Wirkung auf Mikrofinanzen

Das Thema

Geschätzte 2,7 Milliarden Menschen beziehungsweise annähernd die Hälfte der Weltbevölkerung haben keinerlei Zugang zu offiziellen Finanzdienstleistungen. Sie können weder ein Bankkonto eröffnen noch einen Kredit aushandeln, um ein eigenes Unternehmen oder Geschäft zu eröffnen, noch eine Versicherung abschließen. Daher gibt es noch viel zu tun, damit jeder Mensch auf der Welt überall Zugang zu den verschiedenen Finanzdienstleistungen erhält. Denn ein solcher Zugang wirkt sich ganz wesentlich auf das Leben der Menschen aus. Er versetzt sie in die Lage, zum Beispiel ein kleines Unternehmen zu gründen, ihr Einkommen aufzubessern, Schulgeld zu sparen oder ein finanzielles Polster für die Zukunft aufzubauen.

In den letzten zehn Jahren hat sich das Angebot an unterschiedlichen Finanzdienstleistungen für arme Menschen durch eine zunehmende Anzahl von engagierten Finanzinstituten enorm vergrößert. Diese Entwicklung hat bereits für viele Menschen erhebliche Verbesserungen mit sich gebracht, aber gleichzeitig gibt es noch immer große Herausforderungen, und nüchtern betrachtet steckt der Anteil der globalen Finanzbranche, der sich der mittellosen Mehrheit der Weltbevölkerung widmet, immer noch in den Kinderschuhen. Doch das Segment wächst stetig und muss inzwischen auch die im Lauf seiner Geschäftstätigkeit neu entstehenden Herausforderungen wohl überlegt angehen. Denn je stärker Mikrofinanzierungen in das etablierte Finanzsystem integriert werden, umso mehr wird dieser Sektor mit denselben Problemen konfrontiert, denen sich die Finanzbranche als Ganzes gegenübersieht. In einigen Ländern hat ein aggressives Wachstum und die zunehmende Konkurrenz im Bereich Mikrofinanzierung schon zu einer Überhitzung und in deren Folge zu einer Überschuldung der Kunden geführt. Leider hat der Dienst am Kunden auch hier nicht für jeden Anbieter oberste Priorität.

Die Vision der Triodos Bank

Die Triodos Bank hat sich seit ihrer ersten Investition im Bereich Mikrofinanzierung im Jahr 1994 zu einem der führenden Investoren in diesem Segment entwickelt. Wir erkannten damals, dass nachhaltige Entwicklung und das Thema Armut miteinander verbunden und weltweite Probleme sind und haben seitdem unser Fachwissen zum Bankwesen in den Dienst der Mikrofinanzierungsbewegung gestellt.

In den letzten zehn Jahren hat sich diese Bewegung rasant entwickelt: Für 2005 riefen die Vereinten Nationen das Internationale Jahr der Kleinstkredite aus; 2006 wurde Muhammad Yunus und seiner Grameen Bank der Friedensnobelpreis verliehen. Zahlreiche Regierungen, aber auch internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen und die G-20-Staaten haben die Bedeutung des Aufbaus eines sogenannten einbeziehenden („einschließenden“) Finanzierungssektors (Inclusive Financial Sector) erkannt, über den erst die Mehrheit der Menschen Zugang zu Finanzdienstleistungen erhält. Gleichzeitig erkennen in den letzten Jahren immer mehr Spender und Kapitalanleger das Potenzial von Mikrofinanzierungen für eine soziale und finanzielle Rendite; sie suchen daher verstärkt direkte Beteiligungsmöglichkeiten auf diesem Gebiet.

Somit ist in den letzten Jahren immer mehr Kapital – wenn auch mit unterschiedlichen Ergebnissen – in den Markt für Mikrofinanzierungen gelangt. Dabei treten bisweilen aber auch neue Investoren auf den Plan, die nur an kurzfristigen Profiten interessiert sind und Mikrofinanzinstitute zu einem aggressiven Wachstum zwingen, was im Widerspruch zu den Interessen der Kunden steht. Dies führte in einigen Ländern bereits zu einer Überschuldung der Mikrokreditnehmer.

