2019 Gesundheitswesen

Welche Herausforderung hat den Anstoß zu diesem Projekt gegeben?

Die Mission von Centrum Ganspoel ist die Begleitung von Menschen mit Seh- und Mehrfachbehinderungen an einem Ort, der für sie besonders geeignet ist.

Der zentrale Campus von Ganspoel liegt malerisch zwischen Feldern, aber auch sehr abgelegen. Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass für eine Gruppe junger Menschen die Kombination von Schulbesuch und Aufenthalt auf dem großen zentralen Campus nicht wirklich ihren Fähigkeiten entspricht. Diese Gruppe sollte am sozialen Leben teilnehmen können wie andere junge Menschen auch: sich im lokalen Sportclub betätigen, selbst zur Bäckerei gehen, ausgehen können; kurzum: am täglichen Leben teilnehmen können.

Deshalb fanden wir es angemessen, diese Gruppe junger Menschen in das Zentrum der Stadt Tervuren zu verlegen. Damit wurde die Möglichkeit geschaffen, im Stadtzentrum zu leben, womit Freizeiteinrichtungen nun zu Fuß erreichbar sind, sowie in einer Straße mit Anschluss an die Einkaufsstraße und den Kirchplatz zu leben.

Was war so innovativ an der Art und Weise, wie dieses Problem angegangen wurde?

Der innovative Aspekt dieses Projekts liegt im Ansatz für die Zielgruppe. Inklusive Wohnprojekte für Erwachsene gibt es schon seit mehreren Jahren, aber nicht für junge Leute. Kinder aus verschiedenen Provinzen besuchen die Schule im Centrum Ganspoel, was bedeutet, dass in der Regel auch Unterbringung erforderlich ist. Um größtmögliche maßgeschneiderte Unterstützung bieten zu können, bedurfte das Projekt einer auf die Bedürfnisse zugeschnittenen Infrastruktur und eines passenden Standorts.

Welche Wirkung hat das Unternehmen bzw. die Organisation für den Sektor?

Der Wohltätigkeitssektor für Menschen mit Behinderung hat einen grundlegenden Wandel durchlaufen, wobei die private Finanzierung im Mittelpunkt des Interesses steht. Dies galt zunächst nur für Erwachsene, wurde inzwischen jedoch auf junge Menschen ausgeweitet. Unser Projekt stand von Anfang an vollkommen mit diesem Wandel im Einklang und hatte somit in dieser Hinsicht Vorbildfunktion.

Welche Wirkung das Unternehmen bzw. die Organisation für die Menschen vor Ort?

Der Stadtrat hat unser Projekt von Anfang an unterstützt und mit unserem Team zusammengearbeitet. Außerdem haben freiwillige Judo-Trainer des lokalen Vereins Informationen über Sport mit Menschen mit Sehbehinderung erhalten. Lokale Unternehmen bieten den jungen Menschen Praktika an. Zudem waren Anwohner und Förderer zur Eröffnung der neuen Unterkunft eingeladen. Die beteiligten jungen Leute werden nun nicht mehr als die „Jugend vom De Pit“ bezeichnet, sondern mit ihrem Namen und als Mitglieder der Vereinigung angesprochen.

Als der Stadtrat Mobilitätsmaßnahmen plante, zog er unsere Mitarbeiter zu Rate, um neue Fußwege mit tastbaren Markierungen als Führungslinie für blinde Menschen zu schaffen. Bei der Aufstellung neuer Verkehrsampeln wurden die Bedürfnisse von Menschen mit einer (Seh-)Behinderung berücksichtigt.

Die Ankunft dieser Gruppe junger Leute hat Wirkung auf die Politik des Stadtrates gezeitigt. Letztlich hat die gesamte Gemeinde profitiert – sowohl die Menschen mit als auch ohne Behinderungen.

Welche Bedeutung hatte die Triodos Bank für Ihr Unternehmen bzw. Ihre Organisation?

Die Triodos Bank hat ihr Vertrauen in uns gesetzt, was die finanzielle Umsetzung des Projekts anbelangt. Dadurch konnten wir uns vollständig auf den Inhalt und Mehrwert für unsere Kunden konzentrieren.

Wir haben inzwischen ein neues Projekt auf dem zentralen Campus von Centrum Ganspoel gestartet und sind hocherfreut, ein zweites Mal mit der Triodos Bank zusammenarbeiten zu können. Neben den sozialen Vorteilen möchten wir sicherstellen, dass das neue Projekt aus breiterer Perspektive nachhaltig ist, zum Beispiel im Hinblick auf die beim Bau verwendeten Techniken und Materialien.

Inwiefern kann sich die Triodos Bank mit der Vision des Projekts identifizieren?

Die Triodos Bank unterstützt das Ziel des Projekts: das Erreichen einer maximalen Inklusion von Menschen mit Behinderungen. Ich denke, wir haben einen großen Erfolg erzielt. Vielleicht ist es für eine vollständige Inklusion noch ein bisschen verfrüht, was jedoch daran liegt, dass das Thema in der breiteren Öffentlichkeit noch nicht so präsent ist. Die jungen Menschen jedoch, mit denen wir zusammenarbeiten, sind ganz klar vollständig in die lokale Gemeinschaft eingebunden.