Wirkung im Bereich Mikrofinanzierungen

Das Thema

Geschätzte 2,7 Milliarden Menschen bzw. annähernd die Hälfte der Weltbevölkerung haben keinerlei Zugang zu regulären Finanzdienstleistungen. Sie können weder ein Bankkonto eröffnen noch einen Kredit beantragen, um sich geschäftlich selbständig zu machen, noch eine Versicherung abschließen.

Für Millionen von Menschen bedeutet Zugang zu Finanzdienstleistungen zu haben eine neue Perspektive für ihr Leben. Sie können dann zum Beispiel schrittweise Vermögen aufbauen, ein kleines Unternehmen gründen, ihr Einkommen aufbessern, Schulgeld ansparen oder finanziell für die Zukunft vorsorgen.

Bis jeder Mensch auf der Welt überall Zugang zu einem breiten Spektrum von Finanzdienstleistungen hat, ist noch ein weiter Weg. Mit einer wachsenden Zahl engagierter Finanzinstitute hat sich das Angebot an Finanzdienstleistungen für arme Menschen in den letzten zehn Jahren jedoch enorm vergrößert.

Die Branche hat bewiesen, dass Menschen mit geringerem Einkommen durchaus bankfähig sind und in ihrer Entwicklung nachhaltig von Finanzdienstleistungen profitieren. Der Erfolg der Mikrofinanzinstitute hat sie als Partner für Geschäftsbanken interessant gemacht, die so potenzielle Kunden mit geringerem Einkommen erreichen wollten. In einigen Märkten entwickelten sich Mikrofinanzinstitute (MFIs) zu echten Banken und konnten so ihr Dienstleistungsangebot weiter auf kleine und mittelständische Unternehmen oder Immobilienfinanzierungskredite ausweiten.

Es gibt jedoch noch einiges zu tun, nicht zuletzt deswegen, weil Millionen von Menschen immer noch von einer Grundversorgung mit Finanzdienstleistungen ausgeschlossen sind. Mit zunehmender Integration des Mikrofinanzsektors in das etablierte Finanzsystem sieht sich dieser Sektor auch mit vielen Problemen herkömmlicher Banken konfrontiert. In den letzten Jahren haben die Gier neuer Anleger nach schnellem Profit, aggressives Wachstum und härterer Wettbewerb zu einer Überhitzung des Finanzsystems, einer Überschuldung der Kunden und der Schließung einiger Institute geführt. Wachstum und Rentabilität wurden über die Interessen der Mikrokreditnehmer gestellt. Damit stellte sich die Frage, ob Gewinnorientierung ab einem gewissen Grad nicht auf Kosten der nachhaltigen Entwicklung geht.

Auf dem Entwicklungsstand, den die Mikrofinanzbranche mittlerweile erreicht hat, muss ihr hier die Quadratur des Kreises gelingen, um einen inklusiven Finanzdienstleistungssektor zu schaffen, der die Interessen von Kunden mit geringem Einkommen in den Vordergrund stellt.

Die Vision der Triodos Bank

Die Triodos Bank hat sich seit ihrer ersten Investition im Bereich Mikrofinanzierung im Jahr 1994 zu einem der führenden Akteure in diesem Segment entwickelt. Wir erkannten damals, dass nachhaltige Entwicklung und das Thema Armut miteinander verbunden und weltweite Probleme sind und haben seitdem unser Fachwissen zum Bankwesen in den Dienst der Mikrofinanzierungsbewegung gestellt.

In den letzten zehn Jahren hat sich diese Bewegung rasant entwickelt: Zahlreiche Regierungen rund um den Globus, aber auch internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen und die G-20-Staaten haben die Bedeutung des Aufbaus eines sogenannten inklusiven Finanzierungssektors (Inclusive Financial Sector) erkannt, der nicht mehr ganze Bevölkerungsgruppen vom Zugang zu Finanzdienstleistungen ausschließt. Immer mehr Kapitalanleger erkennen das Potenzial von Mikrofinanzierungen für eine soziale und finanzielle Rendite und suchen daher verstärkt direkte Beteiligungsmöglichkeiten auf diesem Gebiet.

Als Triodos Investment Management können wir die Richtung, in die sich die Branche für Mikrokredite entwickelt, mit beeinflussen. Wir teilen diese Verantwortung, die Interessen der Kunden zu verstehen, anzuerkennen und entsprechend zu handeln, mit allen an der Wertschöpfungskette Beteiligten – Anlegern, den Mikrofinanzierungsinstituten und anderen Stakeholdern. Diese Kunden leben im Allgemeinen von einem sehr niedrigen Einkommen und sind wegen mangelnder Kenntnisse im Finanzbereich und fehlenden Einflusses noch zusätzlich benachteiligt. Die Interessen dieser Menschen und ihrer Familien in den Mittelpunkt zu stellen, ist für uns der Schlüssel zu einer nachhaltigen Entwicklung im Finanzsektor.