Da wir selbst Investor sind, können wir die Richtung, in die sich die Branche für Mikrokredite entwickelt, mit beeinflussen. Wir teilen diese Verantwortung mit allen an der Wertschöpfungskette Beteiligten – den Mikrofinanzierungsinstituten und anderen Stakeholdern –, um die Interessen der Kunden zu verstehen, anzuerkennen und entsprechend zu handeln. Diese Kunden leben im Allgemeinen von einem sehr niedrigen Einkommen; zudem sind ihnen aufgrund mangelnder Kenntnisse im Finanzbereich und eines fehlenden Einflusses insgesamt nur enge Grenzen gesetzt. Doch die Konzentration auf die Interessen dieser Menschen und ihrer Familien sehen wir als einzige richtige Möglichkeit an, nachhaltige finanzielle Ergebnisse zu erzielen.

Eine Gruppe von Investoren, zu denen Triodos Investment Management und Ihre Königliche Hoheit Prinzessin Maxima der Niederlande, UN-Sonderbeauftragte für „Inclusive Finance for Development“ gehören, haben im Berichtsjahr einen gemeinsamen Entwurf für Investmentgrundsätze bei Inclusive Finance erarbeitet, um dabei die Interessen der Kunden in den Vordergrund zu stellen. Neben dem unmittelbaren Nutzen für die betreffende Kundengruppe gehen die Investoren davon aus, dass diese Grundsätze für Investoren im Bereich Inclusive Finance, zu dem die Mikrofinanzierung gehört, die generelle Entwicklung hin zu einer verantwortungsbewussten Finanzbranche stärken wird. Die Grundsätze wurden gemeinsam mit einer großen Gruppe von Stakeholdern entwickelt, zu denen auch die United Nations Principles for Responsible Investment Initiative (UNPRI) gehört. Sie werden 2011 offiziell eingeführt.

Und was tut die Triodos Bank konkret?

Seit 1994 haben wir im Mikrofinanzierungssektor ein Portfolio von 250 Mio. EUR aufgebaut und sind damit einer der führenden Investoren auf diesem Gebiet. Unser Hauptaugenmerk richtet sich dabei auf langfristige Beziehungen, die auf Transparenz und Fairness beruhen, sowie auf ein gemeinsames Engagement zur Bekämpfung von Armut und auf den sorgsamen Umgang mit unserem Planeten. Im Berichtsjahr wurde unsere langjährige Erfahrung als werteorientierter Investor im Mikrofinanzierungssektor auch auf internationaler Ebene honoriert: Consultative Group to Assist the Poor (CGAP) hat Triodos Investment Management als eines der drei besten Institute in der Kategorie „Vermögensverwalter Mikrofinanzierung“ ausgezeichnet. Über die auf Mikrofinanzierung spezialisierten Fonds1 Triodos-Doen, Hivos-Triodos, Triodos Fair Share Fund und Triodos Microfinance Fund haben wir 85 neue beziehungsweise bestehende Mikrofinanzierungsinstitute in 43 Ländern mit Fremd- und Eigenkapital versorgt. Jedes Mikrofinanzinstitut weist ein nachhaltiges Konzept vor, wie es benachteiligten Kundengruppen Finanzdienstleistungen zur Verfügung stellt. Wir sind Anteilseigner von 19 führenden Mikrofinanzinstituten und spielen im jeweiligen Aufsichtsrat eine aktive Rolle, indem wir unser Wissen und unsere Fachkenntnisse über nachhaltige Bankgeschäfte zur Verfügung stellen. Die Mikrofinanzinstitute unseres Portfolios erreichen 7,4 Millionen Kreditnehmer, von denen 67 % Frauen sind und 54 % in ländlichen Gebieten leben. Die Mikrofinanzinstitute in unserem Portfolio haben zudem 5,2 Millionen Einlagekunden.

1 Die Fonds werden von Triodos Investment Management verwaltet, einer 100prozentige Tochtergesellschaft der Triodos Bank.

Zahlen

  (XLS:) Download XLS

2010
Beträge in TEUR

Hivos – Triodos Fund

Triodos – Doen Fund

Triodos Fair Share Fund

Triodos SICAV II – Triodos Microfinance Fund

 

 

 

 

 

Fondsvolumen

46.855

72.405

78.509

50.819

Anzahl der finanzierten Institute

40

51

38

22

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2009
Beträge in TEUR

Hivos – Triodos Fund

Triodos – Doen Fund

Triodos Fair Share Fund

Triodos SICAV II – Triodos Microfinance Fund

 

 

 

 

 

Fondsvolumen

42.560

60.229

60.424

21.892

Anzahl der finanzierten Institute

44

49

29

12