. Die Ergebnisse einer Überwachung des Energieverbrauchs bestätigen die Nachhaltigkeit des Projekts, womit es sich als Vorbild für den Sektor positioniert.

„Dieses Bauprojekt hat symbolischen Charakter, nicht nur auf regionaler und nationaler Ebene, sondern auch innerhalb Europas“, sagen die Mitglieder der Kooperative, denn bislang wurden geothermische Ressourcen nur bei kleineren Gebäuden in Spanien genutzt. Geothermische Ressourcen als Energiequelle machen gerade einmal 0,03% des Energiebedarfs bei spanischen Wohnimmobilien aus, im Gegensatz zu 30% in Ländern wie Schweden.

Im Hinblick auf die Energieeffizienz wurden die Wohnungen mit A bewertet. Sie erfüllen die Standards der internationalen LEED-Nachhaltigkeitszertifizierung. Tatsächlich hat der USGBC (US Green Building Council), der LEED-Zertifikate verwaltet, das Gebäude mit einem LEED-Platinum-Rating ausgezeichnet.

Das Gebäude hat 2016 den Preis für die beste Immobilien-Initiative für Energie im Land gewonnen. Dieser wird von ASPRIMA (Asociación de Promotores Inmobiliarios de Madrid – Verband der Immobilienentwickler Madrid) vergeben. Zudem wurde es als beste geothermische Installation beim Bau eines privaten Gebäudes in der Gemeinde Madrid gewählt, eine vom regionalen Ministerium für Industrie und Wirtschaft vergebene Auszeichnung.

Welchen Einfluss hatte Ihr Geschäft auf die direkte Umgebung?

Die direkte Wirkung der Kooperative Arroyo Bodonal auf lokaler Ebene entfaltet sich auf die 80 Familien, die in diesem Gebäude leben. Über 80% der Käufer der Wohnimmobilien kommen aus Tres Cantos, sind unter 40 Jahre alt und hatten Schwierigkeiten, eine Bleibe in ihrer Geburtsstadt zu finden. Die Kooperative hat ihnen die Möglichkeit verschafft, in den Genuss eines Zuhauses zu kommen, das gleichzeitig den höchsten Standards in Sachen Nachhaltigkeit entspricht.

Die Wohnungen haben eine durchschnittliche Grundfläche von 100 m2. Die monatlichen Energiekosten je belegter Wohneinheit, für die Heißwasserversorgung, die Heizung, die Klimaanlage und die Regulierung auf eine gleichbleibende Temperatur von 20 bis 24ºC rund ums Jahr betragen durchschnittlich ca. 40 EUR.

Die wirtschaftliche Ersparnis angesichts des Niveaus an Komfort dieser Wohnungen beläuft sich auf 130.000 EUR pro Jahr für das Gesamtgebäude, was etwa 155 EUR für eine durchschnittliche Wohneinheit entspricht.

Inwiefern kann sich die Triodos Bank mit Ihrer Vision identifizieren?

Nach Auffassung der Triodos Bank ist es notwendig, ein nachhaltiges Baugewerbe in Branchen wie dem Bankensektor zu fördern. Zu den Bereichen, an denen sie interessiert ist, zählt unter anderem der Umweltschutz, der verschiedene öffentliche und private Initiativen umfasst. Die Bank finanziert die Entwicklung von Wohnimmobilien, die sich durch ihre Nachhaltigkeit oder ihren sozialen Ansatz hervorheben. Sie bietet zudem Bewohnern die Möglichkeit, eine Triodos-Hypothek (Hipoteca Triodos) aufzunehmen; so auch im Fall Arroyo Bodonal, in dem die Käufer aufgrund der Energiebewertung mit A+ für die Wohnungen von einem niedrigeren Zinssatz auf ihre Hypothek profitieren.

Nachhaltige Immobilien und Hypothekenkredite für Privatpersonen – Fallbeispiel (photo)

Wim van de Bogerd, CEO bei Klimaatgarant

Welche Herausforderung hat den Denkanstoß für dieses Projekt gegeben?

Gebäude, auch Wohnimmobilien, sind für einen Großteil der gesamten weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich. Diese Emissionen tragen unmittelbar zum schädlichen Klimawandel bei. Uns bei Klimaatgarant treibt der Glaube an, dass durch eine effiziente Bauweise und die nachhaltige Nutzung bestehender Technologien energieneutraler Wohnraum geschaffen und der CO2-Ausstoß weitgehend minimiert werden kann.

Welche Strategie haben Sie zur Lösung dieses Problems entwickelt?

Klimaatgarant entwickelt energieneutrale Häuser und Gemeinden. Durch Wärme- und Kältespeicherung sowie optimale Isolierung und Belüftung garantieren wir eine Null auf der Rechnung für Heizkosten, Belüftung und Leitungswasser; keine Energiekosten, außer für den Betrieb von Haushaltsgeräten. Unsere Systeme beziehen ihren Strom aus Solar-Dachpanelen.

Ziel der traditionellen Stromanbieter ist es, so viel Energie wie möglich zu verkaufen. Das ist der große Unterschied zu unserem Modell: Wir verkaufen „null Energieverbrauch“. Wir garantieren energieneutrale Häuser. Dafür senken wir zunächst den Energieverbrauch so weit wie möglich und decken dann den verbleibenden Energiebedarf so nachhaltig wie möglich. Unsere Konzepte und Technologien konnten ihre Wirksamkeit bereits in tausenden von Haushalten unter Beweis stellen. Wir sind Eigentümer der Anlagen, die der Hausbesitzer von uns mietet.

Welchen Einfluss hatte die Triodos Bank auf Ihr Geschäft?

Durch die Finanzierung der Triodos Bank konnten wir unser energieneutrales Projekt auf die Beine stellen. Wir können somit energieeffizienten Wohnraum für Neulinge am Wohnimmobilienmarkt anbieten.

Auf persönlicher Ebene sind wir stolz auf die Anerkennung unserer Arbeit durch die Auszeichnung mit dem Triodos Heart-Head-Preis. Wir werden das Preisgeld nutzen, um eine App zur Messung des Energieverbrauchs zu entwickeln; wir sind davon überzeugt, dass ein genauerer Einblick in den Energieverbrauch dazu anregt, diesen noch weiter zu reduzieren.

Welchen Einfluss hat Ihr Unternehmen auf den Sektor?

Wir schaffen Bewusstsein; wir zeigen, dass es möglich ist, energieneutralen Wohnraum zu schaffen. Eine wachsende Zahl an Kommunen und Projektentwicklern glaubt an unser Konzept. Wir sind der Meinung, dass innerhalb der nächsten drei Jahre alle neu gebauten Häuser energieneutral sein werden.

Welchen Einfluss hat das Unternehmen auf die direkte Umgebung?

Unser Einfluss wirkt sich in erster Linie auf die Umwelt aus, insbesondere durch unseren Beitrag zur Reduzierung des CO<sub>2</sub>-Ausstoßes. Im weiteren Sinne sorgen wir für die Schaffung von Bewusstsein, indem wir zeigen, dass energieneutrale Häuser möglich sind.

Inwiefern kann sich die Triodos Bank mit der Vision Ihres Unternehmens identifizieren?

Sowohl die Triodos Bank als auch Klimaatgarant arbeiten an der Schaffung einer nachhaltigeren Gesellschaft. Wir versuchen beide, den negativen Auswirkungen des Verbrauchs fossiler Brennstoffe – beispielsweise dem Klimawandel – entgegenzuwirken, indem wir die Nutzung erneuerbarer Energien und die effiziente Nutzung von Energie fördern.

Nachhaltige Immobilien und Hypothekenkredite für Privatpersonen – Fallbeispiel (photo)

Raphaël Nouwen, Senior Relationship Manager KMU

Welche Herausforderung hat den Denkanstoß für dieses Projekt gegeben?

Vuurtoreneiland oder die „Leuchtturminsel“ ist eine 300 Jahre alte künstliche Insel im Markermeer in der Nähe von Amsterdam. Zuerst wurde dort im Jahr 1700 ein steinerner Leuchtturm errichtet. Der jetzige schmiedeeiserne Leuchtturm stammt aus dem Jahr 1893 und ist auch heute noch Amsterdams einziger Leuchtturm. Auf der Insel stehen auch ein Leuchtturmwärterhaus und ein verlassenes Fort. Das Fort ist Teil des alten Amsterdamer Verteidigungssystems und UNESCO-Weltkulturerbe.

Um das naturhistorisch einmalige Erbe der Insel zu erhalten, hat das Landwirtschaftsministerium, dem die Insel gehört, 2012 eine europaweite Ausschreibung zur gewerblichen Entwicklung der Insel durchgeführt. Mit den Einkünften aus dem Gewerbebetrieb sollten Naturschutzprojekte und die Erhaltung der denkmalgeschützten Gebäude finanziert werden. Das Landwirtschaftsministerium wollte dieses Weltkulturerbe auch der breiten Öffentlichkeit zugänglich machen.

Zwei junge Unternehmer sahen darin eine interessante Herausforderung und reichten Planungsunterlagen für ein innovatives Konzept beim Landwirtschaftsministerium ein. Am Anfang stand ein Pilotprojekt mit einer Konstruktion zur kurzfristigen Nutzung und einem kleinen Restaurant für einen Sommer. Besucher wurden mit einer Fähre auf die unbewohnte Insel gebracht, wo in einer idyllischen Umgebung Bio- und regionale Gerichte serviert wurden. Das Projekt war ein durchschlagender Erfolg, und die beiden Unternehmer betreiben das Restaurant nun bereits im vierten Jahr mit voller Unterstützung des Landwirtschaftsministeriums.

Welche innovative Strategie haben Sie zur Lösung dieses Problems entwickelt?

Den Unternehmern ist es gelungen, aus dem Besuch der Insel mit einer Kombination aus Naturschutz und Naturerfahrung einerseits und Besichtigung der historischen Gebäude andererseits ein besonderes Erlebnis zu machen.

Die Einkünfte aus dem Restaurantbetrieb werden dazu verwendet, die natürliche Landschaft, das Fort und den Leuchtturm zu erhalten. Für die Stromversorgung hat man bewusst auf Nachhaltigkeit gesetzt. Punktuelles Heizen ist ein altes Konzept. Es werden dabei nicht ganze Räume, sondern nur die Bereiche erwärmt, in denen sich Menschen aufhalten. So wird im Restaurant nur der Bereich unter den Tischen geheizt. Die Stühle sind mit Schaffell bespannt, und befeuert werden die Öfen des Hauses mit Holz von der Insel.

Welchen Einfluss hat die Triodos Bank auf Ihr Geschäft?

Die Triodos Bank hat zur Erhaltung dieser außergewöhnlichen Insel beigetragen. Mit ihrer Finanzierung wurde zudem sichergestellt, dass die Insel der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden und sich so zu einem Ort der Begegnung entwickeln konnte, an dem Menschen unweit des städtischen Treibens auch ein Stück unberührte Natur mit wilden Tieren und seltenen Pflanzen genießen können.

Welchen Einfluss hat Ihr Unternehmen auf den Sektor?

Vuurtoreneiland ist eine Quelle der Inspiration für andere Umnutzungsprojekte. Die Kombination aus verschiedenen, durchaus divergierenden Nachhaltigkeitsaspekten mit einem kleinen Bio-Restaurant macht dieses Projekt zu etwas ganz Besonderem und einem attraktiven Modell für diesen Sektor.

Welchen Einfluss hatte das Projekt auf die direkte Umgebung?

Menschen aus Amsterdam und dem weiteren Umland besuchen die Insel als einen Ort der Ruhe fernab von der Alltagshektik, inmitten der Natur. Mit dem Projekt sind lokal einige Arbeitsplätze entstanden. Neben diesem Aspekt ist es auch für die Zukunft sehr wichtig, dass mit dem Einzug der gewerblichen Nutzung Naturschutz und Erhaltung des kulturhistorischen Erbes auf der Insel nicht ins Hintertreffen geraten.

Inwiefern kann sich die Triodos Bank mit der Vision des Projekts identifizieren?

Die Triodos Bank finanziert nachhaltige Projekte, bei denen Mensch, Umwelt und Gesellschaft im Mittelpunkt stehen. Dieser mehrdimensionale Ansatz war auch das Leitbild bei der Entwicklung der Leuchtturminsel. Nach drei erfolgreichen Jahren hat Vuurtoreneiland gezeigt, wie Unternehmer in einer sensiblen Landschaft mit nachhaltigen Konzepten kommerziell erfolgreich sein können.

Culture

Kunst und Kultur

Welche Herausforderung hat den Anstoß zu diesem Projekt gegeben?

In Spanien leben mehr als zwei Millionen sehbehinderte oder hörgeschädigte Menschen. Wie sollen diese Menschen, die nicht sehen oder hören können, Freude an einem Film oder einer Fernsehsendung haben? Diese Überlegung gab den Anstoß zu der technologischen Forschungsarbeit an der Madrider Universität Carlos III.

Das Technologieunternehmen WhatsCine wurde 2013 als Ergebnis dieser universitären Forschung gegründet. Das Unternehmen will jedermann ermöglichen, Spaß an Kino und Fernsehen zu haben, und Chancengleichheit bei der Wahrnehmung audiovisueller Inhalte fördern. Zudem ermöglicht die App die Verwendung von zusätzlichen Sprachen und Originalfassungen und bietet so noch mehr Möglichkeiten, audiovisuelle Inhalte einem noch breiteren Publikum zugänglich zu machen.

Freizeitvergnügen wirkt sich positiv auf das Wohlbefinden und das soziale und familiäre Zusammenleben aus. WhatsCine setzt auf Technik, um den Zugang zu audiovisuellen Inhalten zu ermöglichen.

Welche innovative Strategie haben Sie zur Lösung dieses Problems entwickelt?

WhatsCine bietet bislang die weltweit erste und einzige Technologie, die sehbehinderten und hörgeschädigten Menschen kulturelle Inhalte auf inklusive Weise zugänglich macht, ohne andere Zuschauer zu stören.

Das Unternehmen setzt dabei auf eine speziell dafür entwickelte Software, die als App für Mobilgeräte (Smartphones und Tablets) verfügbar ist. Die App integriert drei Systeme für mehr Barrierefreiheit – Audiodeskription, Untertitelung für Taube und Hörgeschädigte sowie Gebärdensprache – sodass der Nutzer die Methode wählen kann, die am besten seinen Bedürfnissen entspricht, um einen Kinofilm oder eine Fernsehsendung in Echtzeit zu genießen

Die Barrierefreiheit für Sehbehinderte ist durch Audiodeskription über die eigenen Kopfhörer des Zuschauers gewährleistet. Über die Audiodeskription erhalten blinde oder sehbehinderte Nutzer eine Beschreibung der Szenen, Charaktere, Formen, Farben, Umgebungen und Einzelheiten, die in den Dialog und die Handlung eingebunden ist, ohne dabei den Original-Ton zu stören.

Die Barrierefreiheit für Taube und Hörgeschädigte wird durch Untertitel und Gebärdensprache sichergestellt. Hörgeschädigte Nutzer können zwischen diesen beiden Optionen wählen. Beides wird auf dem Smartphone- oder Tablet-Display des Nutzers dargestellt, ohne dass Menschen in der näheren Umgebung beeinträchtigt werden.

Die WhatsCine-App ist sowohl für iOS als auch für Android-Geräte verfügbar und kostenlos erhältlich.

Welche Bedeutung hatte die Triodos Bank für Ihr Unternehmen?

WhatsCine hat in Spanien bereits über 600 Filme und mehr als 1.000 Folgen von Fernsehserien aufbereitet und plant, bald auch an weiteren Märkten an den Start zu gehen. Unter anderem soll bald eine Niederlassung in Miami eröffnet werden.

Es ist schwierig abzuschätzen, wie viele Menschen genau bereits die Technik von WhatsCine nutzen, die App wurde jedoch bereits mehr als 50.000 Mal heruntergeladen und hat eine Bewertung von 4,3 von 5 erhalten. „Die App bietet uns die Unabhängigkeit und Normalität, die wir uns immer gewünscht haben“, erklärt ein Nutzer. „Einen Film im Kino ohne die Hilfe meines Sohnes und meiner Familie ansehen zu können, ist unbezahlbar“, gibt ein weiterer Nutzer an.

Welche Wirkung hat Ihr Unternehmen für den Sektor?

WhatsCine hat Kooperationen im Privatsektor initiiert und ein 360°-Netzwerk aus Beziehungen zu Filmverleihern, Produzenten, Kinobetreibern und Fernsehsendern aufgebaut, die ihren Zuschauern dank der intensiven Bemühungen von WhatsCine jederzeit und überall inklusive, barrierefreie und abwechslungsreiche Inhalte zugänglich machen, was noch vor vier Jahren für sehbehinderte und hörgeschädigte Menschen undenkbar war.

Für die Zukunft erwarten die Entwickler von WhatsCine, dass Vereinbarungen mit Behörden und Regierungen getroffen werden könnten, die Bestimmungen zur Barrierefreiheit und Inklusion von Sehbehinderten und Hörgeschädigten enthalten.

Welche Wirkung hat Ihr Unternehmen für die Menschen vor Ort?

WhatsCine fördert ein inklusives und nachhaltiges Wirtschaftswachstum und bietet Jobs für Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten, die in der Regel Schwierigkeiten haben, Arbeit zu finden oder die von Ausgrenzung bedroht sind. Dank WhatsCine wurden in Spanien 40 Arbeitsplätze bei verschiedenen Vereinigungen und Unternehmen geschaffen, die das Konzept unterstützen, und zukünftig sollen weitere attraktive Stellen angeboten werden.

Inwiefern kann sich die Triodos Bank mit Ihrer Vision identifizieren?

Die Triodos Bank setzt sich ebenfalls für die soziale Integration von Menschen mit Behinderungen ein und ist ebenso der Ansicht, dass Kultur und qualitativ hochwertige Freizeitgestaltung für jedermann zugänglich sein sollten. WhatsCine bedient hierbei sowohl den sozialen Aspekt der Unterstützung für Menschen mit Behinderungen als auch den kulturellen Aspekt, indem das Unternehmen den Zugang zu audiovisuellen Inhalten für alle sowohl im Kino als auch im Fernsehen fördert und audiovisuelle Inhalte für jeden zugänglich macht.

Welche Herausforderung hat den Denkanstoß für dieses Projekt gegeben?

Das Herman van Veen Arts Centre in Soest in den Niederlanden befindet sich auf einem alten Anwesen. Das Kunst- und Kulturzentrum wurde 2012 auf Initiative des niederländischen Künstlers und Sängers Herman van Veen und seiner langjährigen Gitarristin Edith Leerkens gegründet.

Hier treffen sich Kultur und Natur und verschmelzen miteinander. So werden in der denkmalgeschützten Villa auf dem Anwesen Gemälde von Herman van Veen ausgestellt, in einem frei zugänglichen Park Aktivitäten im Freien für Kinder und Erwachsene angeboten, und eine alte Feldscheune wurde in ein kleines Theater umfunktioniert. Die Örtlichkeit bietet Platz für 80 Zuschauer und ist eine Plattform für junge Künstler, die Theater, Musik und Tanz miteinander kombinieren möchten.

Was ist das Innovative an diesem Projekt?

Für die Aufführungen im Theater des Arts Center werden keine Eintrittskarten verkauft – zumindest nicht vorab. Jeder, der eine Aufführung anschauen möchte, kann einfach vorbeikommen. Auf diese Art lernen die Menschen das Anwesen kennen und entdecken die anderen vielfältigen Angebote, wie etwa die Ausstellungen.

Dieses innovative Konzept macht das Arts Center zu einer ganz persönlichen Erfahrung. Das Angebot richtet sich nicht an den anonymen 'Theaterkonsumenten', der die Tickets im Internet kauft, sondern an Menschen, die offen sind für Überraschungen und Begegnungen. Überzeugte Besucher haben die Möglichkeit, als Förderer freundschaftlich mit dem Center verbunden zu bleiben und das Arts Center über einen längeren Zeitraum zu unterstützen.

Welchen Einfluss hat die Triodos Bank auf dieses Projekt?

Die Beziehung zwischen der Triodos Bank und dem Arts Center besteht bereits seit mehreren Jahren. Bereits seit den Anfangstagen des Centers steht die Bank in Gesprächen über die Finanzierung und Bewirtschaftung des Anwesens. Und 2016 stellte die Bank dann ein Hypothekendarlehen für den Erwerb der unter Denkmalschutz stehenden alten Villa bereit.

Die Triodos Bank und der Triodos-Kulturfonds, die die Mittel jeweils zur Hälfte aufgebracht haben, taten sich dabei mit dem niederländischen Nationalen Restaurierungsfonds (Nationaal Restauratiefonds) zusammen. Der Fonds ist für die Finanzierung der Restaurierung des Gebäudes mit Ausstellungs-, Büro- und Arbeitsräumen verantwortlich. Nach Abschluss der Restaurierung im Jahr 2017 soll das Gebäude auch für Empfänge, Dinner-Veranstaltungen und Geschäftstagungen genutzt werden.

Welchen Einfluss hat das Projekt auf den Sektor?

Das Arts Center bietet jungen Künstlertalenten eine Bühne und trägt so zu einer Weiterentwicklung des Kultursektors bei. Der Fokus liegt dabei in Einklang mit der Vielseitigkeit von Herman van Veen selbst auf Künstlern, die verschiedene Kunstgattungen miteinander kombinieren.

Das Arts Center demonstriert auch den Mehrwert, den die Ausrichtung kultureller Veranstaltungen an einem durch die Natur geprägten Ort bietet. Die Aktivitäten finden sowohl drinnen als auch draußen statt. Die Ruhe der Natur ist eine Inspiration für die in Räumlichkeiten stattfindenden Darbietungen und sonstigen Aktivitäten. Hinzu kommt, dass die Theaterstücke zum Teil auch draußen dargeboten werden.

Welchen Einfluss hat das Projekt auf die Gesellschaft?

Das Herman van Veen Arts Center hat in vielerlei Hinsicht inspirierenden Einfluss. Es ist ein schöner Ort, an dem aufregende Dinge passieren. Besonders für Kinder hat das Arts Center einiges zu bieten. Beispielsweise finden in den Wäldern des Anwesens Schatzsuchen statt. Außerdem hat Alfred J. Kwak hier sein Zuhause. Das kleine Entlein ist u. a. durch eine 52-teilige Fernsehserie weltberühmt geworden.

Die Fokussierung auf Kinder ist kein Zufall. Herman van Veen ist ein Verfechter der Rechte von Kindern und Schirmherr der Lot’s Foundation, die sich weltweit für die Rechte der Kinder einsetzt.

Inwiefern deckt sich das Projekt mit der Vision der Triodos Bank?

Die Triodos Bank leistet damit einen Beitrag zur Steigerung der Lebensqualität in der Gesellschaft. Das Herman van Veen Arts Center tut genau dies auf viele verschiedene Arten: durch die dort veranstalteten kulturellen Aktivitäten, aber auch durch den Beitrag, den das Arts Center zu Erhalt und Förderung der Werte der Natur leistet.

Obendrein haucht das Arts Center der alten Villa auf dem Anwesen neues Leben ein. Das Arts Center, die Bank und der Nationaal Restauratiefonds machen es gemeinsam möglich, dieses denkmalgeschützte Gebäude und dessen bedeutenden kulturellen und historischen Wert zu erhalten.

Welche Herausforderung hat den Denkanstoß für dieses Projekt gegeben?

Ein wesentlicher Teil des Gebäudes, in dem sich das Kino befindet, wurde als Lagerfläche, Bürofläche und für verschiedene kleinere Werkstattarbeiten genutzt, die für die Wohltätigkeitsorganisation jedoch (nahezu) unrentabel waren. Die Aufgabe bestand darin, für diese schwer zu nutzenden Räumlichkeiten eine alternative Verwendung zu finden, die nicht nur langfristig die Zukunft des Curzon sichern, sondern auch das etwas verwaiste Stadtzentrum mit einem Angebot aufwerten würde, das den Menschen ein besseres Gemeinschaftserlebnis bieten würde, als dies mit einem Kino mit nur einem Kinosaal allein möglich wäre.

Welche innovative Strategie haben Sie zur Lösung dieses Problems entwickelt?

Es ergab sich die Gelegenheit, das Curzon im Rahmen einer umfangreichen Neugestaltung in Kooperation mit einem namhaften hochkarätigen Anbieter durch ein reichhaltiges kulinarisches Angebot aus Speisen und Getränken aufzuwerten. Dadurch entstand die Möglichkeit diese Kombination aus Freizeitspaß und Abendprogramm auf eine ganz neue Art gemeinsam strategisch zu vermarkten und den Menschen ein abendfüllendes Programm aus großartiger filmischer und künstlerischer Unterhaltung und kulinarischen Köstlichkeiten an einem einzigartigen Ort („Teatro Lounge“) zu bieten. Die Stadt kann nun stolzerfüllt eine Lokalität präsentieren, die den Menschen nicht nur ein Kino und ein Café, sondern auch einen Ort der Begegnung, für Networking, gemeinsames Arbeiten, Ausstellungen, musikalische Unterhaltung und gegenseitigen Austausch bietet.

Welchen Einfluss hatte die Triodos Bank auf Ihr Geschäft?

Dank der Unterstützung der Triodos Bank sehen wir nun einer sicheren Zukunft entgegen. Mit der Eröffnung der Teatro Lounge haben wir die Freiheit gewonnen, innovative Programmideen zu entwickeln – ohne den permanenten Druck, die Eintrittspreise erhöhen zu müssen. Das wissen unsere Gäste sehr zu schätzen.

Welchen Einfluss hatte Ihr Geschäft auf den Sektor?

Wir haben das Glück, als unabhängiges Kino mit nur einem Kinosaal heutzutage überleben zu können. Viele andere alte Kinos wurden von größeren Unternehmen geschluckt und haben nicht die Möglichkeit, das Programm für Filme und Veranstaltungen nach eigenen Wünschen zu gestalten. Das Curzon ist eines der wenigen verbliebenen Kinos, die für die Menschen der Stadt nach wie vor das beliebteste Freizeitanbot darstellen – wie damals die Lichtspielhäuser in den 1920er Jahren.

Welchen Einfluss hatte Ihr Geschäft auf die direkte Umgebung?

Das Curzon ist sehr beliebt und die Menschen von Clevedon sind stolz auf die einzigartige Tradition des Kinos und freuen sich über den jetzigen Erfolg des Unternehmens. Wir bekommen fantastische Kritiken und werden sogar auf der Straße angesprochen und zu unserem neuen, besseren Konzept beglückwünscht.

Neben unserem regulären Filmprogramm bieten wir auch Filmvorführungen in Heimen an, um auch dort die Menschen zu erreichen. Gemeinsam mit hiesigen Oberstufenschülern richten wir einen jährlichen Filmwettbewerb für Jugendliche unter 18 Jahren in North Somerset aus. Weitere Angebote sind Führungen durch das Kino, spezielle Stummfilmveranstaltungen, die Christie Organ Experience, Programmier-Workshops sowie Animation und Bastelworkshops für Kinder.

Inwiefern kann sich die Triodos Bank mit Ihrer Vision identifizieren?

Wir sind der Auffassung, dass die Triodos Bank wirklich versteht, welchen Wert Kultur für die Gesellschaft hat. Obwohl dieser Wert nicht konkret greifbar scheint, wird er uns jedes Mal vor Augen geführt, wenn ein Kunde sich bei unseren Mitarbeitern oder freiwilligen Helfern für einen tollen Abend bedankt.

Bildung

Vier Winden ist eine niederländischsprachige kommunale Grundschule im Brüsseler Stadtteil Molenbeek. Mit Schülern aus aller Welt lebt die Schule ihre kulturelle Diversität ganz bewusst und versteht sie als Bereicherung.

Ein junges und dynamisches Team aus Lehrkräften und Managern arbeitet mit und für rund 200 Vor- und Grundschüler und bietet diesen ein hochwertiges und maßgeschneidertes Bildungsangebot.

Die Türen der Schule stehen den Eltern und den Menschen aus dem Viertel offen, und die Fenster geben Einblick in den Schulalltag. Denn die Schule setzt bei ihrer Tätigkeit voll und ganz auf den Dialog mit Schülern, Eltern, den Menschen im näheren Umfeld und Lehrern.

Die Triodos Bank hat die Renovierung der Schule finanziert, die auch einen Neubau beinhaltet.

Interview mit Karlien Tiebout, pädagogische Leiterin.

Welche Herausforderung hat den Anstoß zu diesem Projekt gegeben?

Unsere Schule befindet sich im alten Teil von Molenbeek, einem Stadtteil von Brüssel, der schon immer einen starken Zustrom an Zuwanderern verzeichnet hat. Die Kinder hier sind sozial benachteiligt und wachsen in einem wirtschaftlich benachteiligten Umfeld auf. In den letzten Jahren hat die Gegend in den Medien für reichlich Negativschlagzeilen gesorgt. Andererseits beobachten wir einen Zustrom bessergestellter Familien, und wir möchten dieser Vielfalt auch in unserer Schule Rechnung tragen.

Die gesellschaftliche Entwicklung verlangt eine aktive Auseinandersetzung mit dem Thema Diversität. Wir sollten die kulturelle Vielfalt als Bereicherung sehen. Wenn wir unseren Kindern beibringen können, mit dieser Diversität umzugehen, werden sie ihr Leben lang davon profitieren.

Was genau macht Ihren Ansatz so innovativ?

Wir binden die Eltern und die Menschen hier im Viertel ganz bewusst in das Schulleben ein. Darin liegt eine unserer Stärken.

Unsere Schultüren stehen buchstäblich offen für die Eltern, denn wir alle (Schule und Eltern) arbeiten auf dasselbe Ziel hin: Wir möchten, dass die Kinder wachsen können und die bestmöglichen Chancen bekommen. Dieser Dialog ist daher enorm wichtig und bereichernd, da alle Beteiligten jeweils nur einen Teil von dem sehen, was die Kinder wirklich ausmacht. Wenn Schule und Eltern ihre Erfahrungen austauschen, ergibt sich leichter ein Gesamtbild. Bei uns findet dieser Dialog über offene Unterrichtsstunden, Kochunterricht und eine Musikgruppe statt. So schaffen wir eine Verbindung zwischen Kindern, Eltern und Schule. Das trägt auch dazu bei, Hindernisse aus dem Weg zu räumen, und macht es einfacher, um Hilfe zu bitten oder Lösungen zu finden.

Welche Wirkung hat Ihr Unternehmen/Ihre Organisation für den Sektor, in dem Sie tätig sind?

Die Vielfalt an unserer Schule und die offene Zusammenarbeit mit den Eltern und den Menschen in unserem Stadtteil sorgen für frischen Wind und eröffnen ganz neue Möglichkeiten. In der Schule gibt es so viel Talent und positive Ansätze, und es ist schön, dass das zur Kenntnis genommen wird. Die Schule schafft eine Verbundenheit hier in Molenbeek, und genau das braucht unsere Gesellschaft. Wir möchten diesen Geist gerne weitertragen.

Welche Wirkung hat Ihr Unternehmen oder Ihre Organisation für die Menschen vor Ort?

Unsere Schule versteht sich als Teil der kommunalen Strukturen. Im Zuge des Neubaus konnten wir beispielsweise eine Sporthalle errichten. Dadurch ist eine Zusammenarbeit mit einem tollen Partner zustande gekommen, dem Circus Zonder Handen, einer sozialen und inklusiven Zirkusschule. Diese nutzt die Sporthalle nach der Schule und in den Ferien. Damit wird sie auch für unsere Schüler besser zugänglich.

Welche Bedeutung hatte die Triodos Bank für Ihr Unternehmen bzw. Ihre Organisation?

Die Triodos Bank hat die Renovierung der Schule finanziert. Mit dem Neubau können wir klar zeigen, dass wir eine offene Schule sind, eine Schule, die sich nach außen öffnet. So konnten wir viele Menschen davon überzeugen, sich für unsere Schule zu entscheiden. Das Gebäude hatte also eine Wirkung für die Vielfalt an unserer Schule. Auch die schönen Klassenräume haben einen riesigen Mehrwert für Lehrer und Schüler gebracht.

Inwiefern kann sich die Triodos Bank mit der Vision des Projekts identifizieren?

Die Zusammenarbeit mit der Triodos Bank entspricht unserem Selbstverständnis als Schule. Obendrein ist unser Neubau ein fast CO2-neutrales Gebäude, und wir prüfen derzeit, wie wir die Energiebilanz unserer Schule weiter verbessern können.

Unser wichtigstes Ziel als Schule besteht darin, all unseren Schülern so viele Chancen wie möglich zu eröffnen, die speziellen Bedürfnisse jedes Schülers zu berücksichtigen und ihnen die bestmögliche Lösung anzubieten. Jeder Mensch hat ein Recht auf Entwicklung, das ist auch einer der Ansatzpunkte der Triodos Bank.

Gemeinsam glauben wir an unsere Kinder. Sie besitzen viel Talent und das motiviert uns dazu, uns Tag für Tag für sie zu engagieren.

Welche Herausforderung hat den Denkanstoß für dieses Projekt gegeben?

Hauptanliegen und Stiftungszweck der Alanus Stiftung sind die Förderung von Kunst, Kultur, Wissenschaft und Forschung. Dieser Zweck wird insbesondere verwirklicht durch die wirtschaftliche und allgemeine Unterstützung der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft.

Die Alanus Hochschule ist eine staatlich anerkannte Kunsthochschule in freier Trägerschaft und befindet sich in Alfter, in der Nähe von Bonn. Sie vereint unter einem Dach Studiengänge aus den Bereichen Architektur, bildende Kunst, Eurythmie, Kunsttherapie, Bildungswissenschaft, Philosophie und Betriebswirtschaft.

2009 eröffnete die Hochschule einen zweiten Standort, den „Campus II“ in der Villestraße in Alfter. Der neue Campus beherbergt die Fachbereiche Architektur, Bildungswissenschaften, Kunsttherapie und Wirtschaftswissenschaften. Seit die Hochschule 2002 ihre staatliche Anerkennung erhalten hat, hat sich die Zahl der Studierenden verachtfacht und beläuft sich inzwischen auf ca. 1.500. Daher werden neue Räumlichkeiten geschaffen, um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden.

Das Lernen in Kleingruppen und Freiraum für die persönliche Entwicklung jedes Einzelnen bilden wichtige Aspekte im Konzept der Hochschule. Die Hochschule möchte ein Umfeld bieten, das jeden Studierenden unterstützt und ihnen den benötigten Freiraum bietet, sich akademisch und künstlerisch weiterzuentwickeln. Die neuen Räumlichkeiten tragen insbesondere zur Erfüllung dieses Anspruchs bei.

Welche innovative Strategie haben Sie zur Lösung dieses Problems entwickelt?

Die Alanus Stiftung plant, ein von der Software AG-Stiftung erworbenes Grundstück im Rahmen einer zweiten Bauphase zu nutzen und die verfügbaren Flächen für den Bau weiterer Ateliers zu verwenden.

Campus II verfügt derzeit über drei Gebäude mit Ateliers für Kunsttherapie, Architektur und Kunstpädagogik, die zum Fachgebiet Bildungswissenschaften gehören. Angesichts der wachsenden Studierendenzahl in den neuen Studienprogrammen und für die neu ins Leben gerufenen Kunstprogramme bieten die Ateliers ideale Arbeitsbedingungen für das Studium in Kleingruppen in persönlicher Atmosphäre.

Welchen Einfluss hatte die Triodos Bank auf das Geschäft?

Die Triodos Bank, die uns beim Kauf des Baugrundstücks finanziell unterstützt hat, ist der ideale Partner für diesen Schritt in unserer Entwicklung. Unser Ziel, einen Wandel in der Gesellschaft herbeizuführen, steht bei beiden Institutionen im Vordergrund.

Zudem haben wir bereits ausgezeichnete Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit der Triodos Bank als Praxispartner unserer Hochschule gesammelt. Bachelor-Studierende im Fachbereich Betriebswirtschaft können während ihres Studiums insgesamt 60 Wochen in der deutschen Niederlassung der Triodos Bank in Frankfurt verbringen und dort ihr erworbenes Wissen praktisch anwenden.

Welchen Einfluss hatte Ihr Geschäft auf den Sektor, in dem Sie tätig sind?

Der Kauf des Grundstücks bedeutet, dass die Alanus Stiftung weiter an der Umsetzung der Strategie von Campus I arbeiten kann, auf dem das Weiterbildungszentrum und die künstlerischen Fachbereiche beheimatet sind. Diese Strategie beruht darauf, überall dort Grundstücke zu besitzen, wo Hochschulbildung und berufliche Aus- und Weiterbildung unter der regional und überregional anerkannten Marke „Alanus“ vermittelt werden.

Die neuen Räumlichkeiten werden auch dazu beitragen, dass wir zunehmend attraktiver für Studierende werden, die nach einer Alternative im Hochschulsektor und nach einem Studiengang mit Raum für persönliche Entwicklung und kleinen Lerngruppen Ausschau halten.

Welchen Einfluss hatte das Geschäft auf die direkte Umgebung?

Ein wichtiger Aspekt im Konzept der Alanus Hochschule ist die Verschmelzung von Kunst und Wissenschaft. Nach Ansicht der Hochschule bieten sich durch diese Kombination Möglichkeiten für Dialog und gegenseitige Inspiration. Einen Blick über den Tellerrand des eigenen Studienbereichs zu werfen ist ein wesentlicher Teil des Bildungsansatzes der Hochschule.

Durch das Studium Generale, ein Ergänzungsstudium in Kulturwissenschaften, dass für alle Studierenden zugänglich ist, belebt die Hochschule die Tradition ganzheitlicher Bildung wieder, die über das reine Fachstudium hinausgeht. Seminare und Veranstaltungen zu Philosophie und Kulturgeschichte sollen die Studierenden zu eigenständigem und kritischem Denken anregen, ihren Horizont erweitern und ihnen die Möglichkeit bieten, ihre eigenen Ansichten zu Kultur und Gesellschaft zu entwickeln.

Die Hochschule möchte junge Menschen motivieren, Verantwortung für ihre eigene persönliche Entwicklung und die Entwicklung der Gesellschaft zu übernehmen und sich in ihr Studium zu vertiefen.

Inwiefern kann sich die Triodos Bank mit der Vision des Projekts identifizieren?

Wie die Alanus Hochschule möchte auch die Triodos Bank zu einem positiven Wandel in der Gesellschaft beitragen. Als Bildungseinrichtung erreicht die Alanus Hochschule dieses Ziel, indem sie jungen Menschen Raum bietet, ihre Persönlichkeit zu entfalten, und ihnen die Möglichkeit gibt, einen Blick über den Tellerrand ihres eigenen Fachstudiums zu werfen.

Sie bildet Menschen aus, die in ihrer späteren Laufbahn aktiv die Gesellschaft mitgestalten und zu dem Wandel beitragen möchten, den beide Institutionen anstreben. Durch die Finanzierung und Unterstützung der Triodos Bank können wir unseren Idealen in der Bildung gerecht werden.

Bildung – Fallbeispiel (photo)

José Canales, Schulleiter der Escuela Ideo

Welche Herausforderung hat den Denkanstoß für dieses Projekt gegeben?

Das Fundament der Ideo-Schule ist das Bestreben, eine bessere Zukunft zu schaffen. Eine Gruppe von Bildungsexperten – Lehrern sowie Vertretern aus dem Verwaltungs- und Dienstleistungsbereich – erkannte zusammen mit einigen Familien, dass der Weg zu diesem grundlegenden Ziel nur über neue Ansätze in der Bildung führt.

„Wir streben ein Bildungssystem an, in dem Menschen dazu befähigt werden, glücklich, gesund und bewusst zu leben, und das als Stütze der modernen globalen Gesellschaft dient“, so die Gründer des Projekts.

Welche Strategie haben Sie zur Lösung dieses Problems entwickelt?

Die Ideo-Schule ist eine säkulare, mehrsprachige, integrative und geschlechtergemischte Einrichtung. Ausgangspunkt ihrer Philosophie ist die Überzeugung, dass die Schüler und ihre Familien in ihrem eigenen Lernprozess die Hauptrolle einnehmen sollten. Die Methoden des Projekts stellen daher stark auf das eigene Erleben ab, wie Berühren, Fühlen... kurz: auf „Learning by doing“. Neben dem Erlernen von Inhalten vermittelt die Schule ihren Schülern, Beziehungen zueinander aufzubauen, mit anderen zusammenzuarbeiten und Erfahrungen auszutauschen.

Da es sich um ein Bildungszentrum handelt, ordnet die Triodos Bank das Projekt dem Kultursektor zu. Aber auch bei Umweltschutz und sozialen Fragen beschreitet die Ideo-Schule ganz neue Wege. So ist Nachhaltigkeit das A und O des gesamten Projekts – vom Einsatz grünen Stroms bis hin zum Anlegen eines ökologischen Gartens. Auch in allen Alltagsaktivitäten der Schule findet der Nachhaltigkeitsgedanke seinen Niederschlag, wobei Schüler aller Altersgruppen eingebunden werden.

Zudem legt die Ideo-Schule besonderen Wert auf eine wertebasierte Bildung, die von Gleichheit und Integration getragen ist. Inklusion und Diversität sind wesentliche Schlagworte für das Projekt. Unter den Mitarbeitern sind darum auch Experten für die Koedukation von Jungen und Mädchen, die Integration behinderter Kinder und die Ausbildung von Kindern mit Lernschwierigkeiten. Und das Projekt macht nicht an den Außenmauern des Schulgeländes halt. Vielmehr sieht sich das Zentrum selbst als Raum, der den Bewohnern des umliegenden Stadtviertels in Madrid offensteht und Anwohner und Familien in seine Aktivitäten einbindet.

Dass hier individualisierte und emotionsorientierte Lehrmethoden entwickelt werden, der Unterricht in spanischer, englischer, französischer und chinesischer Sprache stattfindet, IT-Geräte dank der eingerichteten offenen Plattformen frei und verantwortungsbewusst eingesetzt werden und die Zurücklegung des Schulwegs zu Fuß oder mit dem Fahrrad besonders gefördert wird, sind nur einige Beispiele für die innovativen Ansätze des Zentrums.

Welchen Einfluss hatte die Triodos Bank auf Ihr Geschäft?

Vom ersten Kontakt der Triodos Bank mit den Gründern der Ideo-Schule an war klar: Wir sprechen die gleiche Sprache – unsere Wertvorstellungen decken sich. Nach einer qualitativen und wirtschaftlichen Analyse des Projekts stellte die Triodos Bank ihre Finanzierung für die Initiative bereit, mit deren Hilfe das Schulgebäude im Madrider Stadtviertel Las Tablas angemietet werden konnte. Die Einrichtung befindet sich hier nur vorübergehend, bis die Bauarbeiten an der Schule abgeschlossen sind.

Doch die Unterstützung der Triodos Bank geht über bankgeschäftliche Dienstleistungen und Projekte hinaus. So würdigte die Bank den innovativen Ansatz des Zentrums und seine wertvolle Wirkung für Gesellschaft und Bildungswesen unter anderem, indem sie die Ideo-Schule 2015 zu einem der sechs Finalisten für den zweiten Triodos Business Awards kürte. Der mit 10.000 EUR dotierte Preis soll den Blick auf die Beiträge der Unternehmen und Projekte lenken, die die Bank mit den ihr anvertrauten Kundengeldern finanziert. Zum zweiten Mal wählte im Rahmen der Awards eine große Anzahl an Kunden und anderen Beteiligten ihren Favoriten zum Gewinnerprojekt.

Darüber hinaus stand der ökologische Garten der Ideo-Schule im Mittelpunkt von Crowdfunding-Kampagnen, die die Triodos-Stiftung über ihre Mikrospendenplattform bei www.huertoseducativos.org initiiert hatte. Mit den Beiträgen von 100 Spendern konnte die Ideo-Schule Neuanschaffungen im Wert von 3.000 EUR für ihren Schulgarten finanzieren. Der Garten bietet der Schule eine zusätzliche Lernquelle und einen Raum, in dem Wissen und Werte auf innovative, partizipative Weise geteilt werden können.

Welchen Einfluss hat Ihr Unternehmen auf den Sektor?

Obwohl die Ideo-Schule noch so jung ist – das Zentrum besteht erst seit 2013 –, hat sie sich nach und nach zu einem Modell für innovative Bildungsmethoden in Madrid entwickelt und ist sowohl im Bildungs- als auch im Nachhaltigkeitssektor überaus aktiv.

So nimmt sie beispielsweise an dem EU-Projekt STARS (Sustainable Travel Recognition and Accreditation for Schools) im Rahmen des Programms „Intelligente Energie – Europa“ teil, das darauf abzielt, dass mehr Menschen den Weg zur Arbeit mit dem Fahrrad oder mit anderen nachhaltigen Transportmitteln zurücklegen.

Welchen Einfluss hat das Unternehmen auf die direkte Umgebung?

In der Ideo-Schule werden Kinder zwischen zwei und achtzehn Jahren betreut. Das heißt, vom jüngsten Vorschulalter an bis zum Bachillerato (Abschluss, der zur Teilnahme an den mit dem Abitur vergleichbaren Hochschulzulassungsprüfungen berechtigt) mit geisteswissenschaftlichem, naturwissenschaftlichem oder künstlerischem Schwerpunkt nebst Sport- und Gesundheitskursen im Rahmen beruflicher Bildung sind alle Stufen abgedeckt. Im Schuljahr 2015-16 besuchten 437 Schüler die Einrichtung: 102 im vorschulischen Bereich, 187 in der Grundschule und 148 in der Sekundarstufe.

„Die Familien sind mit uns verbunden, wir schreiten gemeinsam voran“, erklärt Schulleiter José Canales. Mütter und Väter wirken an der Lehrplangestaltung für ihre Kinder sehr aktiv mit. Verstärkt wird dies dadurch, dass die Schule als Genossenschaft organisiert ist, in der 130 Familien Mitglied sind.

„Dank der genossenschaftlichen Struktur können Familien, die sich für die Ideo-Schule entscheiden, unmittelbar und spürbar an der Fortentwicklung des Projekts mitwirken und so neuartige Wege der Partizipation und Kommunikation ebnen“, erklärt Canales. Die Genossenschaft organisiert verschiedene Unternehmungen in den Bereichen Lehre, Bildung und Kultur ebenso wie Schulungsmaßnahmen, etwa die Family School, in deren Rahmen gemeinsame Veranstaltungen für Lehrer, Schüler und Eltern stattfinden.

Doch die Wirkung der Ideo-Schule ist nicht auf die Bildungsgemeinschaft und die Mitgliedsfamilien beschränkt, stehen doch viele der Aktivitäten auch Anwohnern des Viertels offen. Zudem besteht eine enge Zusammenarbeit mit anderen Initiativen auf lokaler, nationaler und sogar internationaler Ebene, etwa mit dem Künstlerkollektiv Basurama, das auf die Wiederverwertung von Abfällen spezialisiert ist.

Inwiefern kann sich die Triodos Bank mit der Vision Ihres Unternehmens identifizieren?

Mit den Worten von Schulleiter José Canales: „Als wir uns an die Triodos Bank wandten, wurden wir dort mit offenen Armen empfangen... Wir sind auf Menschen getroffen, die uns beeindruckt haben, und ich glaube, unser Projekt hat auch sie beeindruckt, denn wir haben sehr viel gemeinsam.“

Auch die Triodos Bank ist der Ansicht, dass die Bildung, die wir Kindern und Jugendlichen heute bieten, den Grundstein für das gesellschaftliche Wohlergehen in der Zukunft legt. Aus diesem Grund unterstützt die Bank Projekte wie die Ideo-Schule, die über ein hochwertiges Bildungsangebot im Einklang mit geltenden Lehrplänen hinaus Werte der Menschlichkeit und des Respekts vor der Umwelt vermittelt.

Finanziert werden Bildungseinrichtungen und Schulen, in denen Toleranz, die Würde des Menschen und Meinungsfreiheit als Quellen für Kreativität und Persönlichkeitsentwicklung Vorrang haben.

Social

Gemeinschaftsprojekte und sozialer Wohnungsbau

Was war der Grund/die Herausforderung für das Projekt?

Unser Mietshaus mit über 30 Mietparteien in der Seumestraße 14 liegt im Berliner Bezirk Friedrichshain. Die Gentrifizierung ging mitten durch unser Haus: AltmieterInnen in unsanierten Wohnungen wohnen Tür an Tür mit neuen MieterInnen in frisch sanierten Wohnungen. Nur wenig Kontakt hatten wir untereinander – zu unterschiedlich waren unsere Lebenswelten. Doch dann erfuhren wir, dass unser Haus verkauft und zum Renditeobjekt werden sollte. Die Sorge darüber, dass wir alle unser Zuhause verlieren könnten, hat große Solidarität untereinander freigesetzt.

Denn in unserer Gegend werden Wohnungen immer seltener als Orte angesehen, die Menschen ein Zuhause geben. Stattdessen gelten sie oft als Wertanlagen, in denen MieterInnen, die im ständigen Preiskampf um Wohnraum nicht mithalten können, nur stören. Die gezielte Entmietung ganzer Wohnblöcke, die im Anschluss luxussaniert und neu vermietet werden, sowie die Verdrängung einkommensschwacher Schichten sind die Folge. Und so konkurrieren verarmte RentnerInnen mit freischaffenden Künstlern oder SozialhilfeempfängerInnen mit Alleinerziehenden um die letzten Räume, die noch bezahlbar für sie sind.

Wir wollten uns nicht gegeneinander ausspielen lassen und entschieden uns für den Schritt in die Selbstverwaltung. Es gelang uns, unseren Vermieter zu überzeugen, das Mietshaus nicht an einen Investor zu verkaufen. Stattdessen erwarben wir es selbst – mit Hilfe der Edith-Maryon-Stiftung und der Triodos Bank.

Jetzt wohnen wir selbstbestimmt in unserem Mietshaus im Verbund des Mietshäuser Syndikats, deren Vermieter wir selbst sind. Den Boden nutzen wir in Erbpacht und von den Mieten zahlen wir den Kredit bei der Triodos Bank nach und nach ab.

Wie beantworten Sie diese Herausforderung durch Ihr Projekt?

Wir haben ein Modell gefunden, in dem alle alten MieterInnen in der Seumestraße 14 wohnen bleiben können und gleichzeitig über alle Prozesse und Veränderungen, die das Haus betrifft, in Zukunft mitentscheiden können. Dies schließt zum Beispiel ein, dass bei Neuvermietung BewerberInnen mit geringem Auskommen bevorzugt werden. Letztere sind auf dem Berliner Wohnungsmarkt zurzeit stark benachteiligt.

Das Projekt selbst ist eine gelungene Antwort, wie wir finden, auf die Spekulation mit Wohnraum. Und so wurde aus der Sorge um unser Zuhause und aus einer anonymen Nachbarschaft eine Hausgemeinschaft, die miteinander ins Gespräch gekommen ist. Menschen, die über keine großen finanziellen Mittel verfügen, können jetzt mitbestimmen, wie und wo sie wohnen. Wir werden weiterhin ein Mietshaus bleiben, in dem aber die Mieter das Sagen haben. Wir sind nun gleichzeitig Mieter und Vermieter. Wir haben sowohl ein Interesse daran, dass das Finanzierungskonzept stabil ist als auch daran, dass der Wohnraum nicht dazu genutzt wird, einen möglichst hohen Profit zu erzielen. Stattdessen soll der Wohnraum einen möglichst hohen Nutzwert und eine hohe Lebensqualität für alle im Haus bieten.

Welche Bedeutung hat die Triodos Bank für Sie?

Wenn man ein Projekt wie unseres startet, sitzt man recht schnell bei verschiedenen Banken, um Kreditangebote einzuholen. Dabei haben wir oft in verdutzte Gesichter konservativ denkender Angestellter geschaut, die uns nicht finanzieren wollten.

Für Investoren ist es aufgrund ihres Eigenkapitals und unterschiedlicher Sicherheiten, die sie vorweisen können, meist verhältnismäßig leicht, Kredite zu bekommen. Für bunt gemischte Mieterschaften ohne großes Einkommen – der in die Jahre gekommene Gebrauchtwagen vor der Türe ist das Teuerste, was sie besitzen – sieht das leider ganz anders aus.

Wir sind deshalb sehr froh, dass die Triodos Bank Deutschland sich unser Finanzierungskonzept unvoreingenommen angeschaut, mit uns durchgeplant und uns schließlich einen Kredit gewährt hat. Er ermöglichte es uns, das Haus über unseren Verein in Zusammenarbeit mit dem Mietshäuser Syndikat und der Edith-Maryon-Stiftung zu erwerben und damit in die Selbstorganisierung der MieterInnen zu überführen.

Für uns war es skurril, auf einmal mit Millionenbeträgen umzugehen, die für den Hauskauf nötig waren. Niemand von uns kannte so etwas oder dachte, irgendwann mal im Leben damit konfrontiert zu sein. Die Zusammenarbeit mit der Triodos Bank und ihr kritischer Blick auf die Finanzen hat uns dabei den Rücken gestärkt.

Welche Bedeutung hat das Projekt auf dem Sektor, in dem Sie tätig sind?

Wir beraten inzwischen viele weitere Hausgemeinschaften in Friedrichshain und in anderen Berliner Bezirken, wie es gelingen kann, sich selbst organisiert als Mietshaus zu kaufen und im Verbund mit dem Mietshäuser Syndikat (oder anderen Strukturen wie einer Genossenschaft) erschwinglichen Wohnraum zu erhalten. Das erworbene Wissen während des Hauskaufs und unserer Organisierung einer Mieterschaft kann so weitergegeben werden. Wir sind über 30 Mietparteien und viele von uns wachsen im Organisierungsprozess auch mehr und mehr hinein in die Hausverwaltung, das Wissen und die Verantwortung, die ein solches Projekt mit sich trägt. Wir wünschen uns, dass eine kleine Vorbildwirkung von der Seume14 ausgehen kann und mehr MieterInnen sich organisieren und um ihr Recht auf Wohnen kämpfen.

Welche gesellschaftliche Bedeutung hat Ihr Projekt?

Wohnraum soll keine Ware sein. Darin waren sich alle Mieter bei uns im Haus einig. Das klingt etwas platt, aber es meint schließlich nur, dass wir es in unserm gesellschaftlichen Grundverständnis für unabdingbar halten, dass neben der Gesundheit des Menschen und zu seiner Unversehrtheit auch ein Recht auf bezahlbaren Wohnraum zählt.

Wenn es gelingen würde, eine politische Macht der MieterInnen durch solche Projekte wie unser selbstverwaltetes Mietshaus zu stärken, könnten vielleicht unter einem öffentlichen Druck „von unten“, von Seiten der MieterInnen, der Verwertungslogik auf dem Immobilienmarkt Schranken gesetzt und eine andere Logik und ein anderes gesellschaftliches Verständnis entgegengesetzt werden, wie wir in urbanen Räumen miteinander wohnen und leben wollen.

Wie sehr sehen Sie, dass die Triodos Bank Ihre Vision teilt?

Wir haben uns bei dem waghalsigen Unterfangen durch die Triodos Bank versiert und mit viel ehrlichem Engagement unterstützt gefühlt. Wenn es der Triodos Bank sinnvoll erscheint, demnächst noch weitere Projekte dieser solidarischen Entprivatisierung von Immobilien zu unterstützen und so Mietshäuser dem Spekulationsmarkt zu entziehen, um zeitgleich eine Absicherung von Wohnraum zu ermöglichen, fänden wir das fantastisch. Das Mietshäuser Syndikat und die Edith-Maryon-Stiftung könnten tolle Partner werden.

Welche Herausforderung hat den Denkanstoß für dieses Projekt gegeben?

Nachhaltige Mode für ein breites Publikum sichtbar und verfügbar zu machen ist zusammengefasst das Ziel von Unternehmerin Cécile Scheele, der Gründerin von Goodbrandz. Goodbrandz wurde 2011 gegründet und kauft und vertreibt umweltfreundlich und unter guten Arbeitsbedingungen produzierte Mode.

Das Unternehmen hat sich bewusst dafür entschieden, die Produkte nicht in eigenen Läden zu vertreiben. Stattdessen finden sich inzwischen in rund 400 herkömmlichen Modegeschäften überall in den Niederlanden nachhaltig hergestellte Hosen, Anzüge, Blusen und Taschen. Auf diese Weise erreicht Goodbrandz ein breites Publikum.

Was ist das Innovative an diesem Projekt?

Am Beispiel von Goodbrandz zeigt sich, dass nachhaltige Mode eine gute und bezahlbare Alternative zu „herkömmlicher“ Kleidung ist. Die Preise der Marken, die sich dem Unternehmen angeschlossen haben, sind mit denen anderer Modemarken vergleichbar. Beim Kauf herkömmlicher Jeans zahlt man nicht nur für die Produktionskosten des Artikels, sondern auch und ganz besonders für die Marke. Bei Goodbrandz-Marken sind diese Kosten deutlich geringer. Die Kleidung wird also zu einem wettbewerbsfähigen Preis verkauft und mit nachhaltigen Produktionsmethoden hergestellt.

Welchen Einfluss hat die Triodos Bank auf dieses Projekt?

Auch in der Modewelt muss Geld ausgegeben werden, um Geld zu verdienen. Als Käufer und Vertreiber nachhaltiger Kleindung kauft Goodbrandz Mode aus nachhaltiger Produktion. Die Kollektion muss zusammengestellt werden. Außerdem müssen die Warenbestände vorübergehend gelagert werden, um eine ununterbrochene Versorgung der Läden mit Waren sicherzustellen. All das verursacht Kosten. Nur wenn ein Ladeninhaber die Waren tatsächlich kauft, wird Goodbrandz dafür bezahlt. Die Triodos Bank stellt dem Unternehmen Kapital zur Verfügung, das Goodbrandz dafür verwendet, den Zeitraum zwischen dem Einkauf bei den Produzenten und dem Verkauf an die Geschäfte zu überbrücken.

Welchen Einfluss hat das Projekt auf den Sektor?

Jedes Jahr organisiert Goodbrandz die Dutch Sustainable Fashion Week, die 2017 vom 6. bis 15. Oktober stattfinden soll. In diesem Rahmen stellen die Designer nachhaltiger Mode ihre neuesten Kreationen vor. Die zahlreichen Aktivitäten und Modeschauen im Laufe dieser Woche inspirieren die Modebranche, sich für einen positiven Wandel zu öffnen.

Wichtigstes Ziel des Unternehmens ist es, der Öffentlichkeit zu zeigen, dass es eine echte Alternative zu herkömmlicher Mode gibt. Studien von Goodbrandz haben ergeben, dass sich 68% der Frauen in den Niederlanden für nachhaltige Mode entscheiden würden, aber nur 11% von ihnen wissen, wo sie diese kaufen können.

Welchen Einfluss hat das Projekt auf die Gesellschaft?

Die Modeindustrie verursacht Umweltverschmutzung, beispielsweise durch den starken Einsatz von Chemikalien. Zudem ist für die Produktion wichtiger Rohmaterialien wie Baumwolle viel Wasser nötig. Darüber hinaus herrschen in den Werkstätten und Textilfabriken in Ländern wie Indien und Bangladesch häufig schlechte Arbeitsbedingungen. Regelmäßig werden Fälle von Ausbeutung, Kinderarbeit und langen Arbeitstagen von bis zu 16 Stunden festgestellt. Die Bezahlung ist oftmals schlecht und die Arbeit mit schlechten Sicherheitsbedingungen verbunden.

Die negativen Auswirkungen für Mensch und Umwelt zeigen deutlich, wie wichtig nachhaltige Kleidung ist, die unter redlichen und fairen Bedingungen produziert wurde.

Inwiefern deckt sich das Projekt mit der Vision der Triodos Bank?

Im Hinblick auf Nachhaltigkeit hinkt die Modebranche anderen Sektoren, wie beispielsweise Landwirtschaft und Lebensmittel, hinterher. Das Angebot an biologischen und fair gehandelten Lebensmitteln hat in den letzten Jahren enorm zugenommen. Für nachhaltige Kleidung kann davon nicht die Rede sein.

Die Triodos Bank ist der Ansicht, dass es wichtig ist, mit innovativen Unternehmen wie Goodbrandz zusammenzuarbeiten, die sich gezielt für nachhaltige Kleidung stark machen. Goodbrandz ist ein Pionier in der Modebranche und inspiriert zu positivem Wandel.

Welche Herausforderung hat den Denkanstoß für dieses Projekt gegeben?

Der Denkanstoß für die Fundació Deixalles ergab sich aus dem Wunsch, einen Beitrag für eine gerechtere, nachhaltigere Gesellschaft zu leisten, indem Menschen auf den Balearen, die von sozialer Ausgrenzung betroffen oder bedroht sind, dabei geholfen wird, einen Einstieg in den Arbeitsmarkt zu finden. Die innovativen Köpfe hinter der Stiftung hatten die Idee, dass dieses Ziel mit der Beseitigung von Abfällen und der Abfallwirtschaft auf den Inseln verbunden werden könnte.

Die Geschichte der Organisation begann 1986 in einem ehemaligen Molkerei-Lagerhaus am Stadtrand von Palma de Mallorca. Die ersten Schritte waren das Ergebnis einer Initiative des Sozialwerks des Bistums Mallorca (Acción Social del Obispado de Mallorca) und der Vereinigung kleiner und mittlerer Unternehmen auf Mallorca Federación de la Pequeña y Mediana Empresa de Mallorca, PIMEM). Die Stiftung wurde 1990 in einem vollkommen umfunktionierten Lagerhaus gegründet. Erste positive Ergebnisse der Abfallsammlung und beseitigung und vor allem der sozialen Eingliederung und Integration von Menschen mit Schwierigkeiten in den Arbeitsmarkt waren sofort sichtbar. Seither wurden spezifischere Arbeitsbereiche festgelegt. Schwerpunkte hierbei sind die Tischlerei- und Elektrikerausbildung, um die Wiederverwendung von Sperrmüll zu ermöglichen. Zudem wurden Bildungsangebote zu ökologischen und sozialen Themen für Lehrkräfte in Schulen, soziale Aktionsgruppen und Behörden entwickelt.

So hat sich die Organisation Schritt für Schritt weiterentwickelt. Inzwischen zählen zu den neuen Aktivitäten die Mitwirkung an europäischen Projekten, Inklusionsunternehmen sowie Projekten für Wirtschaft nach dem Solidaritätsprinzip, alternative Finanzinstrumente und ethisches Bankwesen. Die Fundació Deixalles ist derzeit die führende Organisation für die Unterstützung benachteiligter Personengruppen auf den Balearen, durch Einbeziehung in den Arbeitsmarkt, Zusammenarbeit, Recycling, verantwortungsvollen Konsum und Ausbildung.

Welche innovative Strategie haben Sie zur Lösung dieses Problems entwickelt?

Die wichtigste Innovation der Fundació Deixalles sind die Ausbildungs-, Sozial- und beruflichen Integrationsprogramme, die auf die Beine gestellt wurden und in deren Rahmen jährlich über 2.000 Tonnen Abfälle beseitigt werden. Auf diese Weise verhindern die Programme den Ausstoß von mehr als 5.200 Tonnen CO2 und schaffen gleichzeitig Arbeitsplätze und Zukunftsperspektiven für hunderte Menschen.

Die innovativen Programme reichen von Workshops für die Maßschneiderei von Altkleidern über die Restaurierung von Möbeln bis hin zur Reparatur von Elektrogeräten. Auch die hierbei angewandte Methodik ist innovativ. „Ziel des gesamten Müllaufbereitungs- und behandlungsprozesses ist es, die sozialen Kompetenzen, die für die Teilnehmer wichtig sind, um sich in die breitere Gesellschaft zu integrieren, wiederzuerlangen oder zu stärken“, so Francesca Martí, Leiterin der Fundació Deixalles. „Wir verfolgen einen auf aktiver Teilnahme basierenden Ansatz, der die tägliche Einbeziehung aller Menschen und Organisationen, mit denen wir in unserem Netzwerk zusammenarbeiten, fördert: soziale Hilfsdienste, das Bindeglied zu anderen Organisationen (wie Drogentherapieeinrichtungen), der soziale Dienst der Fundació Deixalles über das technische Team und der Teilnehmer – die Person, die letztlich die Verantwortung für ihren eigenen Eingliederungsprozess in den Arbeitsmarkt trägt“, erklärt Martí.

Welchen Einfluss hatte die Triodos Bank auf Ihr Geschäft?

Da die Fundació Deixalles, wie die große Mehrheit der mit sozialen Problemen befassten Organisationen, in hohem Maße von den staatlichen Behörden abhängig ist und Zahlungen von diesen Stellen oftmals erst mit zeitlicher Verzögerung erhält, benötigte die Fundació Deixalles dringend Geld für die Deckung des alltäglichen Bedarfs der Organisation. Derzeit stammen 19% der Einkünfte der Organisation aus Fördermitteln.

Aus diesem Grund trat die Stiftung kurz nach der Eröffnung ihrer Niederlassung in Palma de Mallorca an die Triodos Bank heran und bat um einen Vorschuss der ausstehenden Fördermittel und zugesagten Gelder. Seither ist die Beziehung zwischen der Fundació Deixalles und der Triodos Bank dank gemeinsamer Werte und gegenseitigem Verständnis gewachsen.

Die Triodos Bank bietet nicht nur Bankenprodukte und dienstleistungen, sondern würdigt auch die Innovationskraft der Initiative und den Wert ihrer Wirkung für Gesellschaft und Umwelt. Daher wurde die Fundació Deixalles als einer der sechs Finalisten im Wettbewerb im Rahmen des 3. Triodos Business Award 2016 ausgewählt. Diese bei Kunden und Nichtkunden gleichermaßen beliebte Auszeichnung ist mit einem Preisgeld von 10.000 EUR dotiert. Der Preis lenkt den würdigt den Blick auf die Beiträge der Unternehmen und Projekte, die die Bank mit den ihr anvertrauten Kundengeldern finanziert. Im Januar 2015 organisierte die Bank für ihre Kunden auf Mallorca einen Ausflug zur Fundació Deixalles, damit diese sich persönlich ein Bild von der positiven Wirkung ihres Geldes machen konnten.

Welchen Einfluss hatte Ihr Geschäft auf den Sektor?

Dreißig Jahre Erfahrung und positive Ergebnisse zeigen, dass die Fundació Deixalles sich als eine führende Initiative im sozialen und Umweltbereich auf den Balearen etabliert hat.

Derzeit ist die Stiftung auf Mallorca und Teilen Ibizas für die gesamte Sammlung getrennter Abfälle zum Recycling verantwortlich. Ihre Arbeit wurde durch zahlreiche Auszeichnungen gewürdigt, beispielsweise den Solidaritätspreis ONCE Illes Balears 2015, den Solidaritätspreis des Consell de Mallorca, den Ramon Llull-Preis für Unternehmergeist, der von der Regierung der Balearen verliehen wird, und den National Friends of the Earth Prize für ihren Beitrag zum Umweltschutz.

Welchen Einfluss hatte Ihr Geschäft auf die direkte Umgebung?

Heutzutage besteht die Belegschaft der Fundació Deixalles aus über 220 Menschen. Fast die Hälfte von ihnen zählt zu Personengruppen, die von sozialer Ausgrenzung betroffen oder bedroht sind. Rund 300 Menschen nehmen jedes Jahr an den Ausbildungs- und Integrationsprogrammen der Organisation teil. Mehr als 1.000 Menschen wurden in der Berufsberatungsstelle beraten. Mehr als 5.100 Schulkinder haben direkt an Aktivitäten der Organisation teilgenommen, mehr als 42.000 indirekt. In der Stiftung engagieren sich rund 30 freiwillige Helfer und 140 Mitarbeiter, die aktiv einen Beitrag für die Gesellschaft leisten.

Im Hinblick auf ihre Umweltwirkung hat die Fundació Deixalles im vergangenen Jahr 784 Tonnen Altkleider, mehr als 900 Tonnen an Möbeln und Sperrmüll, 24 Tonnen Papier, 10 Tonnen Glas, 900 Tonnen Verpackungsmaterial und mehr als 600 kg Altöl verwertet. „Wir sammeln etwa 2.000 Tonnen Abfall, von denen rund 80% weiterverwertet werden können“, berichtet die Leiterin der Fundació Deixalles. „Wir sammeln alles, was die Menschen loswerden möchten: Kleidung, Bücher, Möbel, Elektrogeräte – immer mit dem Gedanken, dass all das wiederverwendet werden kann.“ Auf diese Weise wurden bereits mehr als 5.000 Tonnen CO2 vermieden, die nicht in die Atmosphäre gelangt sind. Die Organisation hat 215 Altkleidercontainer aufgestellt und fünf Läden eröffnet, in denen Kunden die aufbereiteten Gegenstände sowie Waren aus fairem Handel erwerben können.

Das Projekt wurde schrittweise auf andere Bereiche ausgeweitet, beispielsweise die Förderung fairen Handels oder umweltfreundlicher Putzmittel sowie die oben erwähnten Bildungsmaßnahmen zum Thema Umweltschutz.

Inwiefern kann sich die Triodos Bank mit Ihrer Vision identifizieren?

Die Triodos Bank unterstützt die Integration von Ausgrenzung bedrohter Menschen in die Gesellschaft und den Arbeitsmarkt, beispielsweise von Flüchtlingen, Langzeitarbeitslosen, alleinerziehenden Müttern, benachteiligten Jugendlichen, Drogenabhängigen, Opfern geschlechtsbezogener Gewalt, ethnischen Minderheiten und ehemaligen Straftätern.

Mit Blick auf den Naturschutz ist es für die Triodos Bank wichtig zu verstehen, dass der Schutz der Erde unsere gemeinsame Verantwortung ist. Gemeinsam können wir alle einen Beitrag zu einer nachhaltigen Bewirtschaftung der Ressourcen leisten. Hierzu zählen auch die Abfallbehandlung, die Förderung von Reparatur, Wiederverwendung und Recycling aller Gegenstände und Materialien, die noch für andere Zwecke von Nutzen sein könnten.

Die Fundació Deixalles hat es geschafft, soziale und ökologische Aspekte erfolgreich zu vereinen. Auf diese Weise kann sie Menschen in Schwierigkeiten eine bessere Zukunft bieten und gleichzeitig die Umweltbelastung durch Abfälle reduzieren.

Gemeinschaftsprojekte und sozialer Wohnungsbau – Fallbeispiel (photo)

Simon Conway, Company Secretary von Thera Trust.

Welche Herausforderung hat den Denkanstoß für dieses Projekt gegeben?

Thera unterstützt Erwachsene mit Lernbehinderung. Dabei haben wir festgestellt, dass es immer schwieriger wird, Wohnungen für Menschen zu finden, die eine Unterbringung mit besonderen Vorrichtungen benötigen. Doch solche barrierefreien Unterkünfte sind entscheidend, wenn die von uns unterstützten Menschen zu einem erfüllten und selbstständigen Leben in ihrem lokalen Umfeld in der Lage sein sollen. So wurde Thera immer wieder gebeten, mehr Menschen zu helfen, aber oftmals konnten wir diesem Wunsch nicht nachkommen, bis die Betroffenen endlich eine ihrer Situation gerechte Wohnung gefunden hatten. Dadurch entstand die Idee, uns Geld für den Kauf und den Umbau von Immobilien – „ein normales Haus in einer normalen Straße“ – zu beschaffen, um Menschen Wohnraum bieten zu können, die ansonsten ohne passende Unterkunft dastehen würden.

Welche innovative Strategie haben Sie zur Lösung dieses Problems entwickelt?

In unserer gemeinnützigen Immobiliengesellschaft Forward Housing SW arbeitet ein Expertenteam mit Einzelpersonen, ihren Familien und Pflegern sowie weiteren Unterstützerkreisen zusammen, um passende Objekte ausfindig zu machen und sie speziell an die Bedürfnisse eines Einzelnen anzupassen. Anschließend wird die Wohnung an eine Wohnungsbaugesellschaft vermietet, damit die betroffene Person einen mit einem besonderen Mieterschutz ausgestatteten Mietvertrag (Assured Tenancy) abschließen und so von der damit einhergehenden Unterbringungssicherheit profitieren kann. Gleichzeitig kann er in seinem Alltag die hochwertigen Betreuungsangebote eines der zur Thera Group gehörenden Pflege- und Unterstützungsunternehmen in Anspruch nehmen.

Welchen Einfluss hatte die Triodos Bank auf Ihr Geschäft?

Mithilfe der Triodos Bank hat Thera zur Kapitalbeschaffung eine Förderanleihe (Charity Bond) platziert und so 2 Mio. GBP eingeworben. Neben der Unterstützung zum Bau von Wohnungen für einige der von uns unterstützten Menschen – die zu den verletztlichsten Mitgliedern der Gesellschaft gehören – hat die Triodos Bank den Kontakt zwischen Thera Trust und einer Vielzahl neuer Investoren vermittelt. Diese zeigen allmählich Interesse an unserer Organisation und Arbeitsweise. Außerdem hat die Triodos Bank uns dabei geholfen, unseren internen Denkprozess neu auszugestalten, und uns so dazu ermutigt, eine breitere Palette an finanziellen Optionen in Betracht zu ziehen und die Tür für verschiedene Finanzierungswege mit unterschiedlichem Risiko- und Komplexitätsniveau zu öffnen.

Welchen Einfluss hat Ihr Unternehmen auf den Sektor?

Wir sind stolz darauf, dass wir Menschen mit Lernbehinderung in der gesamten Gruppe die Möglichkeit geben, in leitender Funktion, etwa als „Director“ für bestimmte Aufgabenfelder, erwerbstätig zu sein. Unseres Wissens sind wir landesweit die einzige große Hilfsorganisation für Erwachsene mit Lernbehinderung, die Lernbehinderte als hauptamtliche Geschäftsführer in ihre Leitungsgremien bestellt hat. Aktuell stellen acht solcher Directors die Führungsqualitäten von Menschen mit Lernbehinderung unter Beweis und untermauern damit die Vision der Organisation.

Welchen Einfluss hat das Unternehmen auf die direkte Umgebung?

Wir sind davon überzeugt, dass Menschen mit Lernbehinderung Führungsrollen in der Gesellschaft übernehmen können. Dabei möchten wir mit gutem Beispiel vorangehen. Dass diese Überzeugung für uns nicht nur eine leere Worthülse ist, zeigt sich daran, dass in der gesamten Organisation Leitungspositionen von Menschen mit Lernbehinderung besetzt sind und wir die von uns unterstützten Menschen auf vielfältige Weise in die Gesamtleitung und ‑verwaltung von Thera einbeziehen. Außerdem möchten wir den Menschen dabei helfen, Freundschaften und Netzwerke in ihrem lokalen Umfeld aufzubauen, damit sie weniger auf institutionalisierte, bezahlte Unterstützung angewiesen sind. Parallel dazu möchten wir diese lokalen Gemeinschaften darin stärken, Menschen mit Lernbehinderung, die früher von der Gesellschaft ferngehalten wurden, in ihrer Mitte aufzunehmen. Dazu zeigen wir ihnen auf, dass diese Menschen mit entsprechender Hilfe Großes leisten können, und fördern eine stärkere Inklusion unserer Hilfeempfänger sowie die Sensibilität für ihre Belange.

Inwiefern kann sich die Triodos Bank mit der Vision Ihres Unternehmens identifizieren?

Wo immer möglich legen wir Wert darauf, mit Organisationen zusammenzuarbeiten, die nach ethischen Prinzipien handeln. Wir haben uns sehr darüber gefreut, dass sich die Triodos Bank so interessiert an einer Zusammenarbeit mit Thera zeigte, und dabei die Menschen, die wir unterstützen, auf eine Weise eingebunden hat, die den gesamten Prozess geprägt hat. Unsere Arbeitsziele und unsere Arbeitsweise werden durch die Meinungen und Äußerungen dieser Menschen geformt. Die Triodos Bank hat sich ihre Sicht der Dinge angehört und sich in ihre Bedürfnisse und Wünsche hineinversetzt. Für uns ist es einfach fantastisch, ein Finanzinstitut an unserer Seite zu wissen, das nicht nur in die Nachhaltigkeit unserer Projekte investiert, sondern auch die Leidenschaft für unser Ziel teilt: den bestmöglichen Service zu bieten, der den Bedürfnissen der von uns unterstützten Menschen bestmöglich gerecht wird.

Gesundheitswesen

Welche Herausforderung hat den Anstoß zu diesem Projekt gegeben?

Yoni wurde 2014 in den Niederlanden gegründet und stellt Damenbinden und Tampons aus Bio-Baumwolle her. 2011 wurde bei Mariah Mansvelt Beck, die Yoni gemeinsam mit Wendelien Hebly gegründet hat, Eierstockkrebs im Frühstadium diagnostiziert. Ihre Ärztin riet ihr damals, Tampons oder Binden aus Bio-Baumwolle zu verwenden, um Irritationen der Vagina zu vermeiden. Mansvelt Beck befolgte diesen Ratschlag, musste jedoch feststellen, dass Hygieneartikel aus Bio-Baumwolle nur schwer zu finden waren, und nur in wenigen Bio-Läden verkauft wurden.

Zudem musste sie feststellen, dass die Inhaltsstoffe herkömmlicher Tampons nicht auf der Verpackung deklariert sind. Mansvelt Beck und Hebly waren entsetzt: Auf fast allen Verbraucherprodukten werden die genauen Inhaltsstoffe angegeben, doch ausgerechnet bei diesen besonders intimen Produkten war dies nicht der Fall. Wie die beiden feststellten, werden die meisten Tampons aus synthetischen Materialien wie Viskose oder Kunststoffen hergestellt und enthalten teilweise sogar Duftstoffe. Bei Frauen, die empfindlich auf diese Inhaltstoffe reagieren, kann dies zu Irritationen führen.

Was ist das Innovative an diesem Projekt?

Yoni ist der Ansicht, dass Frauen das Recht haben zu wissen, woraus die Produkte, die sie kaufen, gemacht sind. Das Unternehmen leistet hierzu seinen Beitrag, indem es die Inhaltsstoffe auf der Verpackung aufführt und das Tabu rund um das Thema Menstruation bricht.

Die Menstruation ist ein Zeichen für Gesundheit und kein Grund für Heimlichtuerei. Darum legt Yoni viel Wert auf Kommunikation und Verpackungsdesign. Letzteres ist zum Teil von Kosmetika und Pflegeprodukten inspiriert. Diese Produkte werden in attraktiven Verpackungen angeboten, und Yoni ist der Ansicht, dass man auch Tampons und Binden optisch ansprechender präsentieren kann.

Der Ansatz von Yoni findet Anklang. 2016 belegte das Unternehmen bei den Innovation Top 100 unter den niederländischen SMEs den ersten Platz. Dies verdankt das Unternehmen in erster Linie seiner innovativen Kommunikation und der breiten Verfügbarkeit seiner Produkte. Diese sind nicht nur im unternehmenseigenen Online-Shop sondern auch in beliebten Drogerieketten in den Niederlanden erhältlich.

Welche Bedeutung hatte die Triodos Bank für dieses Projekt?

Yoni wurde mit dem Kapital von mehreren Anlegern und einer Crowd-Funding-Initiative ins Leben gerufen. Das Unternehmen unterhält seit einem Jahr eine Beziehung zur Triodos Bank.

Dank des Kredits der Triodos Bank kann Yoni nun einen größeren Markt in mehreren Ländern bedienen. Die Produkte des Unternehmens sind nun in verschiedenen Ländern verfügbar, darunter Deutschland, Großbritannien und die Benelux-Länder. Das Unternehmen möchte jedoch weiter expandieren, weshalb die Finanzierung durch die Triodos Bank besonders wichtig ist.

Welche Wirkung hat das Projekt für den Sektor?

Yoni möchte Frauen stärker sensibilisieren. Das Unternehmen legt daher großen Wert darauf, über die Inhaltsstoffe in seinen Hygieneprodukten zu berichten. Yoni ist der Auffassung, dass Frauen sich mehr Gedanken über ihre Hygieneprodukte machen sollten. Indem es „einfach“ die Inhaltstoffe seiner Produkte auf der Verpackung auflistet, will das Unternehmen die Hersteller herkömmlicher Produkte ebenfalls zu mehr Transparenz anregen. Vor der Gründung von Yoni riefen Mansvelt Beck und Hebly die herkömmlichen Hersteller an und befragten diese zu den Inhaltsstoffen ihrer Produkte. Manchmal war es dabei sehr schwierig, Antworten zu erhalten. Dies hat sich seither geändert. Viele große Marken liefern inzwischen auf ihren Webseiten Informationen zu den Inhaltsstoffen ihrer Produkte.

Yoni ist Teil einer größeren Bewegung. In den letzten Jahren, haben Verbraucher angefangen, unter anderem bei der Europäischen Kommission Fragen in Bezug auf die mangelnde Transparenz bei den von ihnen verwendeten Produkten zu stellen. Diese Fragen deuten auf eine wachsende Sensibilisierung der Verbraucher für dieses Thema hin.

Welche gesellschaftliche Wirkung hat das Projekt?

Das Thema Menstruation ist noch immer kein gewöhnliches Gesprächsthema und das, obwohl das Wort „Tabu“, das aus dem Polynesischen stammt, wörtlich übersetzt „Menstruation“ bedeutet. Eine Studie hat festgestellt, dass 19% der niederländischen Mädchen nichts über die Menstruation wissen, bevor sie zum ersten Mal ihre Regel haben. Niemand spricht mit ihnen über dieses Thema. Yoni sieht darin ein echtes Problem. Wenn sie unerwartet eintritt und ein Mädchen nichts darüber weiß, kann die Menstruation ein traumatisches Erlebnis sein.

Yoni will Gespräche über die Menstruation zur Normalität machen. Eine Maßnahme ist hierbei der Verzicht auf Euphemismen. So verwendet Yoni auf den Verpackungen beispielsweise die Worte „Vagina“ und „Menstruation“.

Inwiefern deckt sich das Projekt mit der Vision der Triodos Bank?

Genau wie die Triodos Bank möchten die Unternehmerinnen Mariah Mansvelt Beck und Wendelien Hebly ihre Vision in Form eines kommerziell erfolgreichen Unternehmens in die Welt tragen.

Bei Yoni werden alle Produktions- und Betriebsabläufe genauestens kontrolliert und so nachhaltig wie möglich gestaltet. Die Unternehmerinnen sind zudem der Ansicht, dass ein wichtiger Aspekt eines nachhaltigen Unternehmens ein solides und rentables Geschäftsmodell ist. Denn nur so kann Yoni langfristig einen entscheidenden Beitrag zu einem positiven Wandel leisten.

Welche Herausforderung hat den Denkanstoß für dieses Projekt gegeben?

Panningen ist eine Stadt im Süden der Niederlande und beheimatet die ehemalige Ziegelbrennerei De Ringoven. Die Fabrik wurde 1989 geschlossen, was in den Folgejahren zu einem allgemeinen Verlust an Lebensqualität in der Stadt beitrug. Immer mehr soziale Dienstleistungen verschwanden aus dem Stadtbild. Die denkmalgeschützte Ziegelbrennerei wurde jedoch renoviert und wiederentwickelt und ist seit 2014 ein beliebter Treffpunkt.

De Ringoven bietet Platz für verschiedene soziale Organisationen. So gibt es beispielsweise eine Agentur, die Arbeit für Menschen mit Lernschwierigkeiten organisiert. Für ältere Menschen mit Demenz werden eine Tagesbetreuung und Aktivitäten geboten, und es gibt eine Kinderbetreuung nach der Schule. Auch ein soziales Unternehmen, Rendiz, bietet Unterkunftsdienstleistungen und vermietet Veranstaltungsorte.

Was ist das Innovative an diesem Projekt?

Die verschiedenen sozialen und gewerblichen Organisationen, die dort ansässig sind, arbeiten gemeinsam an der Umsetzung und Förderung der Ziele von De Ringoven. Sie machen aus dem Gebäude den Puls der Stadt und ihrer Umgebung. Den Initiatoren der Wiederentwicklung ist es erfolgreich gelungen, alle diese Organisationen miteinander zu verbinden. Und sie haben dies auf kommerziell erfolgreiche Weise getan: De Ringoven – als Teil von Rendiz – kombiniert Unterkünfte mit der Vermietung von Räumlichkeiten an soziale Projekte und bietet im Rahmen der Tagesbetreuung Aktivitäten, die alle Ertrag erwirtschaften. Das Projekt ist ein klassisches Beispiel für innovatives soziales Unternehmertum.

Welchen Einfluss hat die Triodos Bank auf dieses Projekt?

Die Triodos Bank finanzierte die Innensanierung des Gebäudes. Ihr Engagement geht jedoch noch weiter. Die Triodos Bank ist ein wichtiger Partner von Rendiz, dem Initiator der Wiederentwicklung. Gemeinsam wird das Finanzierungspotenzial ähnlicher Rendiz-Projekte in anderen Teilen der Provinz eruiert.

Welchen Einfluss hat das Projekt auf den Sektor?

Die große Stärke von De Ringoven ist die Beherbergung von Organisationen aus verschiedenen Sektoren wie dem Gesundheitswesen, der Bildung und dem Gastgewerbe. Das Projekt zeigt, dass dieser integrierte Ansatz erfolgreich sein kann. Ein denkmalgeschütztes Gebäude wie De Ringoven ist kostspielig in der Nutzung. Auch die Umwandlung in ein multifunktionales Sozialzentrum ist mit hohen Kosten verbunden. Aber ein Baudenkmal wie dieses kann rentabel sein, wenn die Kosten auf verschiedene Schultern verteilt werden.

Welchen Einfluss hat das Projekt auf die Gesellschaft?

Die Gegend rund um Panningen hat mit verschiedenen Problemen zu kämpfen, von einer alternden und rückläufigen Bevölkerung bis hin zum Rückgang und Verschwinden von Gemeinschaftsdienstleistungen.

Die Region steht in dieser Hinsicht nicht alleine da: Es gibt mehrere Gemeinden in den Niederlanden, die sich mit ähnlichen Problemen konfrontiert sehen. Die Wiederentwicklung von De Ringoven bietet ihnen jedoch eine schlagkräftige Antwort. Sie trägt zur Lebendigkeit der Gemeinde und zum sozialen Zusammenhalt in der Stadt bei. Das Gebäude dient zudem als Zentrum und Inspiration für andere Entwicklungen. Seit der Neueröffnung von De Ringoven haben verschiedene Organisationen nicht nur in sondern auch rund um das Gebäude Fuß gefasst. Auch eine Grundschule wurde inzwischen neben der alten Ziegelbrennerei eingerichtet. Panningen ist zu neuem Leben erwacht.

Inwiefern deckt sich das Projekt mit der Vision der Triodos Bank?

Die Triodos Bank trägt zur Verbesserung der Lebensqualität einer Gemeinde bei. Sie hat sich dem Ziel verschrieben, Möglichkeiten für die persönliche Entwicklung der Menschen zu fördern, eine auf gegenseitige Hilfe ausgerichtete Gesellschaft zu unterstützen und Ökologie und Umwelt zu stärken.

Da ist es nur logisch, dass die Bank sich im Projekt De Ringoven engagiert. Schließlich bietet dieses Projekt Entwicklungsmöglichkeiten für Menschen, die nicht direkt Zugang zum Arbeitsmarkt haben, schafft Bildungsmöglichkeiten für Kinder und trägt zudem zum sozialen Zusammenhalt in der Stadt bei. Der Unterbringungsservice nutzt regionale und Fairtrade-Produkte. Und nicht zuletzt handelt es sich um ein schönes Gebäude – ein nationales Baudenkmal –, das nun für künftige Generationen in einer neu belebten Stadt erhalten bleibt.

Welche Herausforderung hat den Denkanstoß für dieses Projekt gegeben?

Das Leitbild von Centrum Ganspoel ist die Beaufsichtigung von Menschen mit Seh- und Mehrfachbehinderungen an einem Ort, der für sie am besten geeignet ist.

Der zentrale Campus von Ganspoel liegt malerisch zwischen Feldern, aber auch sehr abgelegen. Nach und nach sind wir zu dem Schluss gekommen, dass für eine Gruppe junger Menschen die Kombination von Schulbesuch und Aufenthalt auf dem großen zentralen Campus nicht wirklich ihren Fähigkeiten entspricht. Diese Gruppe sollte – wie junge Menschen ohne Behinderung – am sozialen Leben teilnehmen: sich im lokalen Sportclub betätigen, selbst zur Bäckerei gehen, ausgehen können; kurzum: am täglichen Leben teilnehmen können.

Deshalb fanden wir es angemessen, diese Gruppe junger Menschen in das Zentrum der Stadt Tervuren zu verlegen. Damit wurde die Möglichkeit geschaffen, im Stadtzentrum zu leben, womit Freizeiteinrichtungen nun zu Fuß erreichbar sind, sowie in einer Straße mit Anschluss an die Einkaufsstraße und dem Kirchplatz zu leben.

Was war so innovativ an der Art und Weise, wie dieses Problem angegangen wurde?

Der innovative Aspekt dieses Projekts liegt im Ansatz für die Zielgruppe. Inklusive Wohnprojekte für Erwachsene gibt es schon seit mehreren Jahren, aber nicht für junge Leute. Kinder aus verschiedenen Provinzen besuchen die Schule im Centrum Ganspoel, was bedeutet, dass in der Regel auch Unterbringung erforderlich ist. Um größtmögliche maßgeschneiderte Unterstützung bieten zu können, bedurfte das Projekt einer auf die Bedürfnisse zugeschnittenen Infrastruktur und eines passenden Standorts.

Welchen Einfluss hatte das Unternehmen bzw. die Organisation auf den Sektor, in dem es/sie tätig ist?

Der Wohltätigkeitssektor für Menschen mit Behinderung durchläuft momentan einen grundlegenden Wandel, wobei die private Finanzierung im Mittelpunkt des Interesses steht. Momentan gilt dies nur für Erwachsene, was jedoch zu einem späteren Zeitpunkt auf junge Menschen ausgeweitet wird. Das Projekt berücksichtigt bereits all diese Veränderungen und wurde vor kurzem in einer Rede des belgischen Ministers für Wohlfahrt, Volksgesundheit und Familie, Vandeurzen, als Beispiel genannt.

Welchen Einfluss hatte das Unternehmen bzw. die Organisation auf die direkte Umgebung?

Der Stadtrat hat unser Projekt von Anfang an unterstützt und mit unserem Team zusammengearbeitet. Außerdem haben Judo-Trainer des lokalen Clubs im Rahmen einer Politik der aktiven freiwilligen Teilnahme Informationen über Sport mit Menschen mit Sehbehinderung erhalten. Lokale Unternehmen bieten den jungen Menschen Praktika an. Die Anwohner und Förderer vor Ort waren ebenfalls zur Eröffnung der neuen Unterkunft eingeladen. Die beteiligten jungen Leute werden nun nicht mehr als die „Jugend vom De Pit“ bezeichnet, sondern tatsächlich mit ihrem Namen und als Mitglieder der Vereinigung angesprochen.

Als der Stadtrat Mobilitätsmaßnahmen plante, zog er unsere Mitarbeiter zu Rate, um neue Fußwege mit tastbaren Markierungen als Führungslinie für blinde Menschen zu schaffen. Bei der Aufstellung neuer Verkehrsampeln wurden die Bedürfnisse von Menschen mit einer (Seh-)Behinderung berücksichtigt.

Die Ankunft dieser Gruppe junger Leute hat Wirkung auf die Politik des Stadtrates gezeitigt. Davon hat nicht nur die Gruppe junger Leute definitiv profitiert, sondern auch alle anderen Einwohner und Besucher der Stadt, mit und ohne Behinderung.

Welchen Einfluss hatte die Triodos Bank auf das Unternehmen bzw. die Organisation?

Die Triodos Bank hat ihr Vertrauen in uns gesetzt, was die finanzielle Umsetzung des Projekts anbelangt. Dadurch konnten wir uns vollständig auf den Inhalt und Mehrwert für unsere Kunden konzentrieren.

Wir starten derzeit ein neues Projekt, dieses Mal auf dem zentralen Campus von Centrum Ganspoel. Wir sind hocherfreut, ein zweites Mal mit der Triodos Bank zusammenarbeiten zu können. Neben den sozialen Vorteilen möchten wir sicherstellen, dass das aktuelle Projekt aus breiterer Perspektive nachhaltig ist, zum Beispiel im Hinblick auf die beim Bau verwendeten Techniken und Materialien.

Inwiefern kann sich die Triodos Bank mit der Vision des Projekts identifizieren?

Die Triodos Bank unterstützt das Ziel des Projekts: das Erreichen einer maximalen Inklusion von Menschen mit Behinderungen. Ich denke, wir haben einen großen Erfolg erzielt. Vielleicht ist es für eine vollständige Inklusion noch ein bisschen verfrüht, was jedoch daran liegt, dass dies in der breiteren Öffentlichkeit noch nicht so gut bekannt ist. Die jungen Menschen jedoch, mit denen wir zusammenarbeiten, sind definitiv vollständig in die lokale Gemeinschaft eingebunden.

Gesundheitswesen – Fallbeispiel (photo)

Sabine L. Distler, Leiterin des St. Elisabeth Senioren- und Pflegezentrums

Was war der Grund/die Herausforderung für das Projekt?

Für uns stand von Beginn an fest, dass wir aus St. Elisabeth einen Ort mit maximaler Lebens- und Wohnqualität machen wollten. Dass dazu umfangreiche Sanierungsarbeiten gehören würden, insbesondere vor dem Hintergrund des neuen Bayerischen Pflege- und Wohnqualitätsgesetzes, war schnell klar. Doch unser innovatives Wohnkonzept und unsere ganzheitliche Philosophie gehen ja sogar weit darüber hinaus.

Das heißt konkret, dass wir mit der Sanierung nicht nur den gesetzlichen Vorgaben u. a. zur Barrierefreiheit, sondern auch unserem eigenen Anspruch und damit nicht zuletzt den aktuellen Erkenntnissen gerontologischer Wohnökologie gerecht werden mussten. Das war und ist in der Tat eine Herausforderung. Aber eine gute.

Wie beantworten Sie diese Herausforderung durch Ihr Projekt?

Die Menschen, die in St. Elisabeth in Nürnberg leben, sollen dies möglichst selbstbestimmt tun. Dass dazu ein starkes soziales Umfeld, menschliche Nähe und Hilfe im Alltag gehören, ist für uns selbstverständlich.

Die Frage war also zunächst, wie können wir ganz faktisch Lebensräume schaffen, die ein Höchstmaß an Selbstbestimmtheit zulassen. Dazu mussten erst einmal alle Barrieren weg – und das nicht nur im physischen Sinne, wie etwa durch Ausschalten sämtlicher Beeinträchtigungen im Sanitärbereich mithilfe ergonomischer Waschbecken oder ebenerdiger Duschen mit Haltegriffen.

Nein, wir gingen einen Schritt weiter und beseitigten auch visuelle Barrieren. Dies haben wir durch ein besonderes Farb- und Lichtkonzept erreicht, das vor allem Menschen mit Demenz bei der Orientierung hilft und damit ihr Wohlbefinden fördert und ihnen Sicherheit gibt. Auch haben wir uns für eine Wandoberfläche entschieden, die nicht nur optisch ansprechend ist. Sie verfügt über eine besondere Struktur, die Sehbeeinträchtigten quasi als Wiedererkennungsmerkmal den Weg nach draußen zeigt und damit eine haptische Orientierungshilfe ist.

Was wir bei alledem auch immer im Blick haben und hatten, ist die Situation unserer Mitarbeiter. Denn auch sie sind Teil unseres ganzheitlichen Ansatzes, auch sie sollen sich wohlfühlen und barrierefrei betreuen, versorgen und pflegen können.

Welche Bedeutung hat die Triodos Bank für Ihre Organisation?

Für uns ist es etwas Neues, dass eine Bank sich so sehr für Inhalte interessiert. Und dass es dadurch neben der Geschäftsebene auch eine menschliche Ebene gibt. Die Triodos Bank ist von unserem Konzept überzeugt und das gibt uns ein gutes Gefühl. Und natürlich hat uns die Triodos Bank überhaupt erst ermöglicht, dass wir unser Projekt in diesem Umfang und mit den so wichtigen Details umsetzen können.

Dazu gehört übrigens auch, dass wir auf umweltverträgliche Baumaterialien und Farben achten. Und dass wir einen nachhaltigen Ansatz verfolgen – schließlich möchten wir im Pflegesektor als gutes Beispiel voran gehen und hier langfristig etwas verbessern. Auch das eint uns mit den Werten der Triodos Bank und macht uns zu Partnern auf Augenhöhe, die gemeinsam etwas bewegen wollen.

Welche Bedeutung hat das Projekt auf den Sektor, in dem Sie tätig sind?

Wichtig ist, dass wir mit unserem Projekt eine große Aufmerksamkeit erzeugen. Sowohl Medien als auch Öffentlichkeit nehmen unser ganzheitliches Konzept als Leuchtturmprojekt wahr und bringen uns reges Interesse entgegen. Unser Projekt sorgt für Furore und das ist gut. Für uns, aber eben auch für die Sache selbst. Denn es findet in der Branche wie auch in der Bevölkerung eine Sensibilisierung statt.

Wir sind schon jetzt zu einem Vorbild für andere Einrichtungen geworden und das ist doch genau das, worum es geht: etwas verändern. Mit der Verbindung von Funktionalität und Design beispielsweise beschreiten wir einen Weg, der für eine Pflegeinrichtung bislang einmalig ist.

Welche gesellschaftliche Bedeutung hat Ihre Organisation?

Unser Projekt trägt dazu bei, dass das Umdenken bereits beim Renovieren und (Um-)Bauen von Einrichtungen stattfindet. Sprich, dass Umwelten mit Bedacht gestaltet werden, um den Menschen darin möglichst lang ein selbstbestimmtes Leben zu bewahren. Leider sieht die Realität häufig noch anders aus. Man erneuert und renoviert, ohne sich Gedanken zu machen, wie die einzelnen Komponenten zusammenwirken und wie man den Menschen damit helfen kann.

Also möchten wir auf dem sozialen Sektor auch Impulsgeber sein. Denn wir sehen dort aufgrund des wachsenden Bedarfs in den nächsten Jahren und Jahrzehnten ein großes Entwicklungspotential. Der Gesundheitsbereich wird neue interdisziplinäre Schnittstellen bilden – zu Architektur, Technik und den neuen Medien. Damit wird der soziale Bereich hoffentlich mehr Anerkennung erhalten. Genau die hat er schließlich verdient.

Wie sehr sehen Sie, dass die Triodos Bank Ihre Vision teilt?

Die Triodos Bank will einen positiven Wandel in der Gesellschaft. Und genau diesen positiven Wandel wollen wir ebenfalls! So ist es, als wenn zwei Räder ineinandergreifen. Unsere Vision von einer besseren Welt leben wir, indem wir Menschen Lebensqualität und Selbstbestimmtheit geben und ihre Würde wahren. Wir bauen für eine gute Zukunft, die Triodos Bank finanziert für eine gute Zukunft.

So sind wir gut gerüstet für eben diese Zukunft. Gemeinsam mit der Triodos Bank können wir unser Ziel der Nachhaltigkeit erreichen. Einer Nachhaltigkeit, die uns befähigt, allen gesellschaftlichen Bedürfnissen der kommenden Jahre in vollem Umfang bestmöglich zu begegnen.

Gesundheitswesen – Fallbeispiel (photo)

Benoît Ceysens, Vorstandsmitglied von La Ferme Nos Pilifs

Welche Herausforderung hat den Denkanstoß für dieses Projekt gegeben?

Betreute Werkstätten, die Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen anbieten, müssen lernen, sowohl in einem traditionellen als auch einem sich schnell wandelnden wirtschaftlichen Umfeld zu agieren, um bestehen und wachsen zu können.

Auf dem Bauernhof Ferme Nos Pilifs möchten wir ein inklusiveres, wirtschaftliches Modell entwickeln, das Arbeitskraft, Arbeitsplätze und Produkte neu organisiert, damit jeder Arbeit finden kann. Um dies zu erreichen, müssen wir Brücken zwischen der sozialen und der traditionellen Wirtschaft schlagen. Wir müssen unsere Art zu arbeiten neu erfinden.

Auf der Ferme Nos Pilifs ist es uns außerdem wichtig, dass unser Bauernhof und das soziale Unternehmen nicht nur als betreute Werkstatt wahrgenommen werden. Die Menschen sollen nicht aus Mitleid zu uns kommen. Die Ferme Nos Pilifs ist ein wertvolles Unternehmen, das nützliche und hochwertige Arbeit leistet.

Welche Strategie wurde zur Lösung dieses Problems entwickelt?

Die Ferme Nos Pilifs hat sich der Offenheit und Diversität verschrieben. Der Bauernhof entwickelt kleine handwerkliche Projekte vor Ort, die sich an den Bedürfnissen der Mitarbeiter orientieren. Dabei legt der Hof Wert auf starke, lokale Bindungen.

Besucher finden hier ein kleines Café, eine Farm für Kinder, eine Baumschule, ein ökologisches Gartenbauunternehmen, einen Lebensmittelmarkt mit Bäckerei für selbstgemachtes biologisches Brot und Gebäck und einen Versanddienst für den Druck und Versand von Postsendungen.

Derzeit sind 170 Menschen auf dem Bauernhof beschäftigt, davon 140 mit leichten Behinderungen. Jede Tätigkeit ist an die Fähigkeiten des Mitarbeiters angepasst und jeder Arbeitsplatz muss auch eine soziale Dimension haben, finanziell tragfähig sein und in das umweltfreundliche Gesamtkonzept des Projekts passen.

Welchen Einfluss hatte die Triodos Bank auf das Unternehmen?

Wie jedes Unternehmen braucht auch die Ferme Nos Pilifs verlässliche Partner in der Finanzierung. Unsere Zusammenarbeit mit der Triodos Bank geht über eine traditionelle Kunden-Dienstleister-Beziehung hinaus. Die Triodos Bank ist für uns zu einem echten Partner geworden.

Bei Projekten, für die wesentliche Investitionen nötig sind, macht die Herangehensweise an die Finanzierung den entscheidenden Unterschied. Die Antworten der Triodos Bank sind stets eher Ratschläge als kommerzielle Vorschläge. Für einen Unternehmer ist es ein großer Zugewinn, sich so auf seine Bank verlassen zu können.

Welchen Einfluss hat das Unternehmen auf den Sektor, in dem es aktiv ist?

Das inklusive Geschäftsmodell der Ferme Nos Pilifs ist in diesem Sektor einzigartig, beispielsweise die weitreichende Diversifizierung und die Verwurzelung in Bezirk und Stadt.

Neben unserem lokalen Schwerpunkt sind wir in unserer Vereinigung (FEBRAP, der Brüsseler Vereinigung für betreute Arbeitsplätze) aktiv und arbeiten weiterhin am Erhalt von Arbeitsplätzen für die am meisten gefährdeten Arbeitnehmer.

Welchen Einfluss hat das Unternehmen auf die direkte Umgebung?

Die Gründung der Ferme Nos Pilifs im belgischen Neder-Over-Heembeek hatte einen positiven Einfluss auf den Bezirk. Durch die Einbeziehung der Gemeinschaft vor Ort in die Aktivitäten des Bauernhofes hat die Ferme Nos Pilifs dazu beigetragen, das Ansehen des Bezirks zu verbessern.

Inwiefern kann sich die Triodos Bank mit der Vision des Projekts identifizieren?

Menschen mit Behinderungen einen sinnvollen und würdevollen Arbeitsplatz auf der Ferme Nos Pilifs zu bieten steht im Einklang mit den Grundprinzipien der sozialen Wirtschaft, in der die Triodos Bank in Belgien bereits seit 20 Jahren als Geldgeber tätig ist.

Inclusive Finance (inklusiver Finanzsektor)

Welche Herausforderung hat den Anstoß zu diesem Projekt gegeben?

Am Markt für Finanzierungen in der Taxi-Branche sind Finanzinstitute im strengen Sinn kaum vertreten. In Peru teilen sich einige wenige Anbieter den Markt für Automobilkredite. Geschäftsschwerpunkt ist hier jedoch die Finanzierung des Erwerbs von Neufahrzeugen für wohlhabendere Kunden. Zudem besteht der Großteil der Taxiflotte bislang aus älteren Fahrzeugen mit schlechten Abgaswerten. 30% der Taxis in Lima sind älter als 15 Jahre und müssen laut den 2016 eingeführten städtischen Verordnungen ersetzt werden.

Acceso Crediticio ist der einzige Anbieter am jungen regulären Markt für Automobilkredite in Peru, der sich besonders auf einkommensschwache Fahrer und umweltfreundliche Taxis spezialisiert hat.

Mit welcher innovativen Idee haben Sie dieses Problem gelöst?

Acceso Crediticio, ein 2011 gegründeter peruanischer Finanzdienstleister mit umfassendem Know-how im Bereich Automobilkredite, leistet einen wichtigen Beitrag zur finanziellen Inklusion. 70% der Kunden des Unternehmens haben keine Konten bei anderen Finanzinstituten. Einer von fünf Kunden eröffnet bei Acceso Crediticio zum ersten Mal ein Konto.

Die meisten Kunden des Instituts sind selbstständige, einkommensschwache Taxifahrer, die ansonsten kaum Möglichkeiten hätten, an ein eigenes Auto zu kommen. Acceso ist besonders auf die Vergabe von Krediten für Taxis mit Erdgasmotor fokussiert. Fahrzeuge mit Erdgasantrieb sind sauberer und bieten eine effizientere Alternative zu Taxis, die mit fossilen Brennstoffen fahren. Damit trägt Acceso dazu bei, die Zahl umweltschädlicher Fahrzeuge in Peru zu reduzieren, und leistet so einen direkten Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels.

Welche Bedeutung hatte die Triodos Bank für Ihr Unternehmen?

Die vom Triodos Fair Share Fund und Triodos Microfinance Fund bereitgestellten Kredite haben Acceso dabei unterstützt, seinen Wirkungskreis zu vergrößern. Die Kredite werden in Landeswährung vergeben, sodass das Unternehmen kein Währungsrisiko tragen muss. Gleiches gilt für die Kunden von Acceso Crediticio, da auch das Unternehmen seine Kredite in der Landeswährung vergibt. Dank der von der Triodos Bank bereitgestellten Mittel konnte Acceso seinen Wirkungskreis auf 14.850 Kunden ausweiten, ohne hierfür ein weit verzweigtes und möglicherweise teures Filialnetz aufbauen zu müssen.

Welche Wirkung hat Ihr Unternehmen für den Sektor?

Acceso Crediticio ist auf die Finanzierung von Kleinst- sowie kleinen und mittleren Kunden in der Automobilbranche spezialisiert und stark der finanziellen Inklusion verpflichtet. Mit diesem innovativen Finanzierungskonzept eröffnet das Unternehmen am peruanischen Markt neue Perspektiven und ist damit Impulsgeber auch für die Konkurrenz.

Welche Wirkung hat Ihr Unternehmen für die Menschen vor Ort?

Acceso Crediticio ist der führende Anbieter von Krediten für erdgasgetriebene Taxis in Peru. Es ist diese Ausrichtung auf Erdgasfahrzeuge, die das Unternehmen so einzigartig macht. Das Kreditportfolio des Unternehmens besteht zu knapp 70% aus Kleinst- sowie kleinen und mittleren Kunden, die sich ein erdgasgetriebenes Fahrzeug zulegen oder ihr herkömmliches benzingetriebenes Fahrzeug auf Erdgasantrieb umrüsten möchten. Das Unternehmen hat mit seiner Geschäftstätigkeit so eine starke soziale Wirkung wie auch einen starken Umweltschutzeffekt. Acceso Crediticio bietet den Fahrern eine Lebensgrundlage und trägt gleichzeitig zu einer gesünderen und saubereren Umwelt in den Regionen bei, in denen das Unternehmen tätig ist.

Inwiefern kann sich die Triodos Bank mit Ihrer Vision identifizieren?

Acceso Crediticio verfügt über ein einzigartiges Geschäftsmodell. Daraus ergibt sich für die Fonds von Triodos Investment Management die Möglichkeit, starke Wirkungsakzente in puncto Finanzinklusion und Umweltschutz zu setzen, in einem Marktsegment, das bislang von lokalen und internationalen Investoren kaum beachtet wird.

Welche Herausforderung hat den Denkanstoß für dieses Projekt gegeben?

Indonesien hat mit das höchste Niveau an finanzieller Exklusion in Asien. Etwa 50% der Bevölkerung hat keinen Zugang zu Finanzdienstleistungen wie Sparkonten oder Kleinkredite. Dies hat erhebliche Auswirkungen auf die Lebensqualität der Menschen.

Als Finanzinstitut möchte Bina Artha dieses Problem angehen. Und möchte dabei mehr tun, als nur Kredite für unternehmerische Aktivitäten bereitzustellen. Ein Beispiel ist der von Bina Artha vergebene Sanitärkredit. 40% der Bevölkerung von 100 Millionen Menschen in Indonesien haben nach wie vor keinen Zugang zu angemessenen sanitären Anlagen, einfach weil sie es sich nicht leisten können. Infolgedessen nutzen viele provisorische Einrichtungen, wo immer sie diese finden können.

Welche innovative Strategie haben Sie zur Lösung dieses Problems entwickelt?

Bina Artha bietet seit Kurzem einen Sanitärkredit für den Kauf einer im Haus befindlichen Toilette an. Neben der reinen Bereitstellung von Mitteln helfen sie Kreditnehmern auch, ein Geschäft aufzubauen, um den Kredit zurückzahlen zu können und letztlich ihre langfristigen Lebensbedingungen weiter verbessern zu können.

Welchen Einfluss hatte die Triodos Bank auf das Geschäft?

Die vom Triodos Fair Share Fund und Triodos Microfinance Fund bereitgestellten Kredite unterstützen Bina Artha dabei, seinen Wirkungskreis zu vergrößern. Die Kredite werden in Landeswährung vergeben, sodass Bina Artha kein Währungsrisiko eingehen muss. Dank dieser Kredite konnte Bina Artha seinen Kundenkreis über ein Netzwerk von 227 Niederlassungen auf 226.000 Personen erweitern. 99% seiner Kunden sind Frauen. 50% der bedienten Haushalte leben unterhalb der Armutsgrenze von 2 USD pro Tag.

Die Gebiete, in denen das Unternehmen aktiv ist, sind über ganz Java verteilt, mit Schwerpunkt auf ländlichen Gegenden. Geplant ist, auch in andere Teile Indonesiens zu expandieren.

Welchen Einfluss hatte Ihr Geschäft auf den Sektor, in dem Sie tätig sind?

Das Ziel von Bina Artha besteht in der Bereitstellung spezieller Finanzdienstleistungen an die wirtschaftlich aktive, vorwiegend weibliche Bevölkerung mit niedrigem Einkommen auf faire, transparente, effiziente und nachhaltige Weise. Dadurch nimmt Bina Artha eine zentrale Rolle im Finanzsektor Indonesiens ein.

Welchen Einfluss hatte das Geschäft auf die direkte Umgebung?

Bina Artha ist vorwiegend in ländlichen Gebieten aktiv, in denen etwa 70% seiner Kunden leben. Diese Gebiete sind geprägt von einer sehr großen, unerfüllten Nachfrage nach grundlegenden Finanzdienstleistungen und -produkten. Das Institut ist in den Gemeinden, in denen es tätig ist, gut verwurzelt und alle Mitarbeiter werden lokal angeworben. Neue Produkte werden mit einem ausgeprägten Sinn für die Bedürfnisse der Kunden entwickelt, wie der jüngst aufgelegte Kredit für Sanitäranlagen zeigt.

Inwiefern kann sich die Triodos Bank mit der Vision des Projekts identifizieren?

Die Triodos Bank arbeitet über ihre Inclusive Finance-Fonds seit 2013 mit Bina Artha zusammen. Die Triodos Bank hat die gleiche Vision wie Bina Artha: die Steigerung der finanziellen Inklusion im Land sowie die Einbeziehung all jener, die bislang ausgeschlossen waren.

Beide Unternehmen wissen um die Bedeutung der Entwicklung eines Best Practice-Modells für Mikrofinanzinstitute, das zur Entwicklung eines inklusiven Finanzsektors beiträgt. Denn Unternehmen wie diese sind wichtige Triebfedern für eine langfristige nachhaltige Entwicklung.

Mikrofinanzierung – Fallbeispiel (photo)

Hannes Manndorff, Director von Dawn Myanmar

Welche Herausforderung hat den Denkanstoß für dieses Projekt gegeben?

Als Accion vor etwa zweieinhalb Jahren nach einer Investmentmöglichkeit in Myanmar suchte, hatten weniger als 20% der Bevölkerung Zugang zu regulären Finanzdienstleistungen und es gab in dem Land sehr wenige Mikrofinanzinstitute. Zwar befand sich Myanmar in einem Prozess des politischen und wirtschaftlichen Reformprozesses, es war jedoch noch immer das drittärmste Land Asiens. Der große und bis dahin ungenutzte Markt für Mikrofinanzierungen in Verbindung mit geringen Kapazitäten, schwacher Infrastruktur und einem äußerst unsicheren regulatorischen Umfeld stellten sowohl eine Gelegenheit als auch eine Herausforderung dar, die wir bereit waren anzugehen.

Welche Strategie haben Sie zur Lösung dieses Problems entwickelt?

Accion schloss sich mit Triodos Investment Management und FMO zusammen, zwei Instituten, mit denen wir bereits seit langem erfolgreich zusammenarbeiten, um auf das landesweit einzige MFI zu bieten, das zum Verkauf stand: Dawn Microfinance von Save the Children. Nachdem wir den Zuschlag erhalten hatten, übertrug das Konsortium erfolgreich und ohne größere Unterbrechungen für Kunden oder Mitarbeiter das Geschäft einschließlich aller Mitarbeiter und Vermögenswerte von Save the Children auf eine neue gewinnorientierte Organisation. Der Kauf und die Übertragung stellten einen enormen Vorteil gegenüber der vollständigen Neugründung einer solchen Organisation dar, was die einzige Alternative gewesen wäre, um hochwertige Finanzdienstleistungen für alle Menschen ohne Versorgung durch Banken in Myanmar bieten zu können. Die institutionelle Umwandlung eines Programmes, das zuvor zu Save the Children gehörte, zu einem eigenständigen, gewinnorientierten Mikrofinanzunternehmen mit Zulassung durch die Zentralbank, stellte in Myanmar zu dieser Zeit einen wahren Meilenstein dar.

Welchen Einfluss hatte die Triodos Bank auf Ihr Geschäft?

Triodos Investment Management, FMO und Accion haben sich zu einer Zeit, als in Myanmar noch immer große politische, wirtschaftliche und regulatorische Unsicherheit herrschte, zusammengetan, um ein junges MFI zu übernehmen. Die Geschlossenheit und das Engagement aller drei Investoren, DAWN zu einem führenden Best Practice-MFI zu machen, haben Save the Children davon überzeugt, das Unternehmen an das Konsortium zu verkaufen. Sowohl Triodos als auch FMO haben sich mit viel Erfahrung und Glaubwürdigkeit in das Geschäft eingebracht, weshalb die Aufsichtsbehörden eher geneigt waren, die notwendigen Genehmigungen und Zulassungen für die Transaktion zu erteilen. Triodos hat zudem durch ihre Beteiligung auf Ebene der Unternehmensführung von DAWN mit Femke Bos, Fondsmanagerin des Triodos Microfinance Fund, als äußerst engagiertes Mitglied des Verwaltungsrates und Vorsitzende des Prüfungsausschusses einen großen Beitrag geleistet. Zudem konnte DAWN bereits von den weitreichenden Beziehungen profitieren, über die Triodos in der Region verfügt, beispielsweise durch einen Vor-Ort-Besuch bei einem der führenden MFIs in Kambodscha, durch den das Unternehmen sich mit Best Practices in der Unternehmensführung, im Management und im Geschäftsbetrieb vertraut machen konnte.

Welchen Einfluss hat Ihr Unternehmen auf den Sektor?

Seit der Übernahme von DAWN durch das Konsortium im März 2015 hat sich der Einzugsbereich in Bezug auf die Zahl der aktiven betreuten Kunden auf 54.000 verdoppelt. Das Investorenkonsortium bemüht sich zudem darum, die Entwicklung des Sektors zu beeinflussen, indem es führendes Beispiel für qualitativ hochwertige Mikrofinanzierung in Myanmar wird und aktiv mit den Aufsichtsbehörden und der breiteren Gemeinschaft im Bereich der finanziellen Inklusion in Kontakt tritt.

Welchen Einfluss hat das Unternehmen auf die direkte Umgebung?

Durch das Investment von Triodos Investment Management, FMO und Accion konnte DAWN seine Dienstleistungen rasch auf neue Gebiete ausdehnen und kann tausende Kunden betreuen, die bisher ohne Bankversorgung waren. Seit der Übernahme konnten die Kunden zudem von vereinheitlichten Produkten, kürzeren Bearbeitungszeiten und geringeren Gebühren profitieren. Die Investoren und DAWN sind bestrebt, das Produktangebot weiter auszubauen und zu erweitern, die Erfahrung für die Kunden zu verbessern und innerhalb der nächsten vier Jahre die Kundenbasis auf mindestens 200.000 aktive Kunden zu erhöhen.

Inwiefern kann sich die Triodos Bank mit der Vision Ihres Unternehmens identifizieren?

Seit Anbeginn der Zusammenarbeit haben Triodos Investment Management, FMO und Accion dieselbe Vision für Myanmar und DAWN verfolgt, nämlich DAWN als Instrument zu nutzen, um die finanzielle Inklusion des Landes zu fördern, ein Vorbild-MFI für Best Practices zu entwickeln, einen Beitrag zur Entwicklung des Finanzsektors zu leisten und auf lange Sicht sowohl eine finanzielle als auch eine soziale Rendite zu erzielen.