Eine Gruppe von Investoren, zu denen Triodos Investment Management und Ihre Königliche Hoheit Prinzessin Máxima der Niederlande, UN-Sonderbeauftragte für „Inclusive Finance for Development“ gehören, haben gemeinsamen die „Investment Principles for Inclusive Finance“ erarbeitet, die dazu beitragen sollen, dass sich der Finanzdienstleistungssektor stärker an den Interessen seiner Kunden ausrichtet. Diese Investoren gehen davon aus, dass solche Grundsätze für den Bereich Inclusive Finance und damit auch das Marktsegment Mikrofinanzierung die Entwicklung hin zu einer verantwortungsbewussten Finanzbranche fördern werden. Die Grundsätze wurden gemeinsam mit einer großen Gruppe von Stakeholdern entwickelt, zu denen auch die United Nations Principles for Responsible Investment Initiative (UNPRI) gehört. Sie wurden im Januar 2011 offiziell eingeführt. Bis zum Jahresende hatten 55 internationale Investoren die Grundsätze unterzeichnet. Vorsitzende des Lenkungsausschusses der Principles for Investors in Inclusive Finance-Initiative ist Marilou van Golstein Brouwers, Geschäftsführerin der Triodos Investment Management.

Die Triodos Bank unterstützt den Sektor auch in anderer Hinsicht: Wir haben erkannt, dass wir in einer vernetzten Welt leben, in der Veränderungen in einem Land, z. B. Wirtschaftskrisen, tiefgreifende Auswirkungen auf Länder auf der anderen Seite des Erdballs haben können. Diese Vernetzung birgt jedoch auch enorme Chancen. So war die Triodos Bank 2009 Mitgründerin der Global Alliance for Banking on Values, einem Bankennetzwerk, das durch die Bedienung bislang von der Versorgung mit Finanzdienstleistungen abgeschnittener Menschen oder Gemeinschaften deren nachhaltige Entwicklung und auch einen nachhaltigen Umgang mit der Umwelt fördert.

Und was tut die Triodos Bank konkret?

Seit 1994 ist das von uns verwaltete Vermögen im Mikrofinanzierungssektor auf 360 Mio. EUR angestiegen. Damit sind wir einer der führenden Akteure auf diesem Gebiet.

Unser zentrales Anliegen sind dabei auf Transparenz und Fairness beruhende langfristige Partnerschaften mit Mikrofinanzinstituten, die ein kontinuierliches Engagement in den Bereichen Umwelt und Soziales zeigen. 2010 wurde unsere langjährige Erfahrung als werteorientierter Investor im Bereich Mikrofinanzierung auch auf internationaler Ebene honoriert: Consultative Group to Assist the Poor (CGAP) hat Triodos Investment Management als eines der drei besten Institute in der Kategorie „Vermögensverwalter Mikrofinanzierung“ ausgezeichnet.

Über die auf Mikrofinanzierung spezialisierten Fonds1 Triodos-Doen, Hivos-Triodos, Triodos Fair Share Fund und Triodos Microfinance Fund haben wir 95 neue, beziehungsweise bestehende Mikrofinanzierungsinstitute in 43 Ländern mit Fremd- und Eigenkapital versorgt. Wir sind im Auftrag unserer Fondsinvestoren Anteilseigner von 19 führenden Mikrofinanzinstituten und Banken und spielen im jeweiligen Aufsichtsrat eine aktive Rolle, indem wir unser Wissen und unsere Fachkenntnisse über nachhaltige Bankgeschäfte einbringen.

Jedes Mikrofinanzinstitut in unserem Portfolio hat ein nachhaltiges Konzept, wie es benachteiligten Kundengruppen Finanzdienstleistungen zur Verfügung stellt. Wir haben ein Nachhaltigkeitsmanagement entwickelt, das auf den Standards und Leitlinien der Social Performance Task Force der CGAP (Consultative Group to Assist the Poor) basiert, an der wir aktiv beteiligt sind. Dadurch sind wir in der Lage, die nicht-finanzielle Wirkung der Geschäftstätigkeit der Mikrofinanzinstitute in unserem Portfolio effektiv zu analysieren und zu überwachen und entsprechende Berichte zu erstellen. Für MFIs gibt es vier Bewertungskategorien: Produkte und Dienstleistungen, verantwortungsbewusste Bankgeschäfte, Verantwortung für die Umwelt und soziale Verantwortung. Wir arbeiten gemeinsam mit unseren Kunden daran, dass die Entwicklung der Branche in eine Richtung geht, die sie eine Antwort auf zentrale strategische Herausforderungen finden lässt, wie z.B. die Bereitstellung von Finanzierung für Projekte im Bereich erneuerbare Energien oder für nachhaltige Landwirtschaft. Dies ist ein wichtiger Bestandteil unserer Strategie, insbesondere in Bezug auf die Fonds Triodos-Doen und Hivos-Triodos.

Die von uns finanzierten Mikrofinanzinstitute erreichen 7,9 Millionen Kreditnehmer, von denen 66 % Frauen sind und 46 % in ländlichen Gebieten leben.

Eine kurze Beschreibung aller MFIs in unserem Portfolio sowie eine Reihe von Kennzahlen finden sich unter "Mit meinem Geld beweg ich was".

1 Die Fonds werden von Triodos Investment Management, einer 100 %-igen Tochtergesellschaft der Triodos Bank verwaltet.

Zahlen

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2011
Beträge in TEUR

Hivos – Triodos Fund

Triodos – Doen Fund

Triodos Fair Share Fund

Triodos SICAV II – Triodos Microfinance Fund

 

 

 

 

 

Verwaltetes Vermögen

68.143

82.235

121.111

91.679

Anzahl der finanzierten Institute

44

59

43

28

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2010
Beträge in TEUR

Hivos – Triodos Fund

Triodos – Doen Fund

Triodos Fair Share Fund

Triodos SICAV II – Triodos Microfinance Fund

 

 

 

 

 

Verwaltetes Vermögen

47.816

76.538

93.475

59.977

Anzahl der finanzierten Institute

40

51

38

